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Lübeck Stecknitzfahrer-Haus im neuen Glanz
Lokales Lübeck Stecknitzfahrer-Haus im neuen Glanz
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21:14 16.11.2016
Freude pur: Hartmut Haase (v. l.), Wolf-Dietrich Turné und Margret Cuwie enthüllen eine der Betonguss-Figuren, die Bildhauer Sven Schöning (r.) nach altem Vorbild geschaffen hat. FOTOS: WOLFGANG MAXWITAT

Jetzt stehen sie wieder über dem Portal des alten Stecknitzfahrer-Amtshauses in der Hartengrube, die beiden historischen Figuren. Sie symbolisieren jene Männer, die vom Mittelalter bis 1845 die Stecknitz befuhren und vor allem Salz aus Lüneburg auf ihren Kähnen transportierten. Neu geschaffen nach alten Vorbildern hat sie Bildhauer Sven Schöning, der unter anderem die Bronzefiguren für den neuen Kaufhof auf Marli geschaffen hatte.

Der alten Figur fehlte der Kopf – die neue zeigt einen freundlichen Mann.

Eine Gruppe von rund 40 Leuten versammelte sich jetzt zur feierlichen Enthüllung der Figuren vor dem Haus in der Hartengrube 25. Die Stecknitzfahrer hatten das Gebäude 1563 zu ihrem Amtshaus mit Gastronomie gemacht. 1905 wurde es von der Ratzeburger Aktien-Brauerei neu als Gaststätte errichtet. Ein Bau, der in vielerlei Hinsicht Bezug auf die Stecknitzfahrer nahm. Jetzt, 111 Jahre später, wollten die Gäste vor dem Haus die Präsentation der Betonguss-Figuren durch Hauseigentümer Wolf-Dietrich Turné verfolgen. Gekommen sind unter anderem Hartmut Haase, Ältermann der Stecknitzfahrer, sowie einige seiner Kollegen, Nachbarn, Freunde, Dompastor Martin Klatt und sogar die Nachfahrinnen des ursprünglichen Künstlers Wilhelm Christian Cuwie, dessen Urenkelinnen Renate Untermann-Cuwie und Sopranistin Margret Cuwie.

„Wir wussten zwar, dass es diese Figuren an dem Haus gab“, sagt Renate Untermann-Cuwie, „aber wir wussten nicht, dass unser Urgroßvater sie gemacht hat.“ Umso erfreuter waren sie und ihre Schwester darüber, dass der Hausherr sie nun eingeladen hatte.

Sie sei, sagte Nachbarin und Architektin Carola Finger, „so etwas wie das Vorprogramm dieses ,Richtfestes‘“. Denn der Fotograf und einstige Szene-Wirt Wolf-Dietrich Turné – bis April dieses Jahres betrieb er das „Chapeau Claque“ im Erdgeschoss des Hauses – „wühlt sich seit 20 Jahren durch dieses Haus“. Sie bewundere seine Energie. Noch ist längst nicht alles fertig, doch mit Unterstützung der Possehl-Stiftung, mit ganz viel Eigeninitiative und konstruktiver Begleitung durch Denkmalpfleger Florian Scharfe sieht das denkmalgeschützte Haus an Fassade und Seitengiebel wieder aus wie einst.

Der Schriftzug „Altes Stecknitzfahrer-Amtshaus“ in der Fassade und am Seitengiebel wurde aufgefrischt.

Das gilt erst recht für die Figuren. Die linke, ein älterer Stecknitzfahrer mit Pfeife, möglicherweise ein Ältermann, war bereits kopflos, als Wolf-Dietrich Turné sie kennen lernte. Die rechte, ein junger, dynamischer Mann mit Staken in der Hand, wirkt an vielen Stellen wie angeknabbert, der Betonguss ist marode. „Die beiden alten Figuren werde ich, wenn ich drinnen fertig bin, hier ausstellen“, verspricht der Hausherr, der in der einstigen Kneipe die „Location 25“ eröffnen möchte, einen Treffpunkt für diverse Gruppen und vielleicht ein Foto-Atelier.

Als die neuen Figuren von ihren Tüchern befreit, also enthüllt werden, erklingt unten vor dem Haus Applaus. Gut schauen sie aus, und obwohl sie hoch oben über dem Portal stehen, wirken sie stattlich.

Dabei sind sie – wie ihre Vorgänger – nur 1,25 bis 1,30 Meter hoch, wie Künstler Sven Schöning verrät. Die Köpfe sind proportional größer als die Körper – „aber wenn man von unten nach oben guckt, wie hier der Fall, stimmen die Proportionen wieder.“ Viele Details an den Figuren hätten gefehlt. Mühsam suchte er sich alte Unterlagen zusammen und versuchte, dem Vorbild Cuwies möglichst nahe zu kommen. „Du musst dich in einen anderen Künstler reindenken“, sagt der Bildhauer. Offensichtlich ist ihm das gelungen – denn auch der neue Kopf des „Ältermanns“, dessen Original-Haupt niemand kennt, wirkt, als müsse er genau so aussehen, wie Schöning ihn geschaffen hat.

Historie

Im 15. Jahrhundert gründet sich die Bruderschaft der Stecknitzfahrer, die im Auftrag Lübecker Kaufleute, sogenannter Salzherren oder Salzführer, als Knechte die Kähne über den Kanal schippern. Um ihre Rechte durchsetzen zu können, schließen sie sich zum Amt der Stecknitzfahrer zusammen, offiziell als Zunft anerkannt werden sie 1630. Mit Freigabe der Binnenschifffahrt 1845 wird das Amt aufgelöst. 1935 gründet sich der Verein der Stecknitzfahrer neu.

Wilhelm Christian Cuwie, 1846 in Lübeck geboren und Inhaber eines Bildhauer- und Stuckateurgeschäftes, ist zeitweise Mitglied der Baudeputation und gehört der Bürgerschaft an.

Sabine Risch

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