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Lübeck „Stehende Säulen“ und Kampfkunst im Stadtpark
Lokales Lübeck „Stehende Säulen“ und Kampfkunst im Stadtpark
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11:38 03.04.2016
Carina Prange (47, v. l.), Martina Horn (57), Stefanie Wohlers (55), Michael Stamer (49), Christian Höppner (52), Marco Zincmak (35) und Niclaas Thiele trainieren auf der Boule-Fläche im Stadtpark. Quelle: Künzel
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St. Gertrud

Wenn Niclaas Thiele (45) im Stadtpark trainiert, dann treffen ihn fragende Blicke der Passanten. Dabei ist sein „Sportprogramm“ weder laut noch auffällig. Es ist eher still und erinnert an wundersame Zeitlupe. Taijiquan oder Tai Chi heißt die chinesische Kampf- und Bewegungskunst, die der junge Mann in Lübeck gerne mehr institutionalisieren möchte.

Thiele ist damit nicht alleine. Er trifft sich mit etwa zehn Gleichgesinnten jedes Wochenende, zwischen 8 und 10 Uhr. Thiele trainiert auch bei Regen und Kälte, aber jetzt ist es besonders schön. So beginnt die Gruppe zunächst mit einer sogenannten Stehenden Säule, die für Laien wie minutenlange Untätigkeit aussieht. Tatsächlich ist es eine meditative Übung. „Dieser Einstieg löst Verspannungen und fokussiert gleichzeitig den Geist“, erklärt der 45-Jährige, der seit Jahren Taijiquan praktiziert und — bis auf einen Pausentag— täglich zwei bis drei Stunden trainiert.

Der meditativen Phase folgen die „Seidenübungen“, die Koordination und Körperhaltung schulen. Neben Stehender Säule und Seidenübungen sind die „Formen“ das dritte Zentrum des Taiji. Diese Bewegungen gehen fließend ineinander über und werden synchron ausgeführt.

Was kompliziert klingt, aber einfach aussieht, ist in jeder Hinsicht anspruchsvoll. „Taijiquan ist das Härteste, was ich je gemacht habe“, betont Thiele, der als Jugendlicher zunächst Kampfsportarten wie Thai-Boxen oder Kung Fu angefangen hat. Doch erst Taiji konnte ihn überzeugen. „Bei allen anderen Stilen und Stilrichtungen hatte ich vergeblich nach einer tiefergehenden Philosophie gesucht.“ Im Taiji fand er diese, und spricht davon, beim Üben die Einheit von Körper und Geist wiederherzustellen. In diesem Sinne sei Taiji „ein Lebensweg, ein Weg zu mir selbst“.

Laut Teilnehmerin Carina Prange geht es in China vielen Menschen so. „In Parks sieht man schon mal Hunderte von Menschen synchron in langsame Bewegungen vertieft.“ Von einer Breitensportbewegung könne in Lübeck nicht die Rede sein, aber es gebe verschiedene Stile und Schulen, sagt Thiele, der diese gerne mehr zusammenbringen möchte. Das offene Training im Park könne ein Weg dazu sein. Wer die Kampf- und Bewegungskunst kennenlernen möchte, kann in den Park kommen oder mit dem Kursleiter eine kostenlose Probestunde absolvieren.

 „Alter und körperliche Fitness sind egal“, betont er, „jeder ist eingeladen.“

• Mehr Infos gibt es im Internet unter www.chenstyle-luebeck.de.

Von kü

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