Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Stichflamme aus der Tiefe: Baltic Cable explodiert auf dem Priwall
Lokales Lübeck Stichflamme aus der Tiefe: Baltic Cable explodiert auf dem Priwall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:29 18.04.2016
Wolfgang Blöss von der Baltic Cable AB untersucht das defekte Kabelstück. Ein kleiner Schaufelbagger hatte zuvor das verbrannte Teilstück im Waldweg auf dem Priwall freigelegt. Quelle: Holger Kröger
Anzeige
Lübeck

Die Äste des Baumes sind bis in die Spitzen mit schwarzem Ruß überzogen. Daneben klafft ein großes Loch im Sandboden. „Hier ist plötzlich eine drei Meter hohe Stichflamme aus dem Boden geschossen“, sagt Günter Wosnitza und deutet auf den großen Krater, der sich am Rand des Waldweges auf dem Travemünder Priwall befindet. Der 65-Jährige wohnt nur wenige Meter entfernt, in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag war er von dem mysteriösen Feuer geweckt worden. „Es war gegen 2.30 Uhr, als ich einen lauten Knall gehört habe“, sagt Wosnitza, „als ich dann nach draußen gelaufen bin, habe ich die Flammen gesehen.“

Zur Galerie
Das mächtige Kabel, das Strom zwischen Deutschland und Schweden transportiert, hatte am Wochenende in der Erde Feuer gefangen — Anwohner kamen mit dem Schrecken davon.

Auch andere Anwohner hatten zu diesem Zeitpunkt die Flammensäule, die wie aus dem Nichts aus dem Erdboden schlug, bemerkt. Eine Nachbarin habe in Panik sogar versuchen wollen, den Brand mit einem Eimer Wasser zu löschen. „Ich habe sie davon abgehalten“, sagt Wosnitza. Der Grund: Der technische Betriebswirt wusste, dass an dieser Stelle das „Baltic Cable“, das Strom von Herrenwyk nach Malmö transportiert, verläuft. „Ein eigenmächtiges Löschen wäre daher lebensgefährlich gewesen“, sagt Wosnitza.

Die Feuerwache 3 und die Freiwillige Feuerwehr Priwall waren wenig später vor Ort. Doch löschen konnten die Einsatzkräfte die Flammen zunächst nicht. „Es war längere Zeit unklar, was genau vor Ort brennt“, sagt Bernd Neumann vom Leitungsdienst der Feuerwehr. Doch dann bestätigte sich der Verdacht: Es war wirklich ein Abschnitt des unterirdisch verlaufenden Baltic Cables, der Feuer gefangen hatte. „Wir haben die Betreiberfirma kontaktiert, ein Entstörtrupp hat den Strom dann abgeschaltet“, so Neumann. Ohne Stromzufuhr verschwanden auch die Flammen. Neumann: „Die Brandstelle konnte etwa zwei Stunden nach Ausbruch des Feuers der zuständigen Firma übergeben werden.“

Das Baltic Cable wurde 1994 in Betrieb genommen, das Seekabel verbindet das deutsche mit dem schwedischen Stromnetz. Warum die Leitung, die eine Leistung bis zu 600 Megawatt transportieren kann, am Wochenende Feuer fing, ist noch unklar. „Theoretisch kann das eigentlich nicht passieren“, sagt Wolfgang Blöss von der Baltic Cable AB. Der Sachverständige untersuchte gestern die Brandstelle, mit einem kleinen Schaufelbagger wurde das defekte Kabelstück aus dem Erdloch gehoben.

Einige Versatzstücke aus Kupfer waren von den Flammen noch erwärmt. Bei dem defekten Kabelstück handelt es sich laut Blöss um die Minusleitung des Kabels, die auf dem Priwall unterirdisch etwa zwei Meter neben der Hochspannungsleitung verläuft. „Es werden jetzt weitere Untersuchungen zur Brandursache durchgeführt“, sagt Judith Tranninger, Sprecherin der Statkraft Markets GmbH, die für den Betrieb und die Wartung des Kabels auf deutscher Seite zuständig ist.

Bis auf Weiteres werde daher kein Strom durch die Leitung zwischen Deutschland und Schweden fließen. Tranninger: „Erst wenn die Brandursache gefunden wurde, wird das Teilstück repariert und das Baltic Cable wieder in Betrieb genommen.“ Bis dahin sollen für den Stromaustausch zwischen Deutschland und Skandinavien andere Kabelverbindungen genutzt werden.

Baltic Cable

Das Baltic Cable ist eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung, die das deutsche mit dem schwedischen Stromnetz verbindet. Es wurde 1994 in Betrieb genommen.

Bereits 2002 kam es zu einem Unfall mit dem Seekabel, als auf einer Fähre der TT-Line der Strom ausfiel und sich das manövrierunfähige Schiff daraufhin vor dem Priwall festfuhr und dabei das Kabel beschädigte. Die 250 Millionen Euro teure Leitung musste daraufhin geflickt werden.

Von Katrin Diederichs

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Samstagabend kontrollierten Polizeikräfte der Polizeidirektion Lübeck rund um die Hansehalle den Fahrzeugverkehr und Passanten.

17.04.2016

Zweite Vermarktungsrunde für Waterfront-Projekt gestartet — Interessenten besichtigen beim Tag der offenen Tür voll ausgestattete Musterwohnungen.

16.04.2016

Restaurierung: Neuer Klüverbaum für historisches Segelschiff.

16.04.2016
Anzeige