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Lübeck Stöcker: Frauen demonstrieren, Kirche erteilt Hausverbot
Lokales Lübeck Stöcker: Frauen demonstrieren, Kirche erteilt Hausverbot
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21:34 12.01.2018
Sieht sich heftiger Kritik von allen Seiten ausgesetzt: Unternehmer Winfried Stöcker. Quelle: Foto: Maxwitat
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Lübeck

Lutz Jedeck, Pastor von St. Jakobi, hat einen Brief an Stöcker geschrieben, in dem er Hausverbot erteilt. „Durch diese Rede ist eine Grenze überschritten, so dass wir den Kirchraum nicht weiter zur Verfügung stellen können.“ Seit 2016 veranstaltet Euroimmun Weihnachtskonzerte in St. Jakobi. Jedeck: „Diese Aussagen sind bar jeglicher persönlicher Moral und gesellschaftlicher Ethik, sie sind ausländer- und frauenfeindlich.“ Der Pastor habe sich nicht vorstellen können, „dass jemand, der ein derart erfolgreiches Unternehmen führt, solche Dinge sagt, zumal dieses Unternehmen auch sozial sehr engagiert ist.“

Unter dem Motto „Shut up, Stöcker“ organisiert zudem das Womens-March-Bündnis am heutigen Sonnabend eine Kundgebung auf dem Schrangen (15 Uhr). „Wir sehen in seiner Rede eine Verharmlosung von sexuellen Übergriffen und eine direkte Aufforderung, Frauen sexuell zu bedrängen und übergriffig zu werden“, erklären Sprecher des Bündnisses, das im vergangenen Jahr 1500 Menschen gegen den US-Präsidenten Donald Trump und seine frauenverachtenden Sprüche mobilisierte.

Nach der neuen Uni-Präsidentin meldet sich auch die Präsidentin der Fachhochschule, Dr. Muriel Kim Helbig, zu Wort: „Die Fachhochschule und ich persönlich stehen für einen respektvollen, anständigen und fröhlichen Umgang miteinander – Alter, Geschlecht, Herkunft oder Beruf einer Person spielen dabei keine Rolle.“ Bildungs- und Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) bedauert, „dass Herrn Stöcker die nötige Sensibilität für dieses Thema fehlt. Respekt und Achtung vor der Selbstbestimmung einer Frau sollten selbstverständlich sein.“ Erschrocken und entsetzt reagiert Lübecks Frauenbeauftragte Elke Sasse: „Stöckers Frauenbild wird deutlich.“ Die CDU verurteile Stöckers Äußerungen, sagt Sozialpolitikerin Heidi Menorca: „Wir benötigen eine offene, vorurteilsfreie Debatte, die klar zwischen Missbrauch und Missverstehen unterscheidet. Der Beitrag von Herrn Stöcker war kontraproduktiv.“

Als rassistisch und sexistisch brandmarken die Landes-Grünen die Äußerungen. „Frauen vorzuwerfen, sie seien selbst schuld an sexuellen Übergriffen, trägt zur Verfestigung der gesellschaftlichen Akzeptanz von chauvinistischem Verhalten bei“, erklärt Aminata Touré, gleichstellungspolitische Sprecherin. Als unerträgliche Hetze bezeichnet der Hochschulpolitiker Lasse Pettersdotter Stöckers Ausführungen: „Die Universität Lübeck sollte dringend längst überfällige Konsequenzen ziehen und sich von diesem Professor trennen.“

Politische Konsequenzen fordern Linke und GAL. „Der süffisante Ton, mit dem Stöcker Übergriffe von Männern in Machtpositionen gegen Frauen bagatellisiert, ist unerträglich“, sagt der GAL-Vorsitzende Jens Schulz, „das tief frauenverachtende Menschenbild verlängert sich bruchlos in asylfeindliche Ausfälle.“ Die GAL fordert, „dass Lübeck aufhört, diesen vermeintlichen Retter der Lübecker Flughafenträume zu hofieren.“ Die Linken erwarten, „dass sich die Stadt voll und ganz von Herrn Stöcker distanziert und weder weitere Spenden annimmt noch Zugeständnisse beim Flughafen macht“, fordert die Kreisvorsitzende Katjana Zunft. Stöcker verhalte sich „schamlos, sexistisch und populistisch“. 

Stöcker selbst wollte sich gestern zu den öffentlichen Vorwürfen nicht äußern.

Die LN hatten am Donnerstag über die Weihnachtsansprache von Winfried Stöcker berichtet. 

 Von Kai Dordowsky

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