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Stöcker wettert gegen #MeToo-Bewegung

Empörung über Weihnachtsrede Stöcker wettert gegen #MeToo-Bewegung

Mit seiner Weihnachtsansprache an seine 2500 Mitarbeiter, die in einem Blog öffentlich zugänglich ist, hat der bekannte Unternehmer Prof. Winfried Stöcker gegen „Tugendwächter“, Feministinnen und Journalisten ausgeteilt. Dafür erntet der Gründer von Euroimmun einen Aufschrei. Jetzt erntet er Kritik.

Unternehmer Winfried Stöcker (70) wetterte 2014 gegen „reisefreudige Afrikaner“.

Quelle: LN-Archiv

Lübeck . "Reihenweise treten angesehene Persönlichkeiten, Manager und Politiker zurück, weil sie angeblich in der Vergangenheit ihre Macht missbraucht und hübsche Mädchen dazu gebracht haben, für die Rolle in einem Film oder eine steile Karriere den Sündern gefällig zu sein“, schreibt Stöcker und rät hingegen, „die Mädchen könnten zurückhaltender gekleidet und weniger provozierend zum Casting gehen, dass die armen Regisseure auf dem Pfad der Tugend bleiben.“

Stöcker beschreibt in seiner Weihnachtsbotschaft Kollegen in Führungspositionen, die sich an Studentinnen und Praktikantinnen heranmachen und dann glückliche Familien mit diesen gründen. Er nimmt an, dass im Rahmen der MeToo-Bewegung vor allem diejenigen aufschreien, „die von der Natur optisch weniger vorteilhaft ausgestattet worden sind“. Zudem kritisiert er „Journalisten-Cliquen, die die öffentliche Meinung manipulieren“, er fordert: „Also glaubt niemandem, außer mir.“ Schließlich ermuntert Stöcker seine Kollegen: „Wir haben so viele nette Jungs und Mädchen in der Firma, geht ran und zeugt viele Kinder, dass wir dem mutwillig herbeigeführten, sinnlosen Ansturm unberechtigter Asylanten etwas entgegensetzen können.“ Stöcker (70) ist Chef der Firma Euroimmun und Eigner des Lübecker Flughafens. Vor drei Jahren hatte Stöcker schon einmal wegen fremdenfeindlicher Äußerungen Schlagzeilen gemacht.

Der Unternehmer nimmt damit Stellung zur #Me Too-Bewegung, die weltweit sexuelle Gewalt von mächtigen Männern bekämpft. Stöcker beschreibt in seiner Weihnachtsbotschaft Kollegen in führender Stellung, die sich an Studentinnen und Praktikantinnen heranmachen und dann glückliche Familien mit denen gründen. Journalisten und diejenigen, „die von der Natur optisch weniger vorteilhaft ausgestattet worden sind“, würden aufschreien. Schließlich ermuntert Stöcker seine Kollegen: „Wir haben so viele nette Jungs und Mädchen in der Firma, geht ran und zeugt viele Kinder, dass wir dem mutwillig herbeigeführten, sinnlosen Ansturm unberechtigter Asylanten etwas entgegensetzen können.“

Das Schreiben verbreitete sich schnell über die sozialen Medien. „Es ist mir schwergefallen, die Weihnachtsansprache von Herrn Stöcker zu glauben“, sagt DGB-Regionalchefin Juliane Hoffmann. Wegen des Aufrufs „geht ran“ macht sich Hoffmann „berechtigte Sorgen um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Lisanne Straka, Abteilungsleiterin beim DGB Nord: „Der Text dieses Herren spricht für sich. Aber auch für die Firma von Herrn Stöcker gelten die Gesetze.“ Unternehmen seien sogar verpflichtet, gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorzugehen.

Die Kieler Bildungsministerin Karin Prien (CDU) erklärt auf Anfrage: „Wenn es so ist, dass dieser Brief von Honorarprofessor Stöcker formuliert worden ist, werden wir mit der Uni Lübeck darüber zu sprechen haben.“ Die neue Uni-Präsidentin Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach redet Klartext: „Die Äußerungen sind empörend. Es ist bedauerlich und beschämend zu sehen, wie sich ein ehemals verdienter Firmengründer öffentlich disqualifiziert.“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm ist ebenfalls entsetzt: „Stöcker verniedlicht Machtmissbrauch und stellt sexuelle Nötigung auf eine Stufe mit einem Flirt.“ SPD-Fraktionschef Jan Lindenau: „Es ist nicht das erste Mal, dass Stöcker widerwärtige Einstellungen zeigt.“ Der Aufruf zum Kinderzeugen weise Parallelen zur Nazi-Zeit auf. Die CDU-Kreisvorsitzende Anette Röttger schätzt „die herausragende unternehmerische Leistung des Herrn Stöcker“. Dieser Beitrag „hat in meinen Augen die Botschaft des Weihnachtsfestes allerdings völlig verfehlt“.

Der Frauennotruf Lübeck erklärt, dass Stöckers Ausführungen an Zynismus kaum zu überbieten seien. „Betroffene von sexueller Belästigung und Gewalt werden verunglimpft und herabgewürdigt“, kritisiert Catharina Strutz-Hauch. Mit dem Hinweis auf vermeintlich aufreizende Kleidung bediene Stöcker „den Mythos, dass jede Frau schuld sei, wenn sie belästigt oder vergewaltigt wird“. Der Aufruf an die Kollegen „erinnert in abstoßender Weise an die Lebensbornbewegung des Nationalsozialismus“. „Über den Sarkasmus, dass Opfer mit ihrem Peiniger glücklich in einer Familie werden, dürften sehr viele Frauen nicht lachen können“, erklärt Spyridon Aslanidis, Vorsitzender des Migrationsforums: „Es gibt keinen Konflikt zwischen ,eigene Kinder machen‘ und ,Zugewanderte aufnehmen‘.“

Die Demokratie müsse abstruse Ansichten aushalten, erklärt Grünen-Kreisvorsitzender Thorsten Fürter: „Aber als Firmenlenker mit Verantwortung für Mitarbeiter hat er sich mit diesen Äußerungen ins Aus geschossen.“ Katjana Zunft, Vorsitzende der Linken, sieht in der Botschaft „eine Aufforderung zu sexuellen Übergriffen“. Die rassistischen Äußerungen“ seien abscheulich. Zunft fordert, dass die Stadt mögliche Verbindungen zu Stöcker abbrechen soll. 

Vor drei Jahren hatte Stöcker schon einmal wegen fremdenfeindlicher Äußerungen Schlagzeilen gemacht.

Von Kai Dordowsky

 

Die Rede im Wortlaut

Weihnachtsansprache 2017

Dezember 21, 2017

Die Zeitungen sind in diesen Tagen voll mit Berichten von sexuell motivierten Übergriffen in der Filmbranche, in der Politik, und auch im Geschäftsleben. Haarklein werden pikanteste Obszönitäten beschrieben und dem Publikum unterbreitet. Reihenweise treten angesehene Persönlichkeiten, Manager und Politiker zurück, weil sie angeblich in der Vergangenheit ihre Macht missbraucht und hübsche Mädchen dazu gebracht haben, für die Rolle in einem Film oder für eine steile Karriere den Sündern gefällig zu sein.

Ich appelliere an die Eigenverantwortung der Betroffenen, die ja auch mit sechzehn Jahren oft schon zur Parlamentswahl gehen dürfen. Die Mädchen könnten zurückhaltender gekleidet und weniger provozierend zum Casting gehen, dass die armen Regisseure auf dem Pfad der Tugend bleiben. Aber wenn sich jemand wegen eines beruflichen Vorteils vor einem Filmproduzenten auszieht, ist das seine Sache, er ist erwachsen und es bedarf keiner aufdringlichen Tugendwächter und keines besonderen Schutzes durch ein Gesetz.

Es ist anzunehmen, dass vorwiegend diejenigen unserer Gesellschaft so erbost und hysterisch aufschreien, die von der Natur optisch weniger vorteilhaft ausgestattet worden sind. Oder es sind manche der Hübschen, denen die Moral oder die Religion verwehren, das in die Tat umzusetzen, was sie eigentlich selbst am liebsten tun würden. Sie fallen neiderfüllt in das Gezeter ein, ein Kesseltreiben folgt auf das nächste, und die Hashtag-Me-Too-Kampagne kommt ihnen wie gerufen.

Auch vielen Journalisten ist diese Thematik willkommen, hierauf gründet ihr Geschäftsmodell, etwa bei den anspruchslosen Zeitungen in Schleswig-Holstein und Sachsen. Lang und breit bedienen sie den Voyeurismus ihrer beschränkten Leserschaft. Die Personen ohne ausgefülltes Liebesleben können sich ereifern, sie kommen auf diesem Wege wenigstens in ihren armseligen Träumen zum Zuge. Die Blättchen werden spannend aufgemacht, dass sie gerne von Idioten gelesen werden.

Ich kenne bei uns einen Kollegen in führender Stellung, der hat sich in früheren Zeiten an eine junge Krankenhaus-Praktikantin herangemacht. Ein Glück, dass das schon so lange her ist, sonst müsste er vielleicht heute seinen Posten aufgeben. Mit dem Opfer hat er eine Familie gegründet und freut sich über drei gemeinsame Kinder.

Und er ist Wiederholungstäter: Später war es eine sehr hübsche Studentin in unserem Unternehmen, die er umgarnt und eingefangen hat. Und auch mit ihr hat er drei prächtige Nachkommen gezeugt, auf die er stolz ist. Da soll niemand sagen, er hätte seine Stellung missbraucht. Und seinem Beispiel sind in der Firma etliche gefolgt. Es ist doch das Natürlichste der Welt, dass man eine Frau zu sich nimmt, die man liebt, da braucht man keinen Vormund und keine besonderen innerbetrieblichen Vorschriften.

Lernt viel, macht Euch ein eigenes Bild und glaubt keiner dummen Zeitung und keinem indoktrinierten Nachrichtensprecher des Fernsehens. Petra Gerster, Marietta Slomka und Claus Kleber sind nicht die einzigen, die ihre Funktion missbrauchen: Man geht davon aus, dass sie sachlich über wahre Fakten berichten, aber oft flößen sie den Hörern nur ihre eigenen, einfältigen, rot-grünen Moralvorstellungen ein, und man fällt auf den Irrtum herein, verwechselt Vorurteile mit der Wahrheit. Auf diese Weise manipulieren Journalisten-Cliquen die öffentliche Meinung – ein Angriff auf unsere Demokratie, und gefährlich, weil alle politischen Bereiche betroffen sind. Also glaubt niemandem, außer mir. Und lasset Euch von niemandem in Euer privates Leben hineinreden.

Und jetzt ein Aufruf an Euch Kollegen, die noch auf der Suche sind: Wir haben so viele nette Jungs und Mädchen in der Firma, geht ran, egal ob Ihr Vorgesetzte seid oder nicht, es kommt nur darauf an, dass Ihr das Mädchen oder den Jungen liebt. Und zeugt viele Kinder, dass wir dem mutwillig herbeigeführten, sinnlosen Ansturm unberechtigter Asylanten etwas entgegensetzen können. Unser Kindergarten steht Euch offen.

Das Jahr geht zu Ende. Die Firma ist im laufenden Jahr wieder um 16% gewachsen, der Umsatz verdoppelt sich alle fünf Jahre. Wir kommen mit vielen großen Projekten gut voran und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. Die Zusammenarbeit mit unserem neuen Hauptgesellschafter PerkinElmer gestaltet sich sehr erfreulich, wir ergänzen uns hervorragend, die Zukunftsaussichten für unsere Arbeitsplätze haben sich noch weiter verbessert.

Ich danke Euch für Euren Beitrag zum Erfolg des Jahres 2017 und wünsche Euch ein schönes Weihnachten und ein gutes Neues Jahr.

Winfried Stöcker

http://www.winfried-stoecker.de/blog/weih2017

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