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Lübeck Stöckers Flüchtlingsheim-Deal löst Erstaunen in Selmsdorf aus
Lokales Lübeck Stöckers Flüchtlingsheim-Deal löst Erstaunen in Selmsdorf aus
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20:42 08.07.2015
Euroimmun-Chef Winfried Stöcker. Quelle: Neelsen
Lübeck/Selmsdorf

„Ich hatte gestern Vormittag allein 60 Anrufe und fast 90 Mails zu dem Thema“, sagt Selmsdorf Bürgermeister Marcus Kreft (SPD). „Ich war selbst erstaunt, als ich in der Zeitung davon gelesen habe. Denn vor wenigen Wochen habe ich mit dem Firmenvorstand zusammengesessen, von solchen Plänen war dort nicht die Rede.“ 

Aus Sicht des Selmsdorfer Bürgermeisters wird es kaum einen Weg geben, den Vorschlag des Lübecker Unternehmers, der in Selmsdorf eine insolvente Firma aufgekauft hat, umzusetzen. Stöcker hatte der Stadt Lübeck vorgeschlagen, 300 Flüchtlingen aus Lübeck in Nordwestmecklenburg unterzubringen und zu beschäftigen, im Gegenzug soll die Hansestadt in Blankensee Baurecht für sein Unternehmen schaffen. „Ich finde es nicht wirklich witzig, wenn Baurecht gegen die Unterbringung von Flüchtlingen gegengerechnet wird“, so Kreft. „Das ist geschmacklos.“ Zumal die öffentliche Diskussion nicht gerade dazu beitrage, das heikle Flüchtlingsthema auf eine vernünftige Basis zu stellen. „Kommunikationstechnisch ist das unterirdisch.“ Positiv ist laut Marcus Kreft immerhin die Tatsache, dass die Mehrheit der Mails und Anrufe, die ihn erreicht haben, zwar kritisch, aber nicht ausländerfeindlich gewesen sei.

Mehr zum Thema: Flüchtlingsheim gegen Baurecht: Euroimmun bietet Deal an

Eine Unterbringung der Flüchtlinge in einem Gewerbegebiet ist theoretisch sogar möglich. Wie die Kreisverwaltung gestern mitteilte, hat eine Änderung des Baugesetzbuches vom 20. November vergangenen Jahres die Voraussetzung dafür geschaffen, Maßnahmen zur Erleichterung der Unterbringung von Flüchtlingen auf den Weg zu bringen. Ob dies in Selmsdorf der Fall sein könnte, wäre aber am konkreten Einzelfall zu prüfen, erklärte dazu Kreissprecherin Petra Rappen. Laut Landrätin Kerstin Weiss (SPD) teilt der Bund den Bundesländern eine gewisse Zahl an Flüchtlingen zu, dort werden sie dann auf die Kreise aufgeteilt. „Dort werden die Menschen auch untergebracht. Ansonsten macht die Verteilung wenig Sinn.“ Bedeutet: Flüchtlinge, die nach Schleswig-Holstein kommen, werden auch dort bleiben und nicht nach Mecklenburg verschoben.

M. Prochnow

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