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Lübeck Stolzenberg will für Sicherheit sorgen
Lokales Lübeck Stolzenberg will für Sicherheit sorgen
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18:49 14.10.2017
Detlev Stolzenberg (56) stellt sein Sicherheitsprogramm für Lübeck beim Drogentreff am Krähenteich vor. Quelle: Foto: Felix König
Innenstadt

Da kennt der 56-jährige Stadtplaner nichts. Für die Vorstellung seines Sicherheitsprogramms hat sich Stolzenberg den Drogentreff am Krähenteich ausgesucht. Die Drogenabhängigen reagieren überrascht, weil ein Bürgermeisterkandidat zu ihnen kommt und mit ihnen spricht. „Ich finde es angenehm, dass Sie mit uns sprechen und uns auch als Wähler wahrnehmen“, sagt eine Frau, die seit 30 Jahren süchtig ist. „Hier muss niemand um sein Leben fürchten“, sagt Stolzenberg, „aber ich weiß auch, dass viele Bürger sich unwohl fühlen, wenn sie an dem Platz vorbeikommen.“

Genau das will Stolzenberg ändern, wenn er Bürgermeister wird. Er will die Süchtigen nicht verdrängen, sondern in den Blick nehmen. Er will Geld in mehr Sozialarbeiter investieren und am Krähenteich einen „Treffpunkt mit sozialer Kontrolle“ errichten. Dazu gehöre, dass der Zaun wegkomme, die Sträucher kurz gehalten und der Eingang der Toilette zur Straße gesetzt werde. Sozialarbeiter aber braucht er nicht nur beim Thema Drogen. „Geflüchtete junge Männer dürfen nicht arbeiten und kämpfen mit dem Problem der Langeweile“, weiß der Kandidat. „Es gibt in unserer Stadt auch einen hohen Bedarf an Sozialarbeit für Schulabbrecher.“

Konkrete Antworten präsentiert Stolzenberg auch für andere Probleme. Wildpinkeln an den Marienkirche? „Dort muss die Stadt eine Toilette aufstellen.“ Graffiti- Schmierereien an Hauswänden? „Die Stadt muss mehr Wände für legale Graffiti bereitstellen.“ Illegale Prostitution in privaten Wohnungen? „Das ist eine baurechtlich unzulässige Nutzung, die von der Stadt einfach geduldet wird.“ Stolzenberg fordert, dass erst einmal die Zahl solcher Mini-Bordelle erfasst wird. Der Kampf gegen Drogenhandel und illegale Prostitution sei „ein wichtiges Aufgabenfeld des Bürgermeisters“. Auch Obdachlose, die in der Fußgängerzone übernachten, will der Bewerber nicht dulden. Er schlägt mehr Schlafplätze für Obdachlose vor.

Doch es geht Stolzenberg nicht nur um soziale Brennpunkte und öffentliche Verwahrlosung. Er will als Bürgermeister auch gegen die alltäglichen Regelverstöße vorgehen – das unbefugte Benutzen von Bürgersteigen und Fußgängerzonen durch Fahrradfahrer und das Falschparken an Kreuzungen und Zebrastreifen durch Autofahrer. Dafür brauche er keine kommunale Polizei, lehnt Stolzenberg Forderungen aus der CDU ab, „sondern den verstärkten Einsatz des städtischen Ordnungsdienstes“.

Wenn es um die Sicherheit der Lübecker geht, arbeiten viele Behörden und Organisationen bereits zusammen – in Sicherheitspartnerschaften. Die seien gut und richtig, erklärt der parteilose Politiker:

„Aber viele Bürger wissen gar nichts davon, sie wissen nicht, dass sich schon jemand um die Probleme kümmert.“ Stolzenberg will, dass die Anwohner von Brennpunkten eingebunden werden.

Die Zahl der Verbrechen und Vergehen in Lübeck stieg 2016 im Vergleich zu 2015 um 12,1 Prozent an – deutlich mehr als im Landesdurchschnitt. Es gab vor allem mehr Körperverletzungen, Ladendiebstähle und Rauschgiftdelikte.

Der Wahlkampf geht weiter

Es sind jetzt zwar Herbstferien, aber die Politiker in der Hansestadt gönnen sich drei Wochen vor der Bürgermeisterwahl keine Pause.

Die Kandidaten treffen am Dienstag, 17. Oktober, zu einer Podiumsdiskussion bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufeinander – um 17 Uhr im Gewerkschaftshaus.

Kathrin Weiher (parteilos) stellt am Mittwoch, 18. Oktober, bei den CDU-Ortsverbänden Lübeck-Süd und Hüxtertor ihr Programm vor. Die öffentliche Veranstaltung findet in den Jahn-Stuben (Vereinsgaststätte des MTV Lübeck), Kalkbrennerstraße 1, statt und beginnt um 18.30 Uhr.

Jan Lindenau (SPD) ist ab 19. Oktober im Kino zu bewundern – in einem 45-Sekunden- Spot.

Die LN stellen in den kommenden zwei Wochen in loser Folge die sechs Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 5. November vor. Sie spazieren mit Jan Lindenau, Kathrin Weiher, Detlev Stolzenberg, Thomas Misch, Joachim Heising und Ali Alam durch die Stadt und porträtieren sie. Außerdem soll ein Fakten- und Charaktercheck Aufschluss über deren Ziele und Wünsche geben.

 Kai Dordowsky

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