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Lübeck Stoppt Denkmalpflege die Schlachthof-Pläne?
Lokales Lübeck Stoppt Denkmalpflege die Schlachthof-Pläne?
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16:40 20.09.2016
Das ehemalige Schlachthof-Areal liegt seit sieben Jahren brach. Jetzt interessiert sich die Denkmalpflege für das Gelände. Quelle: Lutz Roeßler
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Unerwartete Wendung: Die Denkmalpflege hält Teile des Schlachthof-Areals offenbar für schützenswert. Das erklärte Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) im Bauausschuss. „Die Denkmalpflege betrachtet den Schlachthof als sehr interessant“, erklärt Boden. Das könnte die Pläne für das Areal ins Wanken bringen. Investor Thorsten Schulze will dort 130 Wohnungen bauen – und einen Kaufland mit 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche plus Getränkemarkt. Über den wird seit Jahren gestritten. Doch jetzt liegt eine vorläufige Stellungnahme der Denkmalpflege bei Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Nun wollen sich Boden und Saxe entscheiden, was mit der Einschätzung der Experten geschieht. Saxe ist oberster Denkmalschützer der Stadt. Daher vertagt der Bauausschuss die Entscheidung – mal wieder.

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Die Behörde hält Teile offenbar für schützenswert – Entscheidung liegt bei Bürgermeister und Bausenator – Überraschend will sich jetzt der benachbarte Sky-Markt erweitern.

Doch es gibt noch eine weitere Überraschung in Sachen Schlachthof: Der benachbarte Sky-Markt will sich am Standort in der Schwartauer Allee erweitern. Das Unternehmen Coop hat eine Bauvoranfrage bei der Stadt gestellt und will einen Markt mit 1600 Quadratmetern Verkaufsfläche bauen. Der Supermarkt soll auf dem jetzigen und einem benachbarten Grundstück errichtet werden. Das wurde im nicht-öffentlichen Teil des Bauausschusses berichtet. Wenn die Stadt ihr Okay gibt, dann kann Coop innerhalb der nächsten drei Jahre einen Bauantrag einreichen.

Die Krux: Der Sky-Markt liegt direkt neben dem Schlachthof-Areal. Dort will Investor Schulze den viel diskutierten Kaufland bauen, samt Getränkemarkt. Die Stadt ist vehement gegen den Markt. Das Argument: Der Kaufland ist mit 3000 Quadratmetern zu groß. Schulz aber hält dagegen: Er brauche Kaufland, um die Wohnungen zu finanzieren. „Warum hat sich der ansässige Sky-Markt nicht schon längst erweitert?“, will FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke wissen. „So ein Kaufland würde uns vom Markt drängen“, sagt Michael Fuljahn, bei Coop für Standortplanung zuständig. Und das würde auch geschehen, wenn Coop den Sky-Markt schon auf 1600 Quadratmeter vergrößert hätte. Denn der Kaufland sei mit 3000 Quadratmetern eben viel größer. Daher warte er auf die Entwicklung auf dem Schlachthof-Gelände.

Auch Investor Thorsten Schulze drängt auf eine Entscheidung: „Man kann doch trotzdem beschließen, in welche Richtung es gehen soll.“ Vielleicht ließen sich die Wünsche der Denkmalpflege in sein Konzept integrieren. Doch der Bauausschuss bleibt dabei – und entscheidet sich, sich erst einmal nicht zu entscheiden.

Dabei hat Schulze schon vor sieben Jahren seine ersten Pläne für das Schlachthof-Gelände vorgestellt. Auf dem 31000 Quadratmeter großem Areal sollen 25 Millionen Euro investiert werden. Doch sein Projekt spaltet auch die Politik. SPD, GAL und Grüne sind dagegen. „Das ist ein städtebaulicher Gau“, ist sich Harald Quirder sicher, baupolitischer Sprecher der SPD. „Wir ziehen damit noch mehr Verkehr an“, assistiert Ulrich Pluschkell (SPD). Dafür sind hingegen CDU, BfL, Freie Wähler, FDP. Gregor Voht (Freie Wähler) fordert: „Lasst uns das größte Rattenhotel der Stadt abreißen.“ Für Rathcke (FDP) ist klar: „Warum soll die Stadt das regulieren?“ Die Menschen sollten selbst entscheiden, ob sie bei Kaufland oder beim Sky-Markt einkaufen.

 Josephine von Zastrow

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