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Strafe muss sein: Der Berliner Falschparker, der die Fleischhauerstraße lahm legte

Lübeck Strafe muss sein: Der Berliner Falschparker, der die Fleischhauerstraße lahm legte

Es geht nicht weiter. Ein schwarzer Mercedes-Bus mit Berliner Kennzeichen parkt mitten in der Fleischhauerstraße. Der Fahrer ist verschwunden.

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Lübeck. Es geht nicht weiter. Ein schwarzer Mercedes-Bus mit Berliner Kennzeichen parkt mitten in der Fleischhauerstraße. Der Fahrer ist verschwunden. Ein großer Wagen einer Gartenbaufirma kommt nicht vorbei, immer länger wird die Schlange. Vorwärts geht es nicht, zurück aber auch nicht mehr. Immer mehr Autofahrer steigen aus, schauen nach, was los ist. Es wird geschimpft, ein Bauarbeiter, der dringend weiter muss, ruft die Polizei. Die Minuten vergehen.

Darf ich Ihnen einen guten Rat geben? Vergessen

Sie es. Dann lebt es sich besser.“ Ein älterer Herr über

Kriegserinnerungen.

Währenddessen bleiben zwei ältere Damen stehen, vielleicht sind sie so Mitte Siebzig oder sogar schon etwas älter. Sie beobachten und fragen die verärgerten Fahrer, was denn los sei. Dann beschließen sie zu bleiben, machen es sich auf einer Fensterbank bequem.

„Ist doch eigentlich ganz spannend“, sagt eine der Damen zu einem wartenden Autofahrer.

„Na ja, wenn man Zeit hat und nicht dringend zur Arbeit muss“, erwidert dieser. Die beiden Damen lächeln milde, sie haben Zeit.

Ein Polizist kommt und sieht sich die Lage an. Plötzlich kommt ein Mann aus einem Geschäft gelaufen. Er hat ein Klemmbrett unter dem Arm. „Ich komme ja schon, ich komme“, ruft er. Wartende Autofahrer lachen sarkastisch, der Polizist schimpft. „Parken Sie in der Hauptstadt immer so! Gucken Sie sich mal die Schlange an, Sie blockieren hier den Verkehr. “ Der Mann springt in seinen Wagen und fährt weiter.

Die Damen erheben sich, scheinen etwas empört. „Herr Polizist, bekommt der etwa keine Strafe?“, ruft eine dem Beamten zu. „Doch, sicher“ , beruhigt der Polizist. Die Damen sind zufrieden.

Der alte Mann und der Junge mit dem Smartphone

Ein alter, gebeugter Mann mit schwarzer Schirmmütze und ein Junge mit dickrandiger Brille sitzen auf einer Bank im Plaza-Center Buntekuh. Der Junge spielt auf seinem Smartphone. Der Mann spricht:

„Lassen sich gut tragen, die Schuhe, nicht?“

„Ja.“

Pause.

„In welche Klasse gehst du?“

„Achte.“

Der Junge tippt auf seinem Handy herum.

„Wie lange hast du noch nach?“

„Hmh?“

„Wie lange hast du noch nach, also Jahre?“

„Zwei. Anderthalb.“

„Mein Vater sagte mir damals: Du kannst bei der Bahn anfangen. Aber ich wollt‘ das nicht. Weißt‘ warum?“

„Warum?“ Der Junge blickt nicht von seinem Handy auf.

„Wegen der Schichten. Du konntest umsonst Bahn fahren als Eisenbahner, aber war richtig, dass ich das trotzdem nicht gemacht hab. Ich hab‘ dann bei Dräger angefangen. Bisschen geschnackt, dann hatt‘

ich meinen Anstellungsvertrag.“

Der Junge sagt nichts.

Ein älteres Ehepaar nähert sich. Der alte Mann und der Junge stehen auf und gehen mit dem Paar.Vielleicht ist der Junge sein Urenkel.

Der Hassprediger mit dem gemütlichen Akzent

Kurz vor Mitternacht steht ein Mann vor dem Haerder-Center und hetzt. Seine Worte sind getränkt von Hass. Er schwadroniert von Türken, Negern, Kommunisten, der großen Verschwörung gegen die weiße Rasse. Die zwei, drei Leute, die in Hörweite auf den Bus warten, beachten ihn nicht.

Er schreit nicht und fuchtelt nicht herum. Er spricht seinen Text wie eine zu oft geübte Rede. Sein gemütlicher Lübecker Akzent passt nicht zum menschenfeindlichen Inhalt seiner Worte. Ich gehe zwei Schritte auf ihn zu und sage: „Entschuldigen Sie, könnten Sie bitte etwas leiser sprechen?“ Er hält kurz inne. „Ach, ja“, sagt er und hetzt weiter. Leiser als vorher.

Vom Vergessen des Krieges

„Er sagte zu mir: Nimm genug Munition mit. Wenn du drei von denen erwischt hast, dann lassen sie dich in Ruhe. Die wollen leben“, erzählt der alte Mann und fragt den anderen alten Mann, der ihm im Bus gegenübersitzt: „Sind Sie noch Soldat gewesen?“

„Nee“, sagt der andere, „dafür war ich zu jung. Wir sind im Januar 45 über die Oder gekommen. “

„Ich bin Jahrgang 27. Ich war in Dänemark und hab überlegt, wie ich meiner Mutter sagen kann, dass sie ihre Sachen packen und nach Westen gehen soll.“

„Darf ich Ihnen einen guten Rat geben?“, sagt der andere alte Mann, „Vergessen Sie es. Dann lebt es sich besser.“

Die Dame, die keine Bärte mag

Eine kleine, alte Frau unterhält sich an der Bushaltestelle vor dem Haerder-Center mit einer Mittvierzigerin. „Wer pflegt sich denn heute noch die Haare“, sagt die kleine, alte Frau.

Angewidert spricht sie über junge Männer mit Bart. „Einmal kam ein Maler zu mir, der war nicht rasiert. Da hab ich ihm gleich gesagt: Da ist die Tür! Ich brauch keinen Maler! Wenn ich könnte, würde ich jede Woche zum Friseur gehen.“

„Ach, nee“, sagt die andere, „da würde ich lieber essen gehen.“

„Nee! Sich noch‘n Wanst anfressen, nä!“

„Es geht doch nicht darum, sich ‘n Wanst anzuessen. Einen schönen Abend haben. Genießen!“

„Ich geh nie abends weg. Silvester hab ich um elf geschlafen. Am liebsten hätt‘ ich schon um neun geschlafen.“

„Hast du keinen Mann zu Hause?“

„Nee, ich brauch‘ keinen Mann.“

Die jüngere Frau kauft beim Fahrer eine Busfahrkarte.

„Hast du keine Monatskarte?“, fragt die alte Frau.

„Doch, aber die hab ich meinem Sohn geliehen.“

„Der kann sich doch selber eine kaufen.“

„Ja, kann er, aber...“

„Die Kinder sollen für sich selber sorgen!“

„Das können sie auch, aber...“

„Ich würde denen keine Monatskarte leihen!“

„Doch, das sind doch meine Kinder!“ An der nächsten Haltestelle verlässt die alte Frau den Bus.

Texte: Hanno Kabel (4)/ Sven Wehde

LN

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