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Lübeck Strandbahnhof verkommt: Jetzt will die Bahn verkaufen
Lokales Lübeck Strandbahnhof verkommt: Jetzt will die Bahn verkaufen
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09:12 13.03.2015
Travemünde

Trauerspiel in Travemünde: Von 2004 bis 2006 wurde der Strandbahnhof für 2,3 Millionen Euro aufwendig saniert. Doch die Bahn ließ das Jugendstil-Gebäude verkommen. Taubendreck, Feuchtigkeit und Schimmel bestimmen das Bild. Die Bahn will Bahnhofshalle und Teile des umliegenden Grundstücks jetzt loswerden und noch in diesem Jahr verkaufen.

Die Bahn begründet den Verkauf mit der schlechten Lage. „Wir können das Gebäude wirtschaftlich nicht hinreichend betreiben“, so Uwe Behncke vom Bahnhofsmanagement Schleswig-Holstein. Der Strandbahnhof habe keine 1A-Lage, es sei schwierig, Mieter für die Gewerbeflächen zu finden. Nach Zählungen der Bahn würden durchschnittlich nur etwa 330 Personen am Bahnhof täglich ein- und aussteigen. „Das ist für Miet-Interessenten eine zu geringe Zahl.“

Weiterlesen: Strandbahnhof bald frei zum Verkauf

Drei Pächter gibt es derzeit noch in der 1912 erbauten Bahnhofshalle: Ein Kiosk, eine Sportsbar und das Welcome-Center der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM). Die Betreiber der Sportsbar ziehen zum Mai aus, und auch die LTM sucht nach einem neuen Standort in Travemünde. „Das hat aber primär nichts mit dem Zustand des Bahnhofs zu tun“, sagt LTM-Sprecherin Doris Schütz. „Für uns lohnt sich die Lage nicht, das Welcome-Center wird zu wenig frequentiert.“

Veräußert werden sollen die Halle und das stillgelegte, verwilderte Gleis 2/3, das auch unter Denkmalschutz steht – der einzig noch betriebene Bahnsteig soll weiter zur Deutschen Bahn gehören. Ein Kaufpreis steht noch nicht fest, als erster Interessent soll die Stadt Lübeck angesprochen werden. „Kommunen haben immer Vorkaufsrecht, erst dann können wir auf den freien Markt“, sagt Behncke.
Was bis dahin mit dem immer baufälligeren Gebäude passieren soll, ist unklar: „Das Taubenproblem gehen wir an, außerdem soll der Wildwuchs auf dem stillgelegten Bahnsteig eingedämmt werden - viel mehr wird aber nicht passieren“, so Behncke. Für den schwarzen Schimmel, der die öffentlichen Toiletten in der Bahnhofshalle befallen hat, sei ein Gutachten erstellt worden, „das Ergebnis liegt uns allerdings erst in der kommenden Woche vor“, sagt Behncke.

Bürgermeister Bernd Saxe äußerte sich zu den Verkaufsplänen der Bahn zurückhaltend: „Die Stadt hegt keine Kaufabsichten.“ Sollte sich kein anderweitiger Käufer finden und die Bahn nicht weiter in die Instandhaltung investieren, könnte das markante Bahnhofsgebäude in Travemünde erneut zum Sanierungsfall werden.

Geschichte des Strandbahnhofs
Im Jahr 1912 wurde der Neubau des Strandbahnhofs eröffnet, knapp zwanzig Jahre zuvor war die Strecke Lübeck - Travemünde von der Lübeck-Büchener Eisenbahn in Betrieb genommen worden.
Einen Eintrag ins Denkmalbuch der Stadt Lübeck erhielt das Jugendstil-Gebäude im Jahr 1991.
Von 2004 bis 2006 wurde der Strandbahnhof für insgesamt 2,3 Millionen Euro saniert. Neben der Bahn übernahmen die Kosten unter anderem die Stadt Lübeck und die Possehl-Stiftung.

Von Katrin Diederichs

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