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Lübeck Streit um Drehbrücken-Sperrung
Lokales Lübeck Streit um Drehbrücken-Sperrung
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21:50 09.09.2016
Das Lindenbündnis behauptet, dass die Drehbrücke während des Umbaus der Untertrave für 27 Monate gesperrt werden solle. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Das Aktionsbündnis „Lübecks Linden leben lassen“, das für den Erhalt der 48 Winterlinden an der Untertrave kämpft, hat vor knapp zwei Wochen Akteneinsicht bei der Stadtverwaltung erhalten. Dabei will das Bündnis festgestellt haben, dass im Antrag für die europäischen Fördermittel, die in die Umgestaltung der Untertrave fließen sollen, eine Vollsperrung der Drehbrücke geplant ist. Von Oktober 2016 bis Dezember 2018 – ganze 27 Monate. „Das Bündnis hat daher einen Plan erarbeitet, der vorsieht, den Umbau in kleinen Bauabschnitten durchzuführen, so dass eine Vollsperrung vermieden wird“, heißt es in einer Mitteilung des Bündnisses.

Lindenbündnis spricht von 27 Monaten Vollsperrung. Projektleiter: Brücke wird maximal acht Wochen gesperrt.

Die Umgestaltung der Untertrave soll insgesamt 15,6 Millionen Euro kosten. Der größte Teil, 11,9 Millionen Euro, stammt dabei aus Zuwendungen der EU, des Landes und des Bundes. Die Bewilligung der europäischen Fördermittel in vollem Umfang von sechs Millionen Euro bekam die Bauverwaltung Ende Juli.

Doch plant man tatsächlich Lübecks Drehbrücke über zwei Jahre lang voll zu sperren? „Selbst eine Sperrung für 27 Wochen wäre viel zu lang“, sagt Ulrich Pluschkell, verkehrspolitischer Sprecher der SPD. Er kann sich nicht vorstellen, dass eine zweijährige Sperrung geplant ist. „Im Bauausschuss würden alle darauf drängen, dass es zu einer solch eklatanten Einschränkung nicht kommt“, ist sich Pluschkell sicher.

Auch Christopher Lötsch, baupolitischer Sprecher der CDU, wundert sich über die Mitteilung des Aktionsbündnisses. „27 Monate erscheint mir arg lang, aber ich erinnere mich daran, dass eine Sperrung im Bauausschuss Thema war.“ Der Platz sei anders nicht zu sanieren. Eine Behelfsbrücke sei zudem im Gespräch gewesen, doch „die meisten hielten es für verträglich über die Nordtangente auszuweichen“.

Drei Vertreter hat das Lindenbündnis zur Akteneinsicht geschickt. „Wir durften Seiten fotografieren und kopieren und haben einiges dann zuhause aufgearbeitet“, berichtet Sprecher Arnim Gabriel. Schon am Montag hätte man den nächsten Einsichtstermin. „Im Bauablaufplan ist die Drehbrücke als orange markiert. In der Legende steht dann ,Vollsperrung’ dort“, sagt Alexandra Stauvermann vom Aktionsbündnis. Darunter stünde ,Bauzeitraum Oktober 2016 bis Dezember 2018’.

Stadtplanerin und Welterbe-Beauftragte Christine Koretzky kann allerdings Entwarnung geben: „Die Drehbrücke wird für den Umbau maximal acht Wochen lang gesperrt.“ Auch der Projektleiter „Untertrave“, Torsten Langenkämper vom Planungsbüro Hahm, nennt diese Zahl. Die gesamte Bauzeit sei von Oktober 2016 bis Dezember 2018 angedacht und auch auf dem eingesehenen Plan verzeichnet. „Die Schemazeichnung, auf die sich das Bündnis bezieht, könnte man, wenn man böswillig ist und etwas finden möchte, aber falsch auslegen“, sagt Koretzky bestimmt.

Die Drehbrücke

320 Tonnen wiegt Lübecks älteste Brücke von 1892. Seit 1990 ist sie denkmalgeschützt.

Die Drehbrücke war schon einmal gesperrt – für ganze sieben Monate. Von Oktober 2014 bis Mai 2015 musste sie für 3,6 Millionen Euro saniert werden. Das Bauwerk war damals völlig verrostet.

12 000 Autos rollen täglich über die Brücke. Auch Hunderte Radfahrer und über 1000 Fußgänger wären von einer Sperrung täglich betroffen.

Tomma Petersen

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