Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Streit um Pachtvertrag: Phönix ist verärgert über die Stadt
Lokales Lübeck Streit um Pachtvertrag: Phönix ist verärgert über die Stadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:33 17.09.2013
Massiver Protest: Uwe Mundt (v. l.), Steffen Kohl (beide LBV Phönix) und Roman Schick (SV Viktoria 08). Quelle: Foto: Lutz Roeßler
Anzeige
St. Gertrud

Noch drei Monate — dann steht der LBV Phönix vor dem Nichts. Denn am 31. Dezember endet der Erbpachtvertrag für einen Teil seines insgesamt 40 500 Quadratmeter großen Areals an der Falkenstraße.

Von der Stadt gibt es bislang gar keine Reaktion. „Mir ist so etwas noch nicht untergekommen“, ist Steffen Kohl vom Vereinsvorstand fassungslos. „Wir sehen höchsten Handlungsbedarf.“ Sein Verein hat 1250 Mitglieder. Ab Januar ist unklar, wo Leichtathleten und Hockeyspieler trainieren können.

Auf dem 10 600 Quadratmeter großen Gelände sind acht Tennisplätze untergebracht und eine große Mehrzweckhalle von 1989. Sie ist zu zwei Dritteln des Tages belegt — vor allem im Winter. Dort trainieren neben Vereinsmitgliedern auch Schüler. Betroffen sind 2500 Pennäler vom Katharineum, Johanneum und der Emanuel-Geibel- Schule. „Wir haben keine eigene Sporthalle — wir sind darauf angewiesen, dass wir irgendwo unterkommen“, sagt Astrid Pries, Sportlehrerin am Katharineum und Trainerin bei Phönix. Die Halle hat eine Tartanbahn, auf der die Läufer mit Spikes trainieren können.

Damit ist sie eine von fünf Hallen in Schleswig-Holstein. Sollte sie wegfallen, „wäre das für die Leichtathleten natürlich tödlich“, beurteilt Wolfgang Delfs, Präsident des Landesverbandes, die Lage.

Besonders ärgerlich für den LBV Phönix: Seit drei Jahren führen der Verein und die Stadt Gespräche über den 60 Jahre alten Pachtvertrag von 1953. Die Stadt hatte dem Sportverein im März 2012 ein Angebot unterbreitet, wollte die Erbpacht 17 Jahre verlängern — bis 2030. Der Verein hingegen drängte auf eine längere Laufzeit — und wollte eine Dauer von 27 Jahren aushandeln. Doch im Februar dieses Jahres stimmte der LBV schweren Herzens dem Angebot der Stadt mit kürzerer Laufzeit zu. Alles schien geregelt. Doch dann änderte sich die Meinung der Stadt. Aktuell wird untersucht, ob auf diesem Teil des LBV-Areals gebaut werden könnte. Neue Häuser würden an der Falkenwiese entstehen und an den Rest des Phönix-Geländes angrenzen. „Wir untersuchen die Verträglichkeit von Sport und Wohnen“, verteidigt Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) das Vorgehen. Das könne man der Verwaltung nicht untersagen. Ende September soll das Ergebnis vorliegen.

„So geht man nicht mit einem Verein um“, sagt hingegen Kohl. Rückenwind bekommt er aus der Politik. Die Grünen wollen einen Erbpachtvertrag für den LBV über 20 Jahre, auch aus der CDU gebe es positive Signale. Anders als von der SPD. Fraktionschef Jan Lindenau hatte eine Verlängerung bis Ende 2016 vorgeschlagen. Denn dann laufen auch die Erbpachtverträge des Judoclubs und des Tanzclubs Hanseatic auf der anderen Seite der Falkenstraße aus. Dort will die Stadt ebenfalls Wohnungen bauen. Lindenau will bis 2016 dann ein Konzept erarbeiten. „Wir sind uns mit den beiden Vereinen längst einig, dass sie bei uns einen Platz auf dem Gelände bekommen“, kontert Kohl und lehnt das Angebot der SPD ab. Denn die Stadt hat die Idee, dass mehrere Vereine auf dem Areal zwischen Falkenwiese, Falkenstraße und Wakenitz konzentriert werden. Auch die Footballer der Cougars sollen dort Platz finden. „Wir haben hohes Interesse an so einem Sportzentrum“, sagt Kohl. „Aber da muss man mit uns sprechen“, sagt Roman Schick vom SV Viktoria 08. Dessen Fußballmannschaften trainieren auf dem Gelände neben dem LBV Phönix. „Das wird länger dauern als bis 2016.“

Die Sportler wollen am Freitag, 20. September, demonstrieren. Start ist um 16 Uhr an der Falkenstraße 44. Endpunkt ist der Markt.

Einer der ältesten Vereine
1250 Mitglieder zählt der LBV Phönix — darunter 600 Jugendliche. Leichtathleten, Handballer, Frisbee-Spieler, Tennis- und Hockeyspieler sind dort zu Hause, wie auch das Kinderturnen. Der benachbarte Fußballverein SV Viktoria 08 hat 380 Mitglieder, davon 260 Jugendliche. Der LBV Phönix ist einer der ältesten Vereine der Hansestadt. 2010 feierte er zusammen mit den Fußballern des 1. FC Phönix 100-jähriges Vereinsjubiläum. Von 1924 bis 1971 bestand ein Club, dann trennten sich die Wege.

Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige