Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Streit verzögert den Bau der Possehlbrücke
Lokales Lübeck Streit verzögert den Bau der Possehlbrücke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 20.07.2016
Nur in eine Richtung: Seit Oktober 2015 geht es auf der Possehlbrücke lediglich stadteinwärts. Das wird bis Ende 2017 so bleiben. Quelle: Maxwitat

Die Hansestadt hat ein neues Brücken-Drama: Der Neubau der Possehlbrücke kommt nicht voran. Die Stadt geht davon aus, dass die Querung erst Ende 2017 fertig ist. Das Unternehmen hingegen gab bis gestern noch den 6. Oktober als Termin der Fertigstellung an. Das ist scheinbar nicht die einzige Unstimmigkeit zwischen Stadt und Baufirma.

Zur Galerie
Frühestens Ende 2017 wird der Neubau fertig sein – Stadt und Baufirma sind uneins darüber, wie die Bauarbeiten weitergehen sollen, schon zum zweiten Mal.

Denn die beiden Parteien sind offenbar uneins, wie die Bauarbeiten weitergehen sollen. Das geht aus einer Mitteilung der Stadt hervor. „Das war alles auch schon vor zwei Wochen bekannt“, ärgert sich Gregor Voht (Freie Wähler). Da hatte ihn die Bauverwaltung mit einem „ist alles in Ordnung“ abgespeist. Er kritisiert: „Die Bauverwaltung wollte einfach nichts sagen.“

Außerdem geht es ums Geld. Nach aktuellem Stand betragen die Kosten für die Possehlbrücke 12,8 Millionen Euro. Die Stadt zahlt 6,8 Millionen Euro, das Land sechs Millionen Euro. Es gibt aber keinen finanziellen Puffer mehr. Wenn Ungeplantes passiert, müssen sich Stadt und Baufirma einigen, wer die Mehrkosten übernimmt.

„Es sieht so aus, als ob wir mit der Baufirma einen Partner hätten, der versucht, auf juristischem Weg Mehrkosten durchzusetzen“, sagt Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses.

„Früher hat man angefangen zu buddeln, heute schickt man erst einmal Rechtsanwälte“, kommentiert Verkehrsexperte Ulrich Pluschkell (SPD). „So ein Vorgehen ist bei Großprojekten mittlerweile üblich – leider“, sagt der Grüne Arne-Matz Ramcke.„Es geht dabei um technische Notwendigkeiten und wirtschaftliche Möglichkeiten.“ Heißt: Stadt und Baufirma sprechen darüber, was fachlich sinnvoll ist, was das kostet und wer es zahlt. Zwar ist das in der Ausschreibung der Stadt festgelegt, aber häufig diskutieren Baufirmen erst, wenn sie den Auftrag haben.

Der aktuelle Stand: Die marode Possehlbrücke von 1956 ist bereits zur Hälfte abgerissen. Durch Spundbohlen sollte eine Baugrube am Widerlager entstehen. Dadurch sollte das Wasser des Kanals zur Seite gedrückt werden, damit die Arbeiter dort ungehindert werken können. Doch noch gibt es diese Baugrube nicht. Im Untergrund sind Findlinge entdeckt worden. Die verhindern, dass die Spundbohlen tief in den Boden gesetzt werden können. Zudem muss das Ufer sowie die Kanalsohle gesichert werden. Wie die Bauarbeiten weitergehen sollen, darüber debattieren jetzt Stadt und Baufirma.

Nicht zum ersten Mal. Auch beim Abriss der halben Possehlbrücke lagen beide Parteien im Clinch. Die Baufirma hatte ein alternatives Abrisskonzept vorgeschlagen, das billiger und schneller gehen sollte. Die Bauverwaltung prüfte das, lehnte es aber schließlich ab – aus „sicherheitstechnischen Gründen“. Es sei nicht sicher, dass die 110-Kilovolt-Stromleitung in Betrieb bleiben könne, die das Uniklinikum und den Lübecker Süden versorgt, hieß es. Also wurde nach dem Plan der Stadt abgerissen. Doch durch dieses Hickhack verzögerte sich das Bauprojekt um mehrere Wochen. Nun geht der Ärger offenbar wieder von vorne los.

Die Leidtragenden sind die Lübecker. Seit März 2015 ist die Possehlbrücke stadtauswärts gesperrt. Betroffen von der Baustelle sind täglich 32500 Fahrzeuge. Denn die Possehlbrücke ist eine der Hauptverkehrsadern. Die Ausweichstrecken sind zur Hauptverkehrszeit überlastet. Die Bauverwaltung „will alles daran setzen, dass die Arbeiten schon zur Beginn der Weihnachtszeit 2017 fertig werden“, so Stefan Klotz, Bereichsleiter Verkehr. „Ich hoffe sehr, dass das gelingt“, macht Carl Howe (GAL) klar: „Aber ich bezweifle, dass der Zeitplan eingehalten wird.“

 Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige