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Lübeck Stress in den Schulen: Abi-Jahrgang im Doppelpack
Lokales Lübeck Stress in den Schulen: Abi-Jahrgang im Doppelpack
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21:18 20.02.2016
In diesem Jahr machen an den sieben Gymnasien gut doppelt so viele Schüler ihr Abitur wie sonst. Was das zum Beispiel für die Thomas-Mann- Schule bedeutet, zeigt unsere Foto-Montage: Darauf ist der Abiturjahrgang des vergangenen Jahres mal zwei zu sehen. Quelle: Olaf Malzahn

Thomas Schmittinger, Schulleiter des Katharineums, will ein paar gerade pensionierte Lehrer für die Prüfungskommissionen reaktivieren. Karl-Peter Flittiger, Rektor der Thomas-Mann-Schule, macht sich Sorgen um seine Lehrer, die deutlich mehr Prüfungen abnehmen müssen als sonst. Der doppelte Abitur-Jahrgang wird für die sieben Lübecker Gymnasien „zu einer logistischen und personellen Herausforderung“, sagt Flittiger. Der letzte G9-Jahrgang und der erste G8-Jahrgang legen im Frühjahr gemeinsam ihre Abi-Prüfungen ab.

193 Prüflinge zählt das Katharineum, normalerweise sind es 90 bis 100. 190 sind es beim Johanneum, 174 bei der Thomas-Mann—Schule und 150 bei der Oberschule zum Dom. 120 Prüflinge zählt die Ernestinenschule und hat Glück. Schulleiter Christian Petersen: „Wir haben sonst 90 Abiturienten, hatten aber damals relativ geringe Anmeldezahlen.“ An allen sieben Gymnasien sind es nach einer LN-Abfrage 1041 Prüflinge. Im vergangenen Jahr bauten 525 junge Menschen ihr Abitur an den sieben Oberschulen. Räumlich sei das kein Problem, sagen alle Schulleiter übereinstimmend. „Wir rücken zusammen“, erklärt Flittiger, „wir haben genug Räume“, sagt Oliver Schaefer, Rektor der OzD, „das ist leistbar“, bestätigt Kay Glasneck vom Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium. Aber für die Lehrer wird es heftig. „Sie müssen die doppelte Zahl an Klausuren korrigieren“, sagt Oliver Schaefer. Denn die Klausuren werden in jedem Fall zwei Mal korrigiert und manchmal auch noch ein drittes Mal bewertet.

Trotz der doppelten Menge bleibt die gleiche Zeit für die Korrekturen — zwischen Ende April und Ende Juni müssen die Noten feststehen. Noch schwieriger werde es bei den mündlichen Prüfungen, weiß

Karl- Peter Flittiger: „Die ballen sich in wenigen Fächern.“ An der TMS rechnet man mit 230 bis 240 mündlichen Prüfungen. Flittiger: „Sonst prüfen wir an drei Tagen, diesmal an fünf Tagen.“

Der doppelte Jahrgang ist aber nicht nur für die Oberschulen ein Thema, sondern auch für Hochschulen und Ausbildungsbetriebe. Unis und Fachhochschulen rechnen mit überfüllten Mensen und Seminarräumen, denken über Online-Seminare, Lehrveranstaltungen abends und an Sonnabenden sowie die Verlängerung von Essenszeiten nach. Entspannt dagegen sieht die Wirtschaft dem doppelten Abi-Jahrgang entgegen. „Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern lehren uns, dass besondere Ausbildungskapazitäten nicht erforderlich sind“, sagt Ulrich Hoffmeister, Geschäftsstellenleiter für Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck (IHK). Die Betriebe seien informiert, aber die IHK rechnet damit, dass viele junge Leute studieren, ein soziales Jahr einlegen, chillen oder Auslandsreisen unternehmen. „Das wird sich auf zwei Jahre verteilen“, ist Hoffmeister sicher. Die Unternehmen würden sich sogar über mehr Bewerber mit Abitur freuen. Hoffmeister: „Letztes Jahr sind in Schleswig-Holstein 1000 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben.“ Auch das Handwerk sieht die Lage gelassen. Christian Maak von der Handwerkskammer Lübeck: „Ich glaube nicht, dass uns die Abiturienten belagern werden.“ Üblicherweise nehmen zehn Prozent eines Jahrganges eine Ausbildung nach dem Abitur auf. Wenn mehr junge Leute auf dem Markt seien, hätten Handwerksbetriebe eine größere Chance, Bewerber zu finden. Die Agentur für Arbeit ist auf erhöhten Beratungsbedarf von jungen Leuten eingestellt. „Wir haben zusätzliche Berufsberater eingestellt“, sagt Sprecherin Olga Nommensen, „aber noch gibt es keinen Ansturm“.

Wenn die Gymnasien den Stress hinter sich haben, beginnt eine entspannte Zeit. Thomas Schmittinger: „Nächstes Jahr haben wir 100 Schüler weniger.“

Im Land liegt G9 deutlich vor G8

Das Turbo Abitur wurde in den 2000er-Jahren überall in Deutschland eingeführt. Ausnahme ist Rheinland-Pfalz, wo G8 nur an ausgewählten Ganztagsschulen gilt. Erfahrungen mit doppelten Abitur-Jahrgängen haben alle anderen Bundesländer bereits gesammelt. Mit Niedersachsen kehrt ein erstes Bundesland vollständig zum Abitur nach 13 Jahren zurück.

84 Gymnasien in Schleswig-Holstein bieten im Schuljahr 2015/16 den verkürzten achtjährigen Bildungsgang an. 15 Gymnasien bieten den neunjährigen Bildungsgang oder die Wahl zwischen G8 und G9 an.

2011 entschieden sich alle sieben Lübecker Gymnasien für das Turbo-Abitur.

Kai Dordowsky
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