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Lübeck Studenten überraschen Restaurantbesucher mit Operette
Lokales Lübeck Studenten überraschen Restaurantbesucher mit Operette
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21:10 23.10.2013
Operettengesang mitten im Café Affenbrot: Konstantin Busack (25), Student der Musikhochschule Lübeck, begeistert in seiner Rolle als Boni die Restaurantbesucher. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Im Café Affenbrot herrscht Hochbetrieb. Die Stühle sind bis auf den letzten Platz besetzt. Einige Gäste stehen in den Gängen und an den Türen. Dazwischen laufen hektisch mehrere Kellner herum und servieren Salate, Nudeln und Omelettes. Es wird geschwatzt, gelacht und mit Besteck geklimpert. Plötzlich übertönt eine laute Stimme den Lärm. Clara Zepeda steht auf einer Treppe und stimmt die ersten Töne der Operette „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán an. Die Restaurantbesucher werden still. Sie vergessen ihr Essen und starren fasziniert und zum Teil auch etwas überrascht die junge Frau an.

Die Gäste sind mitten in einer Vorstellung der Musikhochschule Lübeck gelandet. Die Studentin Astrid Poetzing hat den besonderen Abend organisiert. „Ich möchte auf diese Weise Menschen für klassische Musik begeistern, die normalerweise für so etwas nicht zu einem Konzert gehen würden“, sagt die 24-Jährige. Deshalb hat sie den Ablauf der Veranstaltung im Vorfeld geheimgehalten. Es gab zwar Plakate mit Ort- und Zeitangabe. Sie verrieten aber nicht, was genau die Gäste erwarten würde. Und auch nicht, dass die Besucher Teil der Vorstellung werden würden.

Das Ensemble besteht aus sechs Operettensängern und fünf Instrumentalisten. Sie sind alle Studenten der Musikhochschule, mit Ausnahme von Juan Sebastian Hurtado. Der 28-Jährige stammt aus Kolumbien und ist erst vor vier Monaten nach Deutschland gekommen. Im kommenden Jahr will er die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule absolvieren. Bis dahin nimmt er Gesangsunterricht bei einer Dozentin der Einrichtung, die ihm auch die Rolle des Edwin in „Die Csárdásfürstin“vermittelte. „Als Sebastian zu uns kam, konnte er kein Wort deutsch sprechen“, sagt Astrid Poetzing. Inzwischen hat sich das geändert.

Im Café Affenbrot haben die Studenten keine Bühne zur Verfügung, auf der sie singen und spielen können. Stattdessen bewegen sie sich zwischen den Tischen. Immer wieder animieren sie die Gäste, im Takt der Musik zu klatschen. Und sie fordern bereits im zweiten Lied einige Zuschauer dazu auf, sich von ihren Stühlen zu erheben und mit ihnen durch die Gänge zu tanzen.

Das Konzept funktioniert: Die weiblichen Besucher machen begeistert mit, als Casanova Boni (Konstantin Busack) mit ihnen flirtet. Die männlichen Besucher wirbeln zu „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ durch das Restaurant. Und immer wieder stellen auch einzelne Gäste ihre Schlagfertigkeit unter Beweis. Zum Beispiel, als Boni erklärt, wie die passende Frau für seinen Freund Edwin sein müsse, damit sie die Zustimmung der Mutter erhalte. „Deutsch und protestantisch“, sagt der junge Mann und blickt dabei eine Frau im Publikum an. „Ich bin katholisch“, erwidert diese und bringt damit das gesamte Café zum Lachen.

Als die Operette nach etwa 65 Minuten zu Ende ist, bekommen die Studenten minutenlang Applaus. Einige Zuschauer rufen „Zugabe“. „Das hat mir sehr gut gefallen“, sagt Sigrid Wichelmann-Munkelt. Die 68-Jährige kannte die Operette bereits vorher so gut, dass sie bei vielen Liedern spontan mitgesungen hat. „Die Idee ist toll. So etwas würde ich gern öfter in Lübeck sehen.“ Auch Urlauberin Judith Walter aus Bergisch Gladbach ist begeistert. „Die Kombination aus gemütlich essen und dabei eine Operette hören ist klasse“, sagt sie.

Organisatorin Astrid Poetzing freut sich, dass ihre Idee so gut angekommen ist. „Ich habe das erreicht, was ich wollte“, sagt sie. „Kein Besucher hat sich fehl am Platz gefühlt. Es ist uns gelungen, alle zu berühren.“ Die Studenten hoffen nun, dass sich weitere Kneipen und Restaurants melden, bei denen sie ihre Überraschungsoperette aufführen können. Klarinettist Roman Gerber sagt: „Wir würden es sehr gern weitermachen.“

Ein Liebeswirrspiel
1915 wurde die Operette „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán im Johann-Strauß-Theater in Wien uraufgeführt. In dem Stück verliebt sich der Wiener Fürstensohn Edwin in die Varieté-Sängerin Sylva. Doch seine Eltern sind gegen die Beziehung. Sie haben bereits eine Verlobung mit seiner Cousine Stasi arrangiert. Diese ist jedoch in Edwins Freund Boni verliebt. Zum Schluss gibt es ein Happy End: Boni und Stasi heiraten, und auch Edwin und Sylva sind glücklich vereint.

Janina Dietrich

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