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Lübeck Stunts und Sprünge statt Pompons
Lokales Lübeck Stunts und Sprünge statt Pompons
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12:32 18.03.2016
In der Sporthalle der Holstentor Gemeinschaftsschule zeigen Paula (v.l.), Sophia, Emely, Lyan, Melisa, Lena und Kyra, was sie einstudiert haben. Quelle: Cosima Künzel

Beim Thema Cheerleader denken viele Leute an Pompons und Mädchen mit hohen Stiefeln. Genau von diesem Image wollen die TLC Cheerleader vom Turn- und Sportverein Lübeck von 1893 weg. Denn Cheerleading vereint Elemente des Turnens, der Akrobatik sowie des Tanzes und wird als selbstständiger Wettkampfsport betrieben. Die Lübecker sind darin seit Jahren erfolgreich.

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Die TLC Cheerleader trainieren hart, sind auf Erfolgskurs und wollen weg vom Image des Tanzens mit den Puscheln.

„Hundehütte — Feuer — Toter Käfer“, ruft Angelina Larssen (18) durch die Sporthalle und die 17 Mädchen ihr gegenüber wissen, was zu tun ist. Mal formen sie mit den Händen ein Dach, mal rennen sie in eine Ecke, mal legen sie sich auf den Rücken und zappeln mit den Beinen. Die Aufwärmtraining ähnelt dem Sportspiel „Feuer, Wasser, Eis“, nur das Eis ist durch das Wort „Cheerleader“ ersetzt. „Weil wir Elemente unseres Trainings einbezogen haben“, erklärt Jessica Hofmeister während sie den „Cuties“ im Alter von sechs bis zwölf Jahren zuschaut. Die 34-Jährige ist Coach der TLC Cheerleader und trainiert mehrere Gruppen, die nach Alter eingeteilt werden.

Für Hofmeister ist Cheerleading mehr als ein Sport. „Es ist eine Lebenseinstellung“, sagt die Frau, die in Jogginghose, Shirt und Turnschuhen auf der Bank sitzt und den Cuties zuschaut. Zu dieser Lebenseinstellung gehöre nicht nur, dass man den Sport sofort liebt oder schnell wieder aufhört, sagt sie. „Man muss auch hart trainieren, dreimal die Woche, auch sonntags.“ Dafür reisen die Kinder, Jugendlichen und Frauen aus dem Einzugsgebiet etwa zwischen Fehmarn, Mölln und Bad Segeberg an.

Sina ist seit anderthalb Jahren dabei — und es kam „noch nie!“ vor, dass sie keine Lust hatte. „Alle sind lieb und wir arbeiten toll zusammen“, sagt sie und meint damit auch das Vertrauen, das sich die Gruppe entgegenbringt. Für Sina ist das besonders wichtig, denn zum Beispiel beim Element „Basket“ wird sie als „Flyer“ hoch in die Luft geworfen und wieder aufgefangen.

Neben dem „Basket“ gibt es viele weitere Elemente und Fachausdrücke wie Tumbling, Jumps, Motions, Chants oder Stunts. Was für den Laien wie eine Zaubersprache klingt, signalisiert den Mädchen, dass sie bestimmte Armbewegungen, Sprechgesang, Hebefiguren, Bodenturnübungen oder Sprünge zeigen. Sina mag vor allem die Stunts, bei denen mehrere Hebefiguren später zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden können und dann als Pyramide bezeichnet werden. Wenn Hofmeister sieht, mit wie viel Ehrgeiz, Können und Freude die Mädchen trainieren, dann ist sie stolz, aber auch ein wenig traurig. Denn:

„Cheerleading ist in Deutschland immer noch eine Randsportart, die oft belächelt wird.“ Daher wollen die Trainer auch weg von dem Pompon-Image und reisen zu vielen Wettkämpfen. Jüngst fand die Regionalmeisterschaft Nord des Cheerleading und Cheerdance Verband Deutschland (CCVD) in Hamburg statt und die TLC Goodys wurden Vizeregionalmeister. „Außerdem hat sich das Jugendteam der TLC Familie erneut für die Deutsche Meisterschaft im Juni in Bonn qualifiziert.“

Während Hofmeister Sport und Vereinssparte erklärt, haben die Cuties die Aufwärmphase hinter sich. Jetzt üben sie ihre neue Choreographie, in der auch das Element Dance eine wichtige Rolle spielt.

„Das Tanzen ist ein wichtiger Bestandteil des Cheerleadings und gehört zu jedem Auftritt dazu“, sagt Hofmeister und meint, dass „im Grunde jeder“ für den Sport geeignet ist. „Ein wenig Koordinationstalent ist für die Arm- und Beinbewegungen hilfreich“, sagt die Trainerin, „aber Gelenkigkeit und Ausdauer kann man trainieren.“ Wer Lust hat, den Sport kennenzulernen, der kann am 22.

Juni oder 29. Juni an einem Probetraining teilnehmen.

• Mehr Infos über den Verein gibt es unter www.tlc-luebeck.de.

Verein und Geschichte

75 Aktive trainieren beim TLC Cheerleader im TuS Lübeck von 1893. Unter anderem gehört auch beim American Sports Club Lübeck (ASC) Cheerleading seit 1989 dazu.

In der Geschichte des Sportes stand am Anfang das Anfeuern einer Sportmannschaft und die Animation des Publikums bei typischen Sportarten wie Basketball und American Football.

Inzwischen gibt es auch beim Handball, Volleyball, Eishockey und vielen weiteren Sportarten Cheerleader-Gruppen.

Heute wird Cheerleading als selbstständiger Wettkampfsport betrieben mit Meisterschaften auf nationaler und internationaler Ebene. Nach Regelwerk müssen die Teams während des zwei- bis dreiminütigen Auftritts Pflichtelemente darbieten, die dann nach Schwierigkeitsgrad und Ausführung bewertet werden.

Von Cosima Künzel

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