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Lübeck „Supper’s Ready“ – Ein Abendmahl mit Genesis
Lokales Lübeck „Supper’s Ready“ – Ein Abendmahl mit Genesis
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22:13 13.04.2017
Am Tisch des Herrn: Pastor Bernd Schwarze (Mitte) mit den Tänzerinnen und der Band in der Petrikirche. Quelle: Fotos: Lutz Roessler, Dpa

Es beginnt mit einer Prozession, und es endet mit einer Prozession. Sechs junge Frauen schreiten durch den hohen Kirchenraum, langsam und in hellen Gewändern.

Tanz, Rockmusik und kirchliche Messe – Experiment gestern Abend in St. Petri.

Ihnen voran geht ein Mann, und er trägt ein Kreuz in seinen Händen. Denn so steht es ja geschrieben, denn so heißt es ja im Text.

Der Text stammt von „Supper’s Ready“, einem Song von Genesis. Peter Gabriel hat ihn verfasst, gerade mal 22 Jahre alt. Und bis heute beugen sich Dechiffrier-Syndikate darüber auf der Suche nach einem verborgenen Zusammenhang.

„Supper’s Ready“ ist eines der großen Stücke der Band, und eines ihrer großen Mysterien ist es auch. Gestern Abend wurde die Artrock-Suite in der Petrikirche aufgeführt. Sie bildete den Rahmen für eine Eucharistie-Feier am Gründonnerstag, an dem Tag also, an dem der biblische Jesus mit den Jüngern ein letztes Abendmahl feierte.

Der Mann mit dem Kreuz ist Bernd Schwarze, Pastor in St. Petri und seit seiner Jugend vertraut mit dem Werk von Genesis. Lange schon trieb ihn die Idee um, „Supper’s Ready“ in die Kirche zu bringen.

Jetzt hat er sie realisiert, mit viel Energie und vielen Mitstreitern. Und mit viel Erfolg. Der „Abend über das Abendmahl“ wurde vom großen Publikum gefeiert.

„Supper’s Ready“ nimmt mit seinen 23 Minuten fast die ganze zweite Seite von „Foxtrot“ ein, einem Genesis-Album aus dem Jahr 1972. Sie waren sehr unsicher damals, was sie auf ihren Erkundungen zwischen Rock, Folk, Klassik und versponnener Opulenz angerichtet hatten. Steve Hackett sprach von „Edward Elgar auf Acid“ und dachte, „das Spiel wäre aus, niemand würde das mögen“. Aber dann wurde es zu einem der kanonischen Genesis-Stücke und zu einem Höhepunkt ihrer Konzerte.

„Supper’s Ready“ setzt sich aus sieben Teilen zusammen, die meist mit einem Genesis-typischen Break enden. „All change“ heißt es an einer Stelle, und dann geht es mit einem völlig anderen Tempo und einem völlig anderen Thema weiter. Die Musik stammt aus verschiedenen Phasen der Band, es ist eine Collage und der Text eine dieser Rätselhaftigkeiten, von denen Peter Gabriel sich so manche ausgedacht hat.

Es beginnt mit einer Prozession unheimlicher Gestalten, die Gabriel mit seiner damaligen Frau Jill im Mondlicht auf dem Rasen hinter dem Haus gesehen haben will. Steve Hackett mutmaßte später, da müssten fremde Substanzen im Spiel gewesen sein, anders könne er sich die Sache nicht erklären. Und Phil Collins, der „Supper’s Ready“ nach Gabriels Abschied sang, weiß nach eigenem Bekunden bis heute nicht, was es mit der ganzen Geschichte auf sich hat.

Ferner tauchen auf: Winston Churchill und Pythagoras, der Rattenfänger, Wortspiele, Narziss, auch ein Feuerwehrmann, der sich ums Feuer kümmert. Und immer wieder biblische Motive wie die Teufels-Chiffre „666“ oder das mit Satan im Bunde stehende Volk Magog, das unter anderem in der Offenbarung des Johannes Erwähnung findet. Zum Schluss ist vom Abendmahl und dem König der Könige die Rede, der gekommen sei, seine Kinder nach Hause zu holen, heim ins neue Jerusalem.

Peter Gabriel hat mal gesagt, er habe in dem hymnischen Finale um sein Leben gesungen. Lukas Kowalski übernimmt die schwierige Aufgabe, sich dem Vergleich auszusetzen. Aber er versucht gar nicht erst, Gabriel zu kopieren. Seine Stimme ist anders, wie auch die Kirchenorgel fremd klingt, wo sonst eine Hammondorgel war. Aber die Band um Willy Daum, der die Partitur für das komplexe Stück durch das Abhören der Platte geschrieben hat, liefert einen großartigen Soundtrack, den die Tänzerinnen um die Choreografin Shiao Ing Oei in Bewegung und fließenden Ausdruck umsetzen.

Eingebettet in Musik und Tanz ist die Abendmahlsmesse, die Schwarze in englischer Sprache zelebriert. Es sei ein anderer Weg, den Vorabend des Karfreitags zu begehen, sagte er im Vorfeld. Es sei ein „Experiment auf der Grenze zwischen einer künstlerischen Performance und einer gottesdienstähnlichen Feier“. Es ist ausgesprochen gelungen, das kann man sagen. Und es wäre viel zu schade, es nur ein einziges Mal aufzuführen.

Die Bands und der Tanz

Genesis war eine der großen Bands des britischen Art-Rocks. Das Foto links zeigt sie in ihrer klassischen Besetzung. 1975 verließ zunächst Peter Gabriel die Band, zwei Jahre später Steve Hackett.

Heute wird immer wieder mal über eine Reunion gemutmaßt, aber sie ist ähnlich wahrscheinlich wie die der Beatles.

Willy Daum vom Theater Lübeck hatte die musikalische Leitung bei „Supper’s Ready“. Zur Band gehörten Lukas Kowalski (Gesang), Edgar Herzog (Flöte, Klarinette, Saxophon), Urs Benterbusch (Gitarre), Peter Imig (Bass) und Jonathan Göring (Drums).

Die Choreografie stammte von Shiao Ing Oei. Die Tänzerinnen waren Ulla Benninghoven, Janessa Jenkins, Annika Sophia Dörr, Bella Boldt und Kim Tassia Kreipe.

Peter Intelmann

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