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Lübeck Synagoge: Possehl gibt kein Geld mehr
Lokales Lübeck Synagoge: Possehl gibt kein Geld mehr
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09:34 07.05.2016
Blick in die Gebetshalle der Synagoge in der St.-Annen-Straße: Das Baugerüst steht, der Betonsockel ist neu gegossen, die meisten Fenster sind ausgetauscht. Jetzt ruhen die Arbeiten. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

 Wie erst jetzt bekannt wurde, hat die Possehl-Stiftung der Jüdischen Gemeinde im Februar schriftlich mitgeteilt, dass sie kein weiteres Geld in die Projekte der Gemeinde stecken wird. Das bestätigt der Stiftungsvorsitzende Max Schön auf LN-Anfrage.

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In den vergangenen fünf Jahren habe die Possehl-Stiftung die Jüdische Gemeinde mit insgesamt 1,55 Millionen Euro unterstützt. „Das ist auch für unsere Stiftung eine hohe Summe“, sagt Schön. 600 000 Euro wurden für die Erweiterung des Jüdischen Friedhofs gespendet, weitere 950 000 Euro für die Sanierung der Synagoge. „Wir sind davon ausgegangen, dass wir mit unserem finanziellen Engagement zum Gelingen beider Großprojekte beigetragen haben“, schreibt Schön. Ohne die Zuwendungen hätte die mittellose Gemeinde die 6,3 Millionen Euro teure Instandsetzung des Gotteshauses gar nicht anpacken können. Denn der Bund gibt immer nur Geld, wenn der Bauherr einen Eigenanteil aufbringt. Jetzt sollen andere helfen. Schön: „Einen weiteren finanziellen Beitrag zur Lösung der aktuellen Probleme wird die Possehl-Stiftung nicht erbringen. Für eine Lösung mit anderen möglichen Förderern wünschen wir Ihnen viel Erfolg.“

Das aktuelle Problem heißt Baustopp. Drei Millionen Euro sind in den vergangenen zwei Jahren investiert worden, um das baufällige Gebäude trockenzulegen, Betonsockel neu zu gießen, Fenster auszutauschen und das Mauerwerk in Schuss zu bringen. Weitere 3,3 Millionen Euro sind nötig, um das Dach zu sanieren, eine neue Heizung einzubauen, die Gebetshalle zu sanieren und historische Wandmalereien zu retten. Außerdem braucht das Gotteshaus einen Lift, neue Versorgungsleitungen sowie Sanitäranlagen. Vom Bund werden nur Baumaßnahmen gefördert, die dem Erhalt historischer Substanz dienen. Die Gemeinde hat beim Kulturstaatsministerium einen Antrag über knapp eine Million Euro gestellt — auf weitere Zuschüsse aus dem Denkmalschutz- Sonderprogramm VI.

Nach Angaben der Lübecker SPD-Bundestagsabgeordneten Gabriele Hiller-Ohm sei Ende Mai oder Anfang Juni mit einer Entscheidung zu rechnen. Sollte der Bund Geld geben, obwohl es bei Heizung, Versorgungsleitungen oder Lift nicht um historische Bausubstanz geht, bleibt das Problem des Eigenanteils. „Die Katze beißt sich in den Schwanz“, bringt Volker Zahn, Vorsitzender des Beirates, das Problem auf den Punkt. Um neue Geldgeber zu finden, sucht er das Gespräch mit Juden aus den USA und Israel — in der Hoffnung, dass die den Eigenanteil der Jüdischen Gemeinde übernehmen. Ende vergangenen Jahres hat der frühere Bausenator eine Gruppe von ausländischen Juden durch die Synagoge geführt. Zahn ist überzeugt, dass eine Lösung gefunden wird. Aber: „Die Zeit drängt.“

Schirmherr und Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) führt Gespräche mit Land und Bund, um Auswege auszuloten. „Ein Ergebnis gibt es noch nicht“, sagt er und fordert die Jüdische Gemeinde auf, aktiv zu werden. „Vom Zentralrat der Juden in Deutschland über wohlhabende jüdische Stiftungen in den USA bis zu reichen Gläubigen in aller Welt gibt es Möglichkeiten, die von der Jüdischen Gemeinde selbst ausgelotet werden müssen.“

Von Kai Dordowsky

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