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Lübeck Synagoge: Rabbiner sieht Stadt in der Pflicht
Lokales Lübeck Synagoge: Rabbiner sieht Stadt in der Pflicht
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21:22 08.08.2016
Die 1880 geweihte Synagoge wird seit zwei Jahren von Grund auf saniert. Seit Mai dieses Jahres ruhen alle Bauarbeiten. Quelle: Fotos: Wulff/maxwitat

Die 6,3 Millionen Euro teure Sanierung der Synagoge in der St. Annen-Straße ruht. Seit Mitte Mai ist die Baustelle verwaist, Gerüste wurden mittlerweile entfernt, das Gotteshaus ist in halbfertigem Zustand und kann von der 693 Mitglieder zählenden Gemeinde nicht genutzt werden. Erstmals äußert sich jetzt das geistige Oberhaupt der Jüdischen Gemeinde öffentlich. Rabbiner Dr. Yakov Yosef Harety erklärt auf LN-Anfrage, dass er die Stadt in der Pflicht sieht, das Gebäude fertig zu sanieren.

Sanierung stockt, weil Geldgeber abgesprungen sind – Gemeindeleben unter erschwerten Bedingungen.

„Es wird über alle Optionen nachgedacht, Fördermittel zu erhalten“, sagt der Rabbiner, seit April 2015 religiöses Oberhaupt der Gemeinde, „da die Synagoge jedoch unter Denkmalschutz steht, sollte es unserer Meinung nach auch Aufgabe der Stadt sein, die Sanierung zu Ende zu bringen.“ Der Erhalt der jüdischen Gemeinschaft sei nicht weniger wichtig als die Finanzierung anderer Institutionen oder von Flüchtlingsunterkünften, erklärt Harety: „Ich halte die Ablehnung der Finanzierung weiterer Sanierungsmaßnahmen für die Synagoge für politisch nicht korrekt.“ Es sei schon längst Zeit, auch für die Jüdische Gemeinde etwas zu tun, „da das jüdische Leben ein Teil von Lübeck war und immer noch ist und das so bleiben sollte.“

Die Gemeindemitglieder „fühlen sich nach der Absage der Fördermittel im Stich gelassen“. Die Kritik verbindet Harety mit einem Dank an die ausgestiegenen Geldgeber: „Wir sind selbstverständlich sehr dankbar für alles, was wir bis jetzt an finanzieller Unterstützung vom Bund und von der Possehl-Stiftung erhalten haben.“

Seit Beginn der Sanierung findet das Gemeindeleben im Keller des benachbarten Verwaltungsgebäudes statt. Der Rabbiner: „Allerdings kann der Gottesdienst nicht langfristig im Verwaltungsgebäude stattfinden, da es nicht für behinderte Mitglieder ausgelegt ist und es keine Belüftungsanlagen gibt, was den Gottesdienst erschwert und Risiken bis hin zur Lebensgefahr mit sich bringt.“ Der Kellerraum fasst gerade einmal 30 Stühle. Nach Angaben des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde gab es bereits einen Notarzteinsatz, weil eine Frau während einer Pessach-Feier bewusstlos wurde.

Zuletzt hatte das Land nach Gesprächen mit dem Architekten und dem Bürgermeister signalisiert, dass Gelder im laufenden Landeshaushalt gesucht werden, um das Gebäude wenigstens winterfest zu machen (die LN berichteten). Noch in dieser Woche wird Architekt Thomas Schröder-Berkentien die nötigen Daten nach Kiel schicken.

Die aktuelle Lage

950 000 Euro investierte die Possehl-Stiftung in die Sanierung der Synagoge, bis sie im Februar dieses Jahres die weitere Förderung einstellte.

880 000 Euro flossen aus verschiedenen Töpfen des Bundes. Ende Juni entschied der Bund sich gegen die Synagoge. 500000 Euro hatte die Jüdische Gemeinde als weitere Finanzierung beantragt.

1 Million Euro hatte das Land gegeben. Es bemüht sich jetzt um eine Finanzierung, die das Gotteshaus wenigstens winterfest macht.

Kai Dordowsky

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