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Tablet und iPad im Klassenzimmer

Lübeck Tablet und iPad im Klassenzimmer

Lübeck geht einen neuen Weg bei der Ausstattung der Schulen mit IT und will Schluss machen mit dem digitalen Flickenteppich.

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An der Pilotschule für IT an Grundschulen ist der Umgang mit digitalen Medien Alltag. Maria (9, v. l.) und Clara (10) von der Stadtschule Travemünde arbeiten an mathematischen Lernspielen auf iPads. FOTO: OLAF MALZAHN

Lübeck. . Es gibt Schulen in der Hansestadt, in denen kommen weniger als fünf Computer auf über 200 Schüler. Laptops oder Tablets? Fehlanzeige. Es gibt Schulen, die ihren 700 Schülern mehr als 100 Personalcomputer und über 100 Laptops zur Verfügung stellen können. „Die technische Ausstattung ist in Grundschulen tendenziell schlechter als in den weiterführenden Schulen“, weiß Dr. Annette Stümpel vom Institut für Softwaretechnik und Programmiersprachen der Uni Lübeck. Doch auch unter Grundschulen gibt es Vorreiter wie die Stadtschule Travemünde. Schulleiter Michael Cordes: „Wir arbeiten mit Tablets, iPads, Beamern und Online-Plattformen, den Computerraum haben wir abgeschafft.“

Zentral und einheitlich

Das Konzept des Instituts für Softwaretechnik und Programmiersprachen der Universität Lübeck schlägt vor, in allen Schulen Präsentationstechnik (Beamer) sowie ein sicheres WLan-Netz in Klassen- und Fachräumen zu installieren. Die Pflege, Wartung und Weiterentwicklung sollte zentral von IT-Administratoren erledigt werden.

Die digitale Welt in den 50 Lübecker Schulen ist ein Flickenteppich. Das will der Bereich Schule und Sport ändern und beauftragte im vergangenen Jahr die Uni-Wissenschaftler mit einem Konzept für eine einheitliche, standardisierte IT-Ausstattung. Das Konzept liegt jetzt vor, der Schulausschuss hat auf Antrag der FDP zur Bürgerschaft die Umsetzung ab nächstem Frühjahr beantragt. „Wir haben das Thema jahrelang stiefmütterlich behandelt“, sagt Friedrich Thorn, Bereichsleiter Schule und Sport, der die Zusammenarbeit mit der Uni einfädelte.

„Die Entwicklung wurde 15 Jahre lang verschlafen“, setzt Timon Kolterjahn, FDP-Bildungspolitiker, noch einen obendrauf, „alle benachbarten Gemeinden sind weiter als wir.“ Die Schulen hätten sich ihre IT-Ausstattung selbst aufgebaut, stellen die Wissenschaftler fest. „Abhängig vom Engagement und Wissensstand der Lehrkräfte reicht die Ausstattung von einer guten Grundlage bis zu nicht vorhanden.“

Fazit: „Es ist keine Chancengleichheit aller Schüler für den Erwerb von Medienkompetenzen gegeben.“

Genau das ist der Punkt. „Wir verstehen den Umgang mit IT als vierte Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen“, erklärt Schulrat Helge Daugs. Ohne digitale Fähigkeiten hätten sie kaum Chancen auf Ausbildung und Beruf. Die schulische Vermittlung dürfe aber nicht von der Wohngegend, der zufälligen Ausstattung der Schulen, einem pfiffigen Lehrkörper oder einem besonders engagierten Elternbeirat abhängen. Es geht um Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. „Alle Schulen müssen in die Lage versetzt werden, digitale Medien im Rahmen eines individuellen Medienkonzepts einsetzen zu können“, sind sich die Lübecker IT-Experten einig.

Konkret heißt das: „In allen Klassenräumen müssen Präsentationstechniken wie Beamer sowie WLan für Notebooks, Tablets und Smartphones verfügbar sein“, sagt Dr. Stümpel, Projektleiterin des Uni-Instituts. Dienstleistungen wie Wartung und Pflege sowie Hilfestellung bei Problemen sollten zentral angeboten werden. Netzwerkdosen würden bereits in fast allen Klassenräumen liegen, ein funktionierendes – und beständiges WLan-Netz gebe es dagegen nur in wenigen Schulen. Die Wartung und Pflege der IT-Ausstattung würde zumeist von Lehrern in ihrer Freizeit oder von Computer-AGs, Eltern oder ehemaligen Schülern sichergestellt. Die Wissenschaftler des Instituts haben für die Bestandsaufnahme Daten, die das Land gesammelt hat, sowie eine Online- Umfrage unter 250 Lehrern ausgewertet.

Bei der Standardisierung der IT- Ausstattung gehe es nicht darum, bewährte Konzepte in einzelnen Schulen über Bord zu werfen. „Wichtig ist, dass die Akzeptanz der bisherigen Lösungen nicht verloren geht“, heißt es im Konzept. Es gehe auch nicht darum, mobile Endgeräte für alle Schüler anzuschaffen. Das sei in der Regel nicht nötig, verweist Schulleiter Cordes auf aktuelle Studien. Danach haben 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein eigenes Tablet und 98 Prozent ein eigenes Smartphone. „In Grundschulen haben nicht alle Schüler mobile Endgeräte“, weiß Schulrat Daugs, „aber das ändert sich ab der fünften Klasse.“ Der entscheidende Punkt sei WLan in allen Klassen. FDP-Politiker Kolterjahn: „WLan und Beamer sind in der heutigen Zeit gleichzusetzen mit der Versorgung von Wasser, Strom und Wärme.“

Das Institut für Softwaretechnik und Programmiersprachen schätzt die Anschaffungskosten von Hardware auf 2,6 Millionen Euro – verteilt auf mehrere Jahre. Für das zentrale IT-Management seien 1,5

Stellen nötig. Im nächsten Frühjahr soll an zwei Modellschulen gestartet werden. An welchen, das steht noch nicht fest.

Kai Dordowsky

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