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Lübeck Hereinspaziert – Denkmale entdecken
Lokales Lübeck Hereinspaziert – Denkmale entdecken
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12:12 30.08.2018
Dr. Irmgard Hunecke (v.l.), Doris Mührenberg, Johannes Schindler, Dr. Ursula Holzinger und Senatorin Kathrin Weiher schauen sich die Wandmalerei an. Quelle: John Garve/Agentur 54°
Lübeck

Dr. Ursula Holzinger ist Besuch gewohnt, nehme sie doch häufiger mal „Bed & Breakfast“-Gäste auf, wie sie erzählt. Einmal im Jahr allerdings hat sie eine Besuchermenge zu bewältigen, die sich von der üblichen Frequenz sehr unterscheidet. „Zum Glück habe ich die Möglichkeit, auch die Tür zum Hof zu öffnen, so dass ich gleich an der Eingangstür bei der Begrüßung sagen kann ,Bitte einmal durchgehen’, denn ansonsten würde es in den zwei Stunden immer einen enormen Rückstau geben“, berichtet die rüstige Seniorin.

Auch am Sonntag der kommenden Woche wird sie wieder eine Menge zu tun haben, denn bereits „zum zehnten Mal“ – so ihre Erinnerung – gehört sie zu den Gastgebern des bundesweiten „Tages des offenen Denkmals“, der Jahr für Jahr von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgerufen wird. Das Thema ist diesmal „Entdecken, was uns verbindet“. So haben auch in Lübeck 36 historische Objekte geöffnet, in denen es Spannendes aufzuspüren gilt. „Und wie man tagtäglich in einem Denkmal lebt, kann man dann bei mir sehen“, erklärt die 86-Jährige aus der St-Annenstraße.

In der Wohnung von Ursula Holzinger, dem ehemaligen Beginenkonvent, im Aegidienhof sind Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert erhalten. Beim „Tag des offenen Denkmals“ können diese bestaunt werden.

Eigentlich wirkt das Wohn- und Esszimmer der promovierten Volkswirtin unauffällig, wenn es dort nicht diese historischen Wandmalereien geben würde. „Diese Bilder müssen ungefähr um 1350 als Auftragsarbeit reisender Künstler entstanden sein“, erklärt Dr. Irmgard Hunecke, Abteilungsleiterin der städtischen Denkmalpflege. Zu sehen sind an verschiedenen Stellen des Raumes insbesondere in Teilen erhaltene Heiligenfiguren – wie zum Beispiel Johannes der Täufer, St. Christophorus und St. Nikolaus.

„Ursprünglich – die eingezogenen Zwischenwände muss man sich wegdenken – war dies hier ein größerer Saal, der zum 1294 erbauten Beginenstift gehörte“, weiß die Expertin. Das Stift in der nördlichen Ecke des heutigen Aegidienhofes sei damals für Damen gedacht gewesen, „die unverheiratet blieben und eine Art freiwillige Gemeinschaft bildeten“. Im Jahr 1846 wurde der Konvent aber aufgehoben und Bestandteil der neuen Armen-Anstalt.

Und erst bei der gründlichen Sanierung der Gebäude vor zirka zwei Jahrzehnten sind die unter Putz versteckten Malereien wieder freigelegt und die sechs fragmentarisch erhaltenen Heiligenfiguren wiederentdeckt worden. Entsprechend habe sich fortan die Herausforderung gestellt, in den Räumlichkeiten sowohl alle Belange einer Wohnung unterzubringen als auch die historische Substanz zu erhalten, berichtet Hunecke. Durch Absprache zwischen Denkmalpflege, Architekt und Bewohnerin sei dies jedoch gut gelungen. So waren auch Kompromisse möglich, so dass an zwei Stellen die Kunstwerke mit einer so genannten Vorsatzschale mit Klapptüren versehen sind. „So konnte Frau Holzinger dort auch Regale aufstellen“, kommentiert die Denkmalpflegerin.

Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um zahlreiche Denkmäler zu sehen, die sich am Tag des Offenen Denkmals 2017 beteiligen! Die Galerie wird laufend erweitert.

„Das ist das Besondere an dem Tag des offenen Denkmals“, sagt Kultursenatorin Kathrin Weiher, „dass man in Lübeck wie selbstverständlich mit der Vergangenheit lebt und man dies nicht nur wie üblich in einem Museum zu sehen bekommt.“ 36 Denkmäler, also Privathäuser, Ganghäuser, Kaufmannshäuser, Villen, Kirchen, Kapellen und so weiter, könnten den Tag über besucht werden. Dabei sei die Resonanz Jahr für Jahr stets sehr groß. „Vor 25 Jahren zum Start des Aktionstages in Deutschland waren es in der Hansestadt lediglich drei teilnehmende Objekte; jetzt melden sich unmittelbar nach dem Sonntag immer wieder neue Bewerber für das folgende Jahr“, erzählt Projektkoordinatorin Doris Mührenberg.

Und Johannes Schindler vom Ortskuratorium Lübeck der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bemerkt voller Hochachtung: „Die größte Leistung erbringen für mich die Denkmalseigentümer; sie zeigen ein wahnsinniges Engagement und echte Leidensfähigkeit.“

Tag des offenen Denkmals

Ziel des Tagsdes offenen Denkmals am 9. September ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des Kulturerbes zu sensibilisieren und Interesse für die Denkmalpflege zu wecken.

Die Veranstaltungenwerden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie dem städtischen Bereich Archäologie und Denkmalpflege koordiniert. Es gibt Besichtigungen, Führungen, Spaziergänge und Vorträge.

Das komplette Programmgibt es auf www.tag-des-offenen-denkmals.de und nächste Woche in Ihren LN.

Michael Hollinde

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