Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck „Tante Ju“ besucht Lübeck
Lokales Lübeck „Tante Ju“ besucht Lübeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:04 19.04.2018
In einem der drei Sternmotoren musste in den vergangenen Tagen ein defekter Zylinder getauscht werden. Quelle: Holger Kröger
St. Jürgen

Wenn Guido Gottschalk in den dreimotorigen Wellblech-Liner steigt, strahlt der erfahrene Pilot. Normalerweise fliegt er einen Airbus 330 oder 340. Er fliegt auf den Langstrecken, nach Los Angeles, Hongkong oder auch Puerto Rico. Doch von April bis Oktober sitzt der Frankfurter jeweils zwei Tage pro Monat im Cockpit der „Tante Ju“. „Das ist schon etwas ganz Besonderes“, sagt der 52-Jährige, „es gibt keinen Autopilot, alles ist noch Handarbeit.“

Laut donnernd rollt die schwere Maschine über die Startbahn, dann hebt die „Tante Ju“vom Flughafen Blankensee ab, schwebt in die Luft und dreht ihre Runden über Lübeck. Zwei Piloten haben am Mittwoch ihre Lizenz verlängert. Zudem war es der erste Flug nach einer Reparatur.

Über 500 Flüge im Jahr

Die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung erwarb die „Tante Ju“ im Jahr 1984. An 21 Tagen im Monat startet die Maschine zu Rundflügen von verschiedenen Flughäfen Deutschlands. Pro Tag gibt es vier bis fünf Touren. 2015 musste die Saison wegen eines defekten Holms abgebrochen werden, die Maschine wurde saniert.

Der Flughafen ist am Mittwoch wie leergefegt, nur die Crew der „Tante Ju“ läuft in gelben Warnwesten und mit schwarzen Koffern übers Rollfeld. Einer von ihnen hüpft leichtfüßig über die Tragfläche ins Cockpit. Auf der anderen Seite sorgt eine kleine Leiter für einen bequemeren Einstieg. Im Inneren riecht es nach Leder. Auf dem letzten Sitz sind vier Sandsäcke mit einem Gurt fixiert. „Wenn wir ohne Passagiere fliegen, müssen wir den Schwerpunkt verlagern“, erklärt Gottschalk. Er ist extra aus Frankfurt gekommen, weil er seine Lizenz verlängern muss. So besagt es die Vorschrift. Ein Prüfer ist mit an Bord, zweieinhalb Stunden dauert der Flug unter strengster Beobachtung. „Start und Landung werden geübt. Dazu natürlich Situationen wie ein Triebswerksausfall oder ein Startabbruch. Für uns alles Routine“, erklärt Guido Gottschalk. In den vergangenen Jahren wurde in Paderborn trainiert. Doch dieses Mal wollten die Männer im Umkreis von Hamburg üben. „In Hamburg selbst ist einfach zu viel los. Hier dagegen ist es perfekt“, sagt der Pilot.

Doch trotz leerem Rollfeld und wolkenfreiem Himmel wird alles gut vorbereitet. Vor dem Flug gibt es ein Briefing in der Empfangshalle, im Cockpit werden Trockenübungen besprochen. Erst nach über einer Stunde Vorbereitung ist es soweit: Die Maschine mit ihrer imposanten Spannweite von 29 Metern rollt ans Ende der Startbahn und beschleunigt. Es donnert, dann hebt das Flugzeug ab und entschwindet über die Bäume in den wolkenlosen Himmel.

Dass die „Tante Ju“ problemlos fliegt, ist in ihrem Alter keine Selbstverständlichkeit. Gerade nach der Winterpause plagt die 82 Jahre alte Dame das ein oder andere Zipperlein. „Vor ein paar Tagen haben wir festgestellt, dass ein Zylinder in einem Motor kaputt war“, berichtet Flugbetriebsleiter Uwe Wendt. Das Problem: Auch für die Junkers 52 gelten die Sicherheitsstandards der Lufthansa. Bei der Reparatur ist also egal, ob Wellblech-Liner oder moderner Airbus. „Das Ersatzteil ist sehr speziell und musste erst bestellt werden“, erzählt Wendt, „für diese Tage stand die Maschine auf dem Lübecker Flughafen.“ Dass einer der drei Sternmotoren mal einen Defekt hat, ist für die Piloten nichts Ungewöhnliches. Nach der Winterlagerzeit wird jede Niete überprüft. Dass da mal etwas auftritt, ist normal“, sagt Wendt.

Mittlerweile ist alles repariert, der Probeflug ist gut verlaufen. Nach zweieinhalb Stunden kehrt die Ju 52 aufs Rollfeld zurück. Dann ist Guido Gottschalk dran – die Maschine muss noch einmal in die Lüfte. Die Lizenzverlängerung: Eine Formalie. Der Flug dagegen ist jedes Mal etwas Besonderes. Am Abend machten sich die Piloten, Flugingenieure und der Prüfer auf den Weg nach Hamburg.

 Maike Wegner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!