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Lübeck Tanzen und Feiern auf der neuen Priwallfähre
Lokales Lübeck Tanzen und Feiern auf der neuen Priwallfähre
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11:50 15.04.2019
Auf Schiffen feiern – das gab es in Lübeck vor vielen Jahren bei den Friendship-Partys. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Travemünde

Tagsüber würden Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger hin- und hergefahren. Abends und an den Wochenenden könnte dann die Post abgehen. Geburtstage, Hochzeiten, Betriebsfeste, Vereins- und Weihnachtsfeiern könnten auf der neuen Autofähre zum Priwall gefeiert werden. Thomas-Markus Leber, FDP-Fraktionsvize im Rathaus, schlägt vor, die geplante dritte Autofähre gleich als Multifunktionsschiff zu kaufen.

Eine Funktion wäre das charterbare Eventschiff. Leber: „Denkbar wären Modeschauen, Tanz in den Mai, Techno-Partys oder ein schwimmender Weihnachtsmarkt oder Begleitfahrten bei Regatten der Travemünder Woche oder bei spektakulären Kreuzfahrtschiffanläufen.“ Selbst das beliebte Travemünder Silvesterfeuerwerk könnten Bürger von der Autofähre aus erleben.

Die Autofähre „Pötenitz“ fuhr bei den Friendship-Partys ebenfalls mit. Quelle: Dirk Silz

Das Fahrzeugdeck würde zur schwimmenden Tanzfläche oder Bühne. Das Catering könnte durch „trendige Food-Trucks“ sichergestellt werden. Die Fähre dürfte nicht nur hin- und herpendeln, sondern müsste längs der Trave unterwegs sein. Der FDP-Politiker: „Travemünde würde um eine Attraktion reicher.“ Und Feiern, die sehr laut sind, könnten „in Minuten dorthin verlegt werden, wo sie weniger stören.“ Das würde bei der Travemünder Woche völlig neue Möglichkeiten eröffnen.

Thomas-Markus Leber (FDP): „Ich schaue gerne über den Tellerrand.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Noch in diesem Jahr will der Stadtverkehr den Auftrag für eine dritte Autofähre vergeben. Das bestätigt der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Pluschkell (SPD): „Anfang 2021 soll die Fähre im Einsatz sein.“ Das sei eine Millioneninvestition, erklärt FDP-Politiker Leber: „Wir könnten jetzt überlegen, ob man die Fähre nicht auch noch anders nutzen kann, wenn man so viel Geld in die Hand nimmt.“

Der FDP-Politiker, der „gerne über den Tellerrand hinausschaut“, hat ein Vorbild auf dem Rhein entdeckt. Seit 2018 schippert dort die Eventfähre „Mary Roos“, die sonst die Verbindung zwischen Bingen und Rüdesheim sicherstellt. Die „Mary Roos“ hat zugleich eine Zulassung als Fahrgastschiff, das den Rhein entlang fahren darf. Der Aufwand für zusätzliche Ausrüstung halte sich in Grenzen, hat Thomas-Markus Leber recherchiert: „Die ’Mary Roos’ bekam die Zulassung, nachdem die Zahl der Schwimmwesten erhört, ein Zusatzanker nachgewiesen und eine größere Toilettenanlage eingebaut wurde.“

Anfang 2021 soll eine dritte Autofähre zwischen Travemünde und dem Priwall in Betrieb gehen. Der Stadtverkehr rechnet mit starkem Zuwachs an Kunden, wenn die Ferienanlage Waterfront voll am Netz ist. Quelle: 54° / Felix König

Leber denkt aber nicht nur an Events. Eine Multifunktionsfähre könnte auch bei der Brandbekämpfung und Gefahrenabwehr im Hafen eingesetzt werden. Zusätzlich zu dem Feuerlöschboot „Hecht“, das die Stadt anschaffen will. Für die Brandbekämpfung müsste die Autofähre mit einer Spritze, Suchscheinwerfern und Zusatzkameras ausgerüstet werden. Leber: „Das ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Aber der Mehrwert überwiegt die Mehrkosten bei Weitem.“

2014 schipperte die Autofähre „Berlin“ von Travemünde in die Innenstadt zum Internationalen Hansetag. Quelle: Michael Hollinde

Schließlich könnte eine Multifunktionsfähre auch als Arbeits- , Transport- und Beobachtungsplattform vermietet werden. Leber: „Ersatzteile für Hafenbetriebe könnten angeliefert werden. Naturschützer könnten von der Wasserseite an geschützte Bereiche herangefahren werden.“

Stadtverkehr ist überrascht von dem Vorstoß

Der Stadtverkehr ist überrascht von dem Vorstoß. „Bisher kannten wir das Konzept nicht und haben auch keine Überlegungen in diese Richtung angestellt“, erklärt Dr. Carolin Höhnke, Leiterin Verkehrsplanung, „unser Auftrag ist die Beförderung von Personen und Kfz.“ Das bestätigt Aufsichtsratsvorsitzender Pluschkell: „Fähren für Belustigungsfahrten waren noch kein Thema für uns.“ Wichtigstes Ziel sei derzeit, „dass die Fähre 100-prozentig funktioniert.“ Mit der Personenfähre „Priwall VI“ hat der Stadtverkehr ja keine so guten Erfahrungen gemacht (LN berichteten).

Dabei hat es bereits einmal eine „Belustigungsfahrt“ mit einer Autofähre gegeben. 2014 war das, zum Internationalen Hansetag. Der Verein für Kunst und Kultur hatte eine Fahrt mit 150 Personen an Bord der „Berlin“ von Travemünde in die Altstadt organisiert. Und auch Ulrich Pluschkell erinnert sich, dass er schon einmal mit „100 Leuten und kühlen Getränken“ auf einer Autofähre unterwegs war. Das war zu seinen Juso-Zeiten.

Kai Dordowsky

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