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Lokales Lübeck Das Ende einer Tanzschul-Ära
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09:00 10.02.2019
Es ist eine der letzten Tanzstunden, die Wolfgang Wollgast (75), hier mit Kursteilnehmerin Stephanie Ullrich (47), gibt. Neelsen Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
St. Jürgen

Er ist mit einer Tanzschule aufgewachsen, er hat mehrere Jahrzehnte lang in den Tanzsälen an der Hüxtertorallee gestanden und unzähligen Menschen die Freude am Tanzen vermittelt. Jetzt, mit 75 Jahren, gibt Wolfgang Wollgast seine Lübecker Tanzschule in jüngere Hände. Frank Köbnick (41), einst Mitarbeiter bei Wollgast, übernimmt die Lübecker Tanzschule, die künftig Tanzschule Frank! heißt.

Viele schöne Erinnerungen

„Die Knochen und Gelenke machen das nicht mehr so gut mit“, sagt Wolfgang Wollgast. Seine Frau Doris hat sich, obgleich jünger als er, schon vor einiger Zeit aus dem Unterricht zurückgezogen. „Es fällt mir schwer, das aufzugeben“, gibt Wollgast zu. Er blicke „dankbar zurück auf ein tolles Team, viele Projekte, wunderbare Menschen, Spaß und Erfolge.“

Die Geschichte von Lübecks Traditions-Tanzschule in Bildern

Gern erinnert er sich an den ersten Besuch des Wiener Opernballs 1989, „das war schon etwas Besonderes.“ Stolz ist Wollgast auf das Paar aus seiner Tanzschule, das mit der deutschen Mannschaft 1978/79 Weltmeister im Rock’n’Roll wurde. Was er über alle die Jahrzehnte an seinem Beruf so geliebt hat, „ist, dass ich den Leuten Freude bereitet habe.“ Ganz wichtig war ihm stets, „dass der Tanzunterricht locker ist – nicht wie in einer Schule.“ Er erinnere sich noch an Zeiten, in denen der Tanzunterricht sehr konventionell und eher eine Benimm-Schule war. „Die Beatles“, ist der 75-Jährige überzeugt, „haben dafür gesorgt, dass es lockerer wurde.“

Andere Berufspläne

Eigentlich wollte der Tanzlehrer in dritter Generation beruflich etwas ganz anderes machen: „Ich war sehr an Technik interessiert.“ Doch 1972 habe er, „als meine Eltern zu einer Tanzlehrer-Tagung fuhren, während der Osterferien mit einigen Tanzpaaren üben müssen.“ Eine Pflicht, die er jedoch durch den Einsatz einer Filmkamera mit seinem Faible für Technik verband. Und dann ging es Schritt für Schritt: Wolfgang Wollgast übernahm erst das Training, machte seine Tanzlehrer-Ausbildung, heiratete und übernahm 1976 die Tanzschule. Es sei, sagt er, „eine Lebensaufgabe“ geworden.

Schwierige Nachfolger-Suche

Doch irgendwann hat alles einmal ein Ende. Da die vier Kinder des Tanzschul-Ehepaares nicht in die Fußstapfen ihrer Eltern, Großeltern und des Urgroßvaters treten wollten, machte er sich auf die Suche nach geeigneten Nachfolgern. „Ich bin wählerisch“, gibt der 75-Jährige zu, „viele waren mir zu lehrerhaft.“ Und dann nahm er Kontakt zu Frank Köbnick auf, der aktuell eine eigene Tanzschule in der Falkenstraße betreibt.

Wolfgang Wollgast (r.) ist froh, dass er seine Lübecker Tanzschule an den ehemaligen Mitarbeiter Frank Köbnick übergeben kann. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Tanzschulen seit 113 Jahren

1906 beginnt Hinrich Andreas Wollgast, im Hamburger Umland Tanzunterricht zu geben, einige Zeit später eröffnet er eine Tanzschule in Altona.

1936 übernehmen Hinrich Adolf und Ilse Wollgast die Tanzschule, in der Zeit des Nationalsozialismus und des Krieges geht es nur ums Überleben.

1951 ziehen sie mit ihrem achtjährigen Sohn Wolfgang nach Lübeck und eröffnen hier ihre Tanzschule.

1976 übernimmt Wolfgang Wollgast mit seiner Ehefrau Doris die Tanzschule.

1991 eröffnen sie eine Niederlassung in Wismar, 1992/93 folgt Bad Doberan. Beide Tanzschulen werden von den dortigen Mitarbeitern geführt und heißen weiterhin Wollgast.

Kein gerader, direkter Weg, wie beide erzählen. Köbnick, in Kiel-Gaarden aufgewachsen, hat auf der Straße Hip-Hop gelernt, später in Kiel eine Tanzlehrer-Ausbildung begonnen, die er bei Wollgast fortsetzte. „Herr Wollgast wollte mich nach zwei Wochen wieder rausschmeißen“, sagt Köbnick, „irgendwie waren wir anfangs nicht auf einer Wellenlänge.“ Durch Intervention von Doris Wollgast habe sich dann alles zurechtgeruckelt. Heute sagt der 41-Jährige, der mit der Tänzerin Janessa Jenkins verheiratet und inzwischen Vater geworden ist: „Was ich hier gelernt habe, hat mich zum Erwachsenen gemacht.“

Jüngere, aber erfahrene Hände

Nach vielen Überlegungen und Gesprächen stand irgendwann fest: Köbnick übernimmt zum 1. März die Tanzschule in der Hüxtertorallee. Auch für ihn mit Sicherheit eine große Umstellung, aber er weiß: „Es ist toll, im Unterricht zu stehen, denn in den Kursen hat man nie Leute, die keine Lust aufs Tanzen haben. Alle sind motiviert.“ Neue Kurse beginnen übrigens am 10. März. Und Wolfgang Wollgast weiß, dass er seine Tanzschule zwar in jüngere, aber gleichwohl erfahrene Hände gibt. „Ich würde mich freuen, wenn alle unsere Teilnehmer dem neuen Tanzschulinhaber das gleiche Vertrauen entgegen bringen, wie sie es mir gegenüber getan haben.“ Und selbstverständlich stehe er Köbnick jederzeit gern beratend zur Seite.

Sabine Risch

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