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Lübeck Experten sehen neue Form von Jugendgewalt
Lokales Lübeck Experten sehen neue Form von Jugendgewalt
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19:18 11.02.2019
Die Polizei überprüft Jugendliche am Bahnübergang an der Brandenbaumer Landstraße. Sie sollen an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein. Quelle: Holger Kröger
Lübeck/Kiel

Nach dem Prügel-Treff auf einem Spielplatz in Lübeck-Eichholz am Sonntag fahndet die Polizei noch nach einem besonders brutalen jugendlichen Täter. Er schoss einem 14-Jährigen mit einer Schreckschusswaffe aus nächster Nähe ins Gesicht. Der Jugendliche wurde mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.„Die Beteiligten flüchteten danach in verschiedene Richtungen“, sagt Ulli Gerlach von der Lübecker Polizeidirektion.

Neben der Brutalität ist für Jugend-Experten noch etwas anderes erschreckend: Die etwa 20 Jugendlichen hatten sich über die Social Media-Plattform Instagram zu der Schlägerei verabredet.

Gewalt wird qualitativ schlimmer

Nicht nur in Lübeck ist diese Facette neu, was das Thema Jugendgewalt angeht. „Ich höre so etwas zum ersten Mal“, sagt Bernd Schauer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Schleswig-Holstein. Aus seiner Sicht habe die Gewalt unter Heranwachsenden landesweit zwar nicht zugenommen, sie werde aber qualitativ immer schlimmer. „Wir beobachten, dass die Täter immer jünger werden.“ So seien zunehmend Grundschulen betroffen.

„Die Verabredung über soziale Medien wie Instagram oder Whatsapp ist unter Jugendlichen ja kein neues Phänomen“, meint Torge Stelck von der Landespolizei in Kiel. „Flashmobs und Facebook-Partys gibt es schon länger.“ Neu sei aber, dass es bei dem jüngsten Vorfall nicht um ein friedliches Happening, sondern eine gewaltsame Auseinandersetzung gegangen sei. Ob es so etwas neuerdings häufiger gebe, könne er nicht sagen, so Stelck. Dies sei mit Zahlen nicht belegbar, ist auch beim Landeskriminalamt zu hören.

Streetworker erschüttert

Bekannt sind Gewalt-Verabredungen per Smartphone eher aus der Fußball-Fan-Szene oder von Links- und Rechtsextremisten, die über Internet-Plattformen zu gemeinsamen Aktionen aufrufen. „Wir kennen so etwas aus dem Hooligan- oder Rocker-Milieu“, bestätigt Torsten Jäger, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP. Selbst taktische Verabredungen zu Prügeleien mit der Polizei gebe es. „Im privaten Bereich ist so etwas zumindest ungewöhnlich."

Einzelheiten zum Hintergrund des Lübecker Vorfalls sind noch nicht bekannt. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Zu den Motiven konnte die Polizei am Montag nichts Näheres bekanntgeben. Angeblich sollte auf dem Spielplatz einer Grundschule ein Streit um eine junge Frau geklärt werden. Im Verlauf der verbalen Auseinandersetzung fiel der Schuss.

Sascha Hensel, seit einigen Jahren Streetworker in Lübeck-Eichholz und Marli, ist geschockt. „In dem Ausmaß hatte ich das hier noch nie.“ Entsetzt ist er vor allem über die Art und Weise des Einsatzes der Schreckschuss-Waffe. „Auch das ist für mich in meiner Arbeit einmalig.“

Marcus Stöcklin

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