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Lübeck Technik, Taktik und viel Mut
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20:18 21.01.2017
Ein fester Tritt: Christiane Olschewski und ihr Mann Matthias üben unter den wachsamen Augen von Thomas Tetzlaff.
St. Lorenz Süd

Der kleine Raum im Trainingscenter der Kampfsportschule füllt sich schnell. „Und man kann schon hören, dass die Truppe aufgeregt ist“, sagt Janina Trepte (38) lächelnd, die gemeinsam mit den Team-Kollegen von Intense- Training auf der grauen Matte der Halle sitzt und zur Tür blickt. Die zwölf Männer und Frauen, die barfuß in die Trainingshalle kommen, gehören zur Gruppe „Selbstverteidigung 50+“. „Sie machen Krav Maga für Leute, die eben nicht mehr 20 Jahre alt sind oder ältere Verletzungen haben“, erklärt Trainer Thomas Tetzlaff (50). „Krav Maga ist ein israelisches Selbstverteidigungssystem, das ursprünglich aus dem Militär kommt“, erklärt Chef-Instructor André Dörnemann (38). Die Hemmschwelle für ältere Menschen sei wahnsinnig hoch, wenn es darum ginge, mit einem Sport anzufangen. Viele hätten Angst, nicht fit genug zu sein. So kamen die Krav-Maga-Instruktoren auf die Idee, ein Pilotprojekt zu entwickeln.

Seminar für Interessierte

Ein Anfängerseminar bieten die Krav-Maga-Trainer am Sonnabend, 4. Februar, an. Diejenigen, die sich nicht trauen, zur laufenden Gruppe hinzuzustoßen, können von 16 bis 19 Uhr herausfinden, was ihnen die Selbstverteidigung bringt. Im Internet kann man sich auf www.luebeck-selbstverteidigung-kampfsport-kravmaga.org/ anmelden.

Innerhalb weniger Minuten ist die Gruppe schon mitten im Training. Kondition, Schlagtechnik und Fitness stehen hier jeden Donnerstag auf dem Trainingsplan. „Es ist wirklich anstrengend“, sagt Christiane Olschewski, während sie dem Schlagpolster, das ihr Ehemann Matthias hinhält, einen kräftigen Tritt verpasst. „Das wäre ein Tritt in die Weichteile“, erklärt Instructor Tetzlaff, denn beim Krav Maga seien solche Techniken erlaubt. Es sei viel Psychologie dabei. „Man lernt, was in Stresssituationen beispielsweise während eines Überfalls im Gehirn passiert“, erklärt Dörnemann. Da es um eine effektive Selbstverteidigung gehe, würden Techniken gesucht, die im Ausnahmefall noch abrufbar seien. „Dann wird die schöne Kampfkunst eben auch mal weggelassen“, erzählt der 38-jährige Trainer.

Deshalb ginge der Unterricht schnell in Partnerarbeit über. „Ausgepowert zu sein, ist für den Körper so ähnlich, wie Angst zu haben“, sagt Tetzlaff. Während man ganz nebenbei fit werde, könne man so üben, wie man sich in extremen Situationen verteidige.

Für Gerhard Ohling (55) ist es das erste Mal, dass er bei dem Selbstverteidigungskurs dabei ist. „Die Bewegung macht Spaß, und es sind super nette Leute hier“, sagt er fröhlich, nur um sich gleich umzudrehen und mit Kurspartnerin Bettina Weise (55) eine weitere Verteidigungstechnik zu üben. Während der große Ohling die 55-jährige Weise an die Wand drückt, befreit sie sich erfolgreich. Bettina Weise ist zum dritten Mal dabei. „Es ist ein tolles Fitnessprogramm, und die Idioten dieser Welt werden immer gewaltbereiter; deshalb möchte ich mich verteidigen können“, erzählt sie. „Ab einem gewissen Alter geht Kampfsport auf die Gelenke, deshalb ist der Kurs super“, findet auch Kursteilnehmer Bernd Grandt.

Der Selbstverteidigungskurs gefällt auch den Trainern: „Als wir selbst anfingen, gab es keine große Auswahl; man konnte nur ins kalte Wasser springen und mit den Erfahrenen mitmachen“, erzählt Instructor Sven Calm (49). Mit dem neuen Modell findet nun einmal wöchentlich der Selbstverteidigungskurs „50+“ statt. Der Kurs sei so aufgebaut, dass niemand Vorkenntnisse brauche. Und natürlich müsse man nicht mindestens 50 Jahre alt sein, um mitzumachen. „Man sieht an der Körperhaltung der Teilnehmer, wie sie mutiger werden“, sagt Trepte stolz. „Das ist klasse.“

Tomma Petersen

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