Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Terror-Verdacht: Razzia im Islamischen Zentrum Lübeck
Lokales Lübeck Terror-Verdacht: Razzia im Islamischen Zentrum Lübeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:19 13.03.2017
 Gegen 7.30 Uhr fuhren etwa zehn Streifen- und Zivilwagen vor dem als extremistisch geltenden Zentrum vor.  Quelle: Holger Kröger
Anzeige
St. Lorenz Süd

Das Morgengebet der Gläubigen warteten die Polizisten noch ab. Um 7.40 Uhr schlugen sie zu. Anti-Terror-Einsatz gestern im Islamischen Zentrum in Lübeck: Ein junger Mann wird festgesetzt. Er soll Mitglied des IS sein, der Terrororganisation Islamischer Staat. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Verstoßes gegen Paragraf 129b gegen ihn. „Der Mann wird verdächtigt, 2015 in einem Propagandavideo des IS mitgewirkt zu haben“, sagt der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Stefan Biehl.

Zur Galerie
Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um weitere Eindrücke von dem Polizei-Einsatz zu sehen.

Das „Islamische Zentrum“ in der Dornestraße/Ecke Hansering im Stadtteil St. Lorenz Süd gilt schon seit Jahren als Versammlungsort für Salafisten, nicht nur aus Lübeck. Im Mai 2013 zum Beispiel bedrohten etwa 15 Salafisten der Szene Mitglieder des gemäßigten Al- Amanah-Vereins in ihrem Gebetszentrum in der Lederstraße. Auch der Verdächtige ging in den letzten Monaten in der als extremistisch geltenden Einrichtung ein und aus, heißt es. Er hatte sich nach LN-Informationen als Flüchtling ausgegeben. So war er nach Deutschland gekommen und zunächst in Hamburg registriert, dann aber nach Lübeck weitergeschickt worden. Seine Wohnung in Lübeck wurde ebenfalls durchsucht, dazu auch noch eine Wohnung in Hamburg, die er ebenso genutzt haben soll.

Im Islamischen Zentrum in Lübeck nahmen die Polizisten Unterlagen mit und beschlagnahmten zahlreiche Computer. Der Verdächtige werde von der Polizei vernommen, aber er sei nicht festgenommen worden, sagte Stefan Biehl gegenüber den LN. Wie lange er im Polizeigewahrsam bleiben wird, stehe noch nicht fest. Eine Verbindung zu dem verhinderten Anschlag auf ein Essener Einkaufszentrum am Sonnabend bestehte aber nicht, so Biehl.

Der CDU-Innenpolitiker Axel Bernstein ist dennoch in Sorge: „Die Durchsuchung zeigt einmal mehr, dass der Salafismus auch in Schleswig-Holstein eine zunehmende Bedrohung darstellt.“ Die rot-grüne Landesregierung habe dieses Problem „viel zu lange nicht wahrhaben wollen“. Die CDU verlange daher die Vorlage des neuesten Verfassungsschutzberichtes noch vor der Landtagswahl und nicht erst wie angekündigt im Juni.

„Der Einsatz in Lübeck zeigt, dass der Rechtsstaat funktioniert“, urteilt hingegen FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Die Sicherheitsbehörden hätten „offensichtlich alles richtig gemacht und das Notwendige getan, um in Deutschland die Ausbreitung des Terrorismus zu verhindern“. Es sei aber zugleich umso wichtiger, sie für diesen Kampf jetzt auch bestmöglich auszustatten. „Es ist wichtig und richtig, den Fahndungsdruck auf die salafistische Szene bezüglich möglicher Unterstützung des IS hoch zu halten“, sagt der SPD-Innenpolitiker Kai Dolgner. Religionsfreiheit dürfe nicht als Deckmantel zur Terrorwerbung missbraucht werden.

Im September 2016 war es in Reinfeld, Ahrensburg und Großhansdorf (Kreis Stormarn) zu einem Polizeieinsatz gegen mutmaßliche IS-Terroristen gekommen; drei Verdächtige mit syrischen Pässen wurden festgenommen.

Von Wolfram Hammer und Luisa Jacobsen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige