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Lübeck Teure Erbpacht: Betroffene Anwohner sind verunsichert
Lokales Lübeck Teure Erbpacht: Betroffene Anwohner sind verunsichert
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20:30 10.06.2016
Bringt Licht ins Dunkel: Claus Strätz vom Fachbereich Liegenschaften beantwortet die Fragen der Anwohner beim Info-Abend. Quelle: Riedel

Henrik Paape schaut in ratlose Gesichter. „Ich kann die Verunsicherung verstehen.“ Vor drei Jahren zog er mit seiner Frau in die Gärtnergassen-Siedlung. Er kennt die Problematik, mit der sich nun auch viele der übrigen Anwohner des Quartiers herumschlagen: die auslaufenden Erbbaurechte in den kommenden Jahren. Bei einer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend im Gemeinschaftshaus der Siedlung erzählte Paape seine Geschichte. Licht ins Dunkel brachten auch Claus Strätz vom Fachbereich Liegenschaften sowie Sascha Sebastian Färber, Anwalt und Geschäftsführer von Haus und Grund.

In keiner anderen deutschen Stadt gibt es derzeit so viele Erbpachtverträge: 8700 Lübecker haben Verträge für eine Bauerlaubnis mit der Stadt abgeschlossen und zahlen dafür Erbpacht. Etwa 950 dieser Verträge laufen innerhalb der kommenden 30 Jahre ab. Das bietet der Stadt neuen Verhandlungsspielraum. Sie will die Verträge neu verhandeln und die Konditionen aktualisieren. Und das bedeutet: Es wird teurer (die LN berichteten).

Die Anwohner in dem Areal um die Weberkoppel, die Gärtnergasse und den Fahlenkampsweg sind ratlos. 107 Erbpachtverträge sind hier vom baldigen Ablauf betroffen. Welche Optionen haben sie? Wann ist der beste Zeitpunkt, mit der Stadt zu verhandeln? Und was soll das alles kosten? Anwalt Sascha Sebastian Färber gibt Tipps. „Es ist immer klug zu prüfen, welchen Wert das Gebäude hat und was genau im Vertrag steht, bevor überhaupt Gespräche mit der Stadt stattfinden.“ Dabei müsse jeder Vertrag einzeln geprüft werden, weiß er. „Das Gesetz ist nicht sehr detailliert, wichtig ist, was in den individuellen Verträgen steht.“

Fakt ist: Für die Betroffenen gibt es drei Möglichkeiten: Kaufen, Vertrag um 30 bis 99 Jahre verlängern und eine Erhöhung des Erbpachtzinses auf vier Prozent vom Bodenwert zahlen oder den Vertrag erlöschen lassen. Letzteres würde bedeuten, dass das Bauwerk auf dem Grundstück Eigentum der Stadt wird. So erklärt es Strätz. Er bezieht sich auf die Beschlüsse der Bürgerschaft von April dieses Jahres. Das Angebot sei ein Zugeständnis der Stadt, sagt er. „Eine Wahlmöglichkeit ist nicht selbstverständlich, weil es sich hier um nachhaltige Einnahmequellen handelt.“

Henrik Paape ist mit diesen Themen durch. Er kaufte sowohl das Erbbaurecht als auch das Grundstück von der Stadt. Er rät: „Es ist sinnvoll, frühzeitig zu verhandeln. Für mich war von Anfang an klar, dass es teuer wird, in unserem Fall war kaufen oder verlängern eine ähnliche Größenordnung.“ Unklar bleibt aber weiterhin, wie die übrigen Anwohner entscheiden. „Vielleicht müssen dann viele alte Leute, die schon zig Jahre hier leben, auf ihre alten Tage noch ausziehen, weil sie sich den teuren Erbpachtzins nicht leisten können“, bemerkt eine Anwohnerin nachdenklich.

Elisabeth Riedel

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