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Lübeck Teure Versicherung: Marien-Krankenhaus in Not
Lokales Lübeck Teure Versicherung: Marien-Krankenhaus in Not
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21:41 01.11.2017
Geburtshilfe droht für die Belegärzte im Marien-Krankenhaus zum Verlustgeschäft zu werden.  Quelle: Archiv
Innenstadt

Was zunächst nur die freiberuflichen Hebammen anging, trifft jetzt auch die niedergelassenen Ärzte, die als Belegärzte in Krankenhäusern Geburtshilfe leisten. Grund sind steigende Schadenersatzsummen. Wenn die Ärzte einen Fehler machen, müssen sie im schlimmsten Fall mit Millionenbeträgen dafür gerade stehen. Die wenigen Unternehmen, mit denen sie noch Haftpflichtversicherungen abschließen können, lassen sich das teuer bezahlen.

 

Volker Krüger, Geschäftsführer des Marien-Krankenhauses. Quelle: Foto: Hanno Kabel

Traditionsreich

Das Marien-Krankenhaus, gegründet 1888, bildet mit zwei Hamburger Kliniken die Ansgar-Gruppe, einen Verbund katholischer Krankenhäuser. 2016 kamen hier 1605 Kinder zur Welt.

Volker Krüger, Geschäftsführer des Krankenhauses, rechnet vor: Die Haftpflichtversicherung kostet für einen niedergelassenen Frauenarzt zwischen 3000 und 6000 Euro. Wenn er außerdem im OP arbeitet, steigt die Prämie auf 10000 Euro. Wenn er als Geburtshelfer tätig ist, kommt er nach bisherigem Stand auf 20000 Euro. Dieser Gesamtbetrag erhöht sich nach den neuen Bedingungen der Ärzteversicherer 2018 auf 46500 Euro. Das heißt: Mehr als 35000 Euro muss ein Arzt im Jahr mit Geburten erwirtschaften, um nur die dafür fällige Haftpflichtprämie zu bezahlen. „In der Uniklinik muss kein einziger Arzt sich in dieser Weise selbst versichern“, sagt Reinhard Lettau, Geburtshelfer und Belegarzt im Marien-Krankenhaus.

Mit den Belegärzten, davon neun Geburtshelferinnen und -helfer, steht und fällt das Marien-Krankenhaus an der Parade, denn es hat keine angestellten Ärzte. Es hat aber die höchste Zahl von jährlichen Geburten in der Region Lübeck und die drittgrößte in ganz Schleswig-Holstein. 2016 hat es seine Wochenstation umgebaut und erweitert. Nach eigenen Angaben ist es die größte belegärztliche Geburtsklinik in Deutschland.

Für eine Geburt, erklärt Geschäftsführer Krüger, bekommt ein Arzt von den Krankenkassen 213 Euro. Mit der Vor- und Nachsorge im Krankenhaus kommen im Schnitt – je nachdem, was dazugezählt wird – zwischen 400 und 500 Euro zusammen. Das heißt: Das Honorar für ungefähr die ersten 80 Geburten geht komplett für die Haftpflicht drauf. Die meisten der neun Belegärzte begleiten nach Reinhard Lettaus Angaben zwischen 100 und 150 Geburten pro Jahr. „Die könnten das ohne anderweitige Lösungen nicht weiter betreiben.“

Wie könnte eine solche Lösung aussehen? Einem Belegkrankenhaus ist es gesetzlich verboten, den niedergelassenen Ärzten die Prämien einfach zu erstatten. Volker Krüger fordert eine Anpassung der Gebührenordnung durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung. „So dass der Arzt die Kosten decken kann, die ihm entstehen.“ Sollte das nicht gelingen, wäre das wohl das Ende des Belegarzt-Modells für die Geburtsklinik. Dann wären die Belegärzte, solange sie als Geburtshelfer tätig sind, Angestellte des Krankenhauses, mit fester Bezahlung und Schichtplan. Das würde aber heißen, dass die werdenden Mütter bei der Geburt nicht mehr von ihrer niedergelassenen Frauenärztin begleitet werden.

Krüger hat sich auf diese Möglichkeit vorbereitet: „Ich habe mir dafür schon ein Angebot von der Versicherung machen lassen.“ Die Kosten für die gesamte Haftpflicht lägen dann bei weniger als der Hälfte dessen, was die Belegärzte jetzt zusammen zahlen.

 Hanno Kabel

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