Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Teures Nachspiel der Rocker-Razzia?
Lokales Lübeck Teures Nachspiel der Rocker-Razzia?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 29.10.2012
Schleswig-Holstein

Wird die größte Polizeiaktion gegen die Rockerkriminalität im Norden zum größten und noch dazu teuersten Polizeidesaster in Schleswig-Holstein? Immer neue Details aus der Vergangenheit des Hauptbelastungszeugen Steffen R., die erhebliche Zweifel an dessen Glaubwürdigkeit aufkommen lassen, setzen die Kieler Ermittlungsbehörden zunehmend unter Druck. Doch die schweigen bislang beharrlich.

Zur Vorgeschichte: 1200 Polizeibeamte und Spezialkräfte der GSG 9 hatten am 24. Mai dieses Jahres Wohnungen, Bordelle und Gaststätten in Kiel, die Mitgliedern der Rockergruppe Hells Angels zugerechnet wurden, durchsucht. Zugleich wurde auch das Anwesen von Rocker-Boss Frank Hanebuth in Hannover von GSG-9-Kräften gestürmt. Hanebuth soll den Befehl für den Mord an dem seit 2010 vermissten Deutsch-Türken Tekin B. aus Kiel gegeben haben. Die wochenlange Suche nach der Leiche im Fundament einer Lagerhalle in Altenholz bei Kiel blieb aber erfolglos. Der Vorwurf gegen Hanebuth und andere Hells Angels basierte jedoch zum größten Teil auf den Aussagen von Steffen R., früher Boss der den Hells Angels nahestehenen „Legion 81“.

Wie vor kurzem bekannt wurde, hatte die Staatsanwaltschaft Naumburg (Sachsen-Anhalt) lange vor den Kieler Razzien sämtliche Landeskriminalämter in Deutschland vor Steffen R. gewarnt. Er arbeite mit Behörden zusammen und bausche reale Vorgänge oder Halbwahrheiten auf, um „Vorteile wie einen Strafrabatt“ zu bekommen, heißt es in einem Aktenvermerk. Auch das Bundeskriminalamt kam zu dem Schluss, dass Aussagen von Steffen R. über einen angeblichen Waffenkauf der rechtsextremen Terrorzelle NSU in Kiel „bewusst wahrheitswidrig“ und „zum Teil frei erfunden“ gewesen seien.

Darauf angesprochen, reagiert Birgit Heß, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Kiel, einsilbig. „Zur Glaubwürdigkeit von Zeugen geben wir keine Kommentare ab“. Deutlicher wird dagegen Rudolf Triller, genannt „Django“, Sprecher der Hells Angels in Deutschland: „Entweder die Ermittlungsbehörden haben von den Vorwürfen gegen Steffen R. nichts gewusst – dann ist es ein Skandal. Oder sie haben die Vorwürfe ignoriert – dann ist es auch ein Skandal.“ Es sei aber jetzt nicht an den Hells Angels, Konsequenzen zu ziehen. „Das müssen die Behörden tun.“

Die Seite der Verteidigung gibt sich indes ratlos. „Wir können nur abwarten. Die Staatsanwaltschaft reagiert ja nicht auf uns“, sagt Rechtsanwalt Alexander Hoffmann, der den des Mordes an Tekin B. verdächtigen Hells Angel vertritt. Bisher hätte die Staatsanwaltschaft noch nicht einmal die Vorwürfe bezüglich der Glaubwürdigkeit von Steffen R. zu den Akten gegeben. Deshalb überlegt Hoffmann wegen des Verdachts der „Verfolgung Unschuldiger“ gegen die Behörden vorzugehen. „Für meinen Mandaten ist es absolut belastend, wenn so ein Mordvorwurf im Raum steht“, sagt Hoffmann.

Ungeklärt ist bislang auch noch der Schadenersatzanspruch für die wegen der Leichensuche völlig demontierte Lagerhalle in Altenholz, die der Ehefrau eines Rockers gehören soll. Inzwischen habe die Besitzerin damit begonnen, die Halle wieder aufzubauen, erfuhren die LN. Im Raum steht offenbar eine Forderung von mehreren Hunderttausend Euro. Hells-Angels-Sprecher Triller glaubt allerdings nicht daran, dass das Land Schleswig- Holstein den Schaden ersetzen wird. „Derzeit laufen Ermittlungen, um zu beweisen, dass die Halle zum Vereinsvermögen der Hells Angels Kiel gehört hat“, sagte er den LN. Da dieser Charter vom Innenministerium verboten worden sei, würde dadurch der Anspruch auf Schadenersatz verfallen.

Staatsanwaltschaft Birgit Heß dazu: „Das kommentieren wir nicht.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die SPD-Kandidatin vorn, aber zum Sieg gleich im ersten Anlauf reichte es bei der Oberbürgermeisterwahl in Kiel am Sonntag nicht.

25.11.2013

Strukdorf - Bei einem Verkehrsunfall auf spiegelglatter Straße sind am Sonntag bei Strukdorf (Kreis Bad Segeberg) vier Menschen verletzt worden, einer davon schwer.

25.11.2013

Lübeck - 16 Glatteisunfälle zwischen Fehmarn und der Elbe registrierte die Regionalleitstelle Süd in Lübeck in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag und in den Morgenstunden des Sonntags.

25.11.2013