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Lübeck Therapie mit Pferd: „Lasse“ hilft kranken Kindern
Lokales Lübeck Therapie mit Pferd: „Lasse“ hilft kranken Kindern
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16:38 30.09.2016
Therapeutin Astri Fromm erklärt Antonia und Mareike (Namen von der Redaktion geändert) die Körpersprache von „Lasse“. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

„Lasse“ ist entspannt. Was nicht wundert – schließlich ist das Striegeln gleichzeitig eine Massage für das Pferd. Dass dieses Wohlgefühl auch rückkoppeln kann auf diejenigen, die das Fell putzen, ist an den gut gelaunten Gesichtern von Antonia und Mareike (Namen von der Redaktion geändert) abzulesen. Die beiden Mädchen sind per Taxi vom Universitäts-Campus zum Wakenitzhof gekommen, um sich von dem Vierbeiner „kurieren“ zu lassen.

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Kinderpsychosomatik kooperiert mit Wakenitzhof – Auf Spenden angewiesen, weil Kassen nicht zahlen.

„Die tiergestützte Therapie ist ein wichtiges Behandlungs-Element für unsere jungen Patienten, auch wenn zu ihrer Wirksamkeit leider noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien vorliegen“, stellt Oberarzt Dr. Torsten Lucas fest. Früher konnten die Jugendlichen der Station 9 p aus der Kinderpsychosomatik die Nähe von Pferd „Kleiner Onkel“ suchen. Er war als Fell-Therapeut dem „Haus für Spiel- und Beschäftigungstherapie“ (HSB) der Kinderklinik zugeordnet.

„Doch der Onkel war aufgrund seines Alters zuletzt nur noch bedingt einsatzfähig und ist inzwischen auch verstorben“, sagt Astrid Fromm. Deshalb kam die Mitarbeiterin der Uniklinik mit Zusatzqualifikationen in Hippotherapie, Feldenkrais und Reiten auf die Idee, nach einer Kooperationseinrichtung mit Pferde-Schwerpunkt zu suchen. „Und glücklicherweise habe ich den Wakenitzhof ganz in unserer Nähe gefunden“, so Fromm.

Bei der dortigen Reitgruppe der Jugendhilfeeinrichtung der Vorwerker Diakonie sind die Vierbeiner „Amun“ und „Lasse“ zu Hause. „Seit über 20 Jahren gehören Pferde schon zu unserem Angebot“, erläutert Vorwerk-Referent Lutz Regenberg, „und wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit dem UKSH.“ Schließlich sei es immer ein Gewinn, Kindern helfen zu können, und ein Mehr an Beschäftigung sei auch im Sinne des Wohlergehens der Tiere.

Inzwischen sind Antonia und Mareike zusammen mit Lasse und in Begleitung der Hippotherapeutin auf dem Reitplatz. „Es geht um Wahrnehmungsarbeit am und auf dem Pferd; da ist das Reiten an sich erstmal Nebensache“, betont Astri Fromm, die in engem Kontakt mit dem Stationspsychologen der 9p steht.

Sie sei häufig sehr überrascht, wie anders sie ein Kind im Umgang mit dem Pferd erlebe. „Durch die Schilderungen des zuständigen Psychologen kann ich ja auch das Krankheitsbild, geprägt zum Beispiel durch Depressionen und psychische Auffälligkeiten, einschätzen. Und oft zeigt sich mir dann ein völlig anderer Mensch in der Gegenwart des Tieres“, berichtet sie. Das zu sehen, sei sehr bewegend.

Der Leiter des Bereichs Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie, Torsten Lucas, stellt klar, dass „dieses Angebot für unsere belasteten jungen Patienten einen hohen emotionalen Stellenwert hat“. Deshalb sei es sehr schade, dass jeweils nur zwei der 14 Patienten auf der Station in den Genuss der wöchentlichen „,Lasse‘-Stunde“ kommen können. „So etwas lässt sich nur über Spenden finanzieren, da die Krankenkassen leider die Kosten nicht übernehmen“, so der Hinweis des Mediziners.

Info zum Förderverein: www.kinderpsychosomatik-luebeck.de

Michael Hollinde

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