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Lübeck Therapiehund „Snorre“ hilft den kranken Kinderseelen
Lokales Lübeck Therapiehund „Snorre“ hilft den kranken Kinderseelen
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20:24 09.11.2013
Therapiehund „Snorre“ spielt mit jungen Patienten an der Lübecker Uniklinik. Der äußerst kontaktfreudige Cocker Spaniel ist immer zu einer Streicheleinheitt aufgelegt. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Wenn morgens der Wecker klingelte, grummelte es schon in Marias Bauch. Und je näher der Zeiger Richtung 8 Uhr rückte, desto schlimmer wurde es. Zu den Bauchschmerzen gesellten sich dann auch noch die hämmernden Kopfschmerzen. „Der Körper der Elfjährigen rebellierte zunehmend gegen den morgendlichen Schulbesuch, ohne dass der Kinderarzt überhaupt eine Spur einer organischen Ursache finden konnte“, erklärt Uni-Oberarzt Dr. Torsten Lucas. Nun ist das Mädchen in der Obhut seines Teams; zu diesem Team in der Klinik für Kinderpsychosomatik gehört auch „Snorre“, ein schwarzer, lockiger, äußerst kontaktfreudiger Cocker Spaniel.

Er „behandelt“ in einem Zimmer im Erdgeschoss des Hauses 9 auf dem Uni-Campus, das so ganz anders aussieht als die herkömmlichen Behandlungszimmer. Diverse Spieltiere — darunter ein Gummischwein, das auf Zubiss schräg quiekt — liegen hier herum. Ein Stoffhaus namens Villa Kunterbunt steht in der Ecke. Und ein Spieltunnel lädt zum Versteckspiel ein. Selbstverständlich gibt es aber auch einen Schreibtisch, an dem seine Chefin und Eigentümerin Franca Bösel sitzt, wenn wieder ein junger Patient zur Therapiesitzung kommt. Die Diplom-Psychologin hat dieses Hunde-Projekt auch initiiert.

„,Snorre‘, gib‘ Pfote!“, ruft die junge Patientin Maria entschlossen. Eine Ansage, die der knapp einjährige Hund auch prompt befolgt. Weitere Aufforderungen folgen. Dass dazu noch ordentlich geknuddelt, gestreichelt und gespielt wird, versteht sich von selbst. 25 Minuten dauert im Schnitt das Zusammentreffen von Tier und Mensch. „Danach sind beide erstmal erledigt“, weiß die Psychologin.

Fünf Mal insgesamt haben sich die beiden während des Klinikaufenthaltes der Heranwachsenden miteinander auseinandergesetzt. „Es war toll, als ,Snorre‘ dann beim dritten Mal auf mich gehört hat“, resümiert die junge Patientin aus Lübeck.

Dass ein Vierbeiner eine heilsame Wirkung auf sein Gegenüber haben kann, ist nichts Neues. „Die tiergestützte Therapie, kurz TGT, gibt es wirklich schon seit Langem. Allerdings hat die konkrete Erforschung der TGT erst begonnen“, sagt Franca Bösel. Bei Maria zum Beispiel sei evident gewesen, dass sie sich durch den spontanen Zuspruch von „Snorre“ sofort angenommen fühlte, frei von Zweifeln und Ängsten, analysiert Franca Bösel, die seit mehr als zehn Jahren in Berlin und Lübeck Kinder psychotherapeutisch behandelt.

Und während in den USA schon jeder zweite Psychologe mit TGT arbeiten würde, sei hierzulande der Einsatz eines Tieres doch eher recht selten. „Ich habe mich erstmals 2007 damit beschäftigt“, sagt sie, und sie freue sich, dass ihr Konzept dazu schließlich in der Uniklinik akzeptiert worden sei. Eines ist ihr aber dabei sehr wichtig: „TGT kann die anderen Therapieformen — wie zum Beispiel Gesprächs- oder Verhaltenstherapie — nicht ersetzen, nur ergänzen. Sie muss eingebunden sein in den Gesamt-Therapieplan“, betont sie ausdrücklich.

„Wir wollen dabei helfen, dass emotional belastete Kinder und Jugendliche schwere Krisen überwinden können“, sagt Oberarzt Lucas. Dabei könnten nicht nur die therapeutischen Standards Wirkung zeigen, die die Krankenkassen bezahlten, sondern ebenfalls die TGT wie auch Musik- und Theaterprojekte. Und um diese Leistungen bezahlen zu können, hat sich extra vor einem Jahr die „Insel“ gegründet — der „Verein für Kinderseelennot Lübeck“. Er macht es möglich, dass Kreativprojekte stattfinden und unterstützt, dass „Snorre“ an der Uni zum Einsatz kommt.

Bundespolizeiorchester spielt für guten Zweck
Das 3. Benefiz-Gala-Konzert der Bundespolizeiakademie findet am nächsten Donnerstag, 14. November, um 19.30 Uhr in der Musik- und Kongresshalle (MuK) statt. Spielen wird das Bundespolizeiorchester Hannover unter der Leitung von Gerard Oskamp, Musikdirektor und Chefdirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie in Schönebeck. Der Erlös geht an die „Insel“, dem Verein für „Kinderseelennot“ Lübeck. Neben dem Bundespolizeiorchester stehen weitere namhafte Künstler wie Sängerin Francisca Urio und Tenor Silvio D‘Anza auf der Bühne. Karten ab 13 Euro gibt es an allen Vorverkaufsstellen in Lübeck, im Internet sowie dann ab 16 Euro an der Abendkasse. Weitere Informationen zum Förderverein der Kinderpsychosomatik gibt es unter www.kinderpsychosomatik-luebeck.de im Internet.

Michael Hollinde

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