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Lübeck Thierse: So sah der DDR-Bürger Willy Brandt
Lokales Lübeck Thierse: So sah der DDR-Bürger Willy Brandt
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10:02 18.10.2012
Wolfgang Thierse spricht in Lübeck über Willy Brandt.
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Lübeck

Es ist der Blick von der anderen Seite der Mauer: Wolfgang Thierse, in der DDR aufgewachsen und Bundestagsvizepräsident, erzählt von der ostdeutschen Sicht auf Willy Brandt. Es ist der Blick des „kleinen popeligen DDR- Bürgers“, der er einmal war, wie er in der Reformierten Kirche zugibt. In die Königstraße sind 300 Gäste gekommen – auf Einladung des Willy-Brandt-Hauses. Wenn der 70-jährige Thierse erzählt, dann lebt sie wieder auf – die Zeit von DDR und BRD. „Ich hätte mitheulen können“, beschreibt er sein Erweckungserlebnis – als sich Verwandte aus West- und Ostberlin 1964 nach Jahren wiedersehen durften. Thierse stand unweit des Bahnhofs Friedrichstraße auf der Ostseite, sah wie die Westberliner kontrolliert wurden und als sie passierten, fielen sie und ihre ostdeutschen Verwandten sich in die Arme. „Da bin ich innerlich Sozialdemokrat geworden“, sagt Thierse. Er habe verstanden, dass da einer war, der Politik für die Menschen machte. Dieser jemand war Willy Brandt, der als Regierender Bürgermeister Westberlins das zweite Passierscheinabkommen verhandelt hatte. „Das war anständige Politik“, so Thierse. Sie hatte nichts gemein mit den wohlfeilen Reden Konrad Adenauers. Aus Sicht Thierses wurde Brandt zu „einer Figur, die den Ostdeutschen Hoffung gab“. Zuvor hatten sie sich allein gelassen gefühlt. „Uns hilft niemand“, benennt Thierse die Ohnmacht, die sich nach der Niederschlagung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 und dem Mauerbau 1961 der Bürger bemächtigte. Bemerkenswert: Während die Westdeutschen immer Brandts Satz „mehr Demokratie wagen“ aus seiner Regierungserklärung von 1969 zitieren, waren für Thierse ganz andere Worte wichtig: „Wir wollen ein Volk guter Nachbarn werden – im Innern und nach außen.“ Für Thierse war es die Anerkennung, dass die Deutschen ein Volk sind, das in zwei Staaten lebt. Thierse: „Wenn man Realitäten ändern will, muss man sie anerkennen.“ Später – nach dem Mauerfall – stieg Thierse in die Politik ein, wurde Chef der SDP, der neuen ostdeutschen sozialdemokratischen Partei, und begegnete Brandt. Was den Altkanzler ausmachte, sei die „starke Emotion gewesen, die ihn getragen hat“ – und dass er noch erlebte, wie seine politische Hoffung Wirklichkeit wurde.

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