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Lübeck Thomas Manns Fernglas ist wieder da
Lokales Lübeck Thomas Manns Fernglas ist wieder da
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21:36 14.12.2017
Neuer Standort im Foyer: Uwe Hildebrandt (v. l.) und Marion Lemke-Stark vom Verein Kunst und Kultur mit Thomas Liedl. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat
Travemünde

Die älteren Travemünder werden sich vielleicht noch erinnern: Das massive Seefernglas des Herstellers Keuffel & Esser war gegen ein Entgelt von 20 Pfennig zu benutzen. Ein echter „Seebär“, ein älterer Herr mit weißer Schirmmütze, wachte über das optische Gerät, kassierte das Geld und rückte für Kinder ein Höckerchen ans Fernglas. Jener Fernglas-Wächter ist auf einem Foto gemeinsam mit Thomas Mann zu sehen. Auf dem Titelblatt des Buches „Eine Liebe fürs Leben: Thomas Mann und Travemünde“ ist der Literaturnobelpreisträger allein mit dem Seefernglas und schaut gen Priwall. Ein Fotomotiv aus dem Juni 1953, das an vielen Stellen in Travemünde zu sehen ist.

Jetzt steht das kulturhistorische Kleinod im Foyer des Maritim Strandhotels direkt am Fenster. Der Blick hat sich unlängst dramatisch verändert: Statt freier Sicht auf den Priwall ragt das A-ja Resort in die Höhe, lediglich ein kleiner Durchblick Richtung Priwall bietet sich zwischen den zwei Gebäudeteilen. Wann genau das Fernglas von der Promenade verschwunden ist, weiß keiner so genau.

Ein Ehepaar aus dem westfälischen Warendorf hatte es nach einem Abbruch aus einem Travemünder Haus erworben, Jahre später beim Aufräumen wiederentdeckt und zunächst dem Seebadmuseum als Dauerleihgabe angeboten. Doch dort fand sich wohl kein Plätzchen, ein Aufstellen am alten Standort verbot sich aus Gründen der Sicherheit. Der Verein Kunst und Kultur Travemünde mit seinem Vorsitzenden Uwe Hildebrandt war jedoch sehr interessiert. „Wir führten mehrere Gespräche, und mit einem Mal war etwas fertig – wir sagen Danke für die tolle Zusammenarbeit“, so Hildebrandt. Denn Horst Eichner vom Beirat hatte die Idee, es im Maritim Hotel aufzustellen, Hoteldirektor Thomas Liedl stimmte gleich zu. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, dieser historischen Preziose einen würdigen und für alle Besucher offenen Platz zu geben“, sagt Liedl. Zunächst hatte man das Seefernglas in der 14. Hoteletage platziert, doch auch der Ort eignete sich nicht besonders gut. Jetzt steht es, auf einem Stativ befestigt, an der Fensterfront zum Priwall. Jeder Hotelgast kann es kostenlos benutzen und einen kleinen Blick auf den Priwall wagen oder nach links Richtung mecklenburgische Küste schauen.

Für den Verein Kunst und Kultur betonte Hildebrandt die gute Zusammenarbeit mit dem Maritim Hotel und dem Arosa Resort. „Wir werden von beiden unterstützt und wollen weitermachen, nicht nur mit der Wind Art und ihren kinetischen Objekten, sondern auch mit anderen Aktionen“, kündigte er an. Auch Horst Eichner, der zugleich Mitglied im Heimatverein Travemünde ist, kündigt Neues für 2018 an: „Wir haben vor, den Buddenbrook-Pfad am Brodtener Ufer wiederherzustellen.“

Große Liebe Travemünde

Thomas Mann fährt am 10. Juni 1953 in Begleitung seiner Frau Katia in einer schwarzen Limousine durchs Burgtor hinaus nach Travemünde. Nach fast 25 Jahren sieht er erstmals wieder sein geliebtes Seebad und schaut durch besagtes Fernglas.

„Eine Liebe fürs Leben: Thomas Mann und Travemünde“ heißt das Buch von Volker Hage, das im Verlag S. Fischer erschienen ist.

 Sabine Risch

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