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Lübeck „Titanic“ in der Aula
Lokales Lübeck „Titanic“ in der Aula
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14:46 26.09.2018
„Titanic“ – Ein Musik(v)ermittlungsprojekt mit Schülern der Baltic-Schule. Quelle: 54°/John Garve
Buntekuh

Ganz in Schwarz gekleidet treten die Schülerinnen und Schüler aus dem zwölften Jahrgang auf die Bühne. Sie erzählen mit wechselnden Rollen, was sich abspielte von dem Augenblick an, als die „Titanic“ den Eisberg im Nordatlantik rammte. Darunter das Mädchen, das noch seinen Hund rettet; der junge Mann, der vom Rettungsboot zurück aufs Schiff klettert, um eine junge Frau zu retten; der Mann, der die Saz, die türkische Laute seines Vaters, im Wasser treiben sieht.

Andere Schüler untermalen, unterstützt von ihrem Musiklehrer Jonathan Leroux am Keyboard und der Musikstudentin Santa Bukovska am Saxofon, die Erzählung mit Musik von Schlaginstrumenten. Hinter ihnen erscheinen Bilder vom Untergang, von den Schülern selbst gezeichnet, auf einer Leinwand. Aus den Lautsprechern sind außerdem eigenartige Klänge zu hören, zum Beispiel ein Streicherensemble, das sich anhört, als spiele es unter Wasser.

Den Text hat Kathrin Bonke geschrieben, Konzertpädagogin an der Musikschule der Gemeinnützigen und Leiterin des Projekts. „Die Schüler haben gesagt: ‚Wenn wir es noch mal machen würden, möchten wir die Geschichte selber schreiben’“, erzählt sie. Aber dafür habe die Zeit leider nicht gereicht. In sieben Doppelstunden hat sie mit zwei Lehrern die Aufführung mit der Musik erarbeitet. Der Hauptzweck dieses vom Landesmusikrat geförderten Projekts ist es, die Schüler mit Neuer Musik in Berührung zu bringen, also klassischer Musik jüngeren Datums.

Die vom Band eingespielten Klänge stammen aus der Komposition „The Sinking of the Titanic“ von dem Engländer Gavin Bryars. Die Schüler haben es gemeinsam als Ganzes gehört, denn außer der Theateraufführung hatte das Projekt, das vom Landesmusikrat gefördert wird, noch einen zweiten Teil: einen Konzertbesuch in der Musikhochschule, wo das Landesjugendensemble für Neue Musik ein Konzert mit Werken aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab.

Als der Mann weinend zusammenbricht, der seinen Vater verloren hat, erklingen vom Bühnenrand wehmütige Töne von der Saz, gespielt von einem Schüler. „Ich habe die Schüler gefragt, welche Instrumente wir nehmen wollen. Da hat er sich gemeldet und gesagt, dass er seit seiner Kindheit Saz spielt“, erzählt Kathrin Bonke. Am Schluss, als die Überlebenden unter sich sind, sprechen sie eine Art Gebet für die Toten: „Möge jeder Einzelne von ihnen in Frieden ruhen.“ Und dann stellen sie sich nebeneinander auf und singen einen Trauerchor ohne Text, denn Musik kann manchmal noch sprechen, wenn die Worte schon versagen.

Hanno Kabel

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