Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Lübeck streitet über Kältebus
Lokales Lübeck Lübeck streitet über Kältebus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:54 30.11.2018
Über einen Kältebus, wie die Berliner Stadtmission ihn betreibt, diskutiert Lübeck. Quelle: dpa
Lübeck

Bei diesem Thema liegen die Nerven der Politiker blank: Der Tod des obdachlosen Polen Darius Anfang November am Zob löste jetzt in der Bürgerschaft eine heftige Debatte mit schweren Vorwürfen gegen die Linke aus. Bruno Hönel (Grüne) warf den Linken vor: „Sie instrumentalisieren den Tod eines Menschen." Ingo Schaffenberg (SPD) schlug in die gleiche Kerbe: „Tote werden für politische Zwecke benutzt.“ Empört forderte Antje Jansen (GAL) einen Abbruch der Debatte: „Das ist entwürdigend, wie hier über Menschen gesprochen wird.“

Linke will „Herzenswärmebus“

Die Linke hatte 10000 Euro beantragt, damit eine private Obdachloseninitiative einen Kältebus anschaffen kann. Weitere 6000 Euro soll die Stadt bereitstellen, um einen Kälteschutzraum in der Nähe des Zob einzurichten. „Wir müssen mehr für Obdachlose tun“, sagte Katjana Zunft (Linke), „durch einen Kältebus können wir weitere Tote verhindern.“ Das sei eine geringe Summe, mit der Leben gerettet werden könnten. Ein „Herzenswärmebus“ bleibe auch richtig, nachdem bekannt geworden ist, dass der Pole Darius nicht erfroren ist. Sebastian Kai Ising, Kreisvorsitzender der Linken: „Auf obdachlose Menschen warten neben Kälte zahlreiche weitere Gefahren – von Drogensucht über Gewalt bis zu Hygiene- und Gesundheitsproblemen.“

Politiker streiten über Kältebus

Auch die Liberalen setzen sich für einen Kältebus ein. „Dass der Obdachlose Darius keinen Kältetod starb, heißt nicht, dass es in Lübeck keines Kältebusses bedarf“, erklärt der FDP-Sozialpolitiker Timo Jeguschke. Genau dieses Notfallsystem würde in Lübeck fehlen, sagt Jeguschke: „Die Einrichtung eines Kältebusses ist alles andere als eine Mammut-Investition.“

„Aus fachlicher Sicht ist die Anschaffung eines Kältebusses nicht erforderlich“, sagt dagegen die Verwaltung von Sozialsenator Sven Schindler (SPD). Die Stadt verweist auf die mehr als 150 Notunterkunftsplätze. „Aus Sicht der Verwaltung wird alles ‎getan, um die Not zu lindern. Jeder, der es möchte, bekommt eine Übernachtungsmöglichkeit und ein warmes Essen. Dafür möchte ich mich bei der Vorwerker Diakonie und der Heilsarmee, aber auch beim Café W.U.T. herzlich bedanken“, sagt der Sozialsenator.

Die Obdachlosenhilfe will dennoch an ihrem Plan festhalten. „Wir werden einen Kältebus anschaffen. Aber von der Politik bin ich enttäuscht“, sagt Jan Rühmling, der die Initiative leitet. „Es ist für uns unvorstellbar, dass Parteien ein solch brisantes Thema ablehnen.“ Immerhin wollen sich viele Privatpersonen engagieren. „Wir haben in der letzten Woche sehr viele Spenden erhalten. Viele wollen auch bei der Finanzierung des Kältebusses helfen“, so Rühmling. Außerdem hatte das Massage-Studio Su Wanyo rund 700 Euro bei Kunden und Freunden gesammelt. Weitere 350 Euro sind bei einer Stadtführung zusammengekommen.

„Niemand wird abgewiesen“

Insgesamt gibt es 123 Notunterkunftsplätze sowie 34 Notplätze. Im Sophie-Kunert-Haus finden alleinstehende Frauen sowie jungerwachsene Männer Schutz. 49 Plätze gibt es im Bodelschwingh-Haus für Alleinstehende Männer, weitere 37 Schlafplätze bietet die Heilsarmee. Alle Plätze sind dauerhaft belegt. Sollten in den Wintermonaten in den Notunterkünften keine Plätze mehr zur Verfügung stehen, werden die Vorwerker Diakonie in der Beratungsstelle in der Wahmstraße die große Diele und die Heilsarmee ihren großen Saal zur Übernachtung bereitstellen. „Niemand, der nach einem Übernachtungsplatz fragt, wird abgewiesen“, betont die Stadt.

Die Bürgerschaft hat die Entscheidung über 10000 Euro für einen Kältebus und 6000 Euro für einen Schutzraum in den Sozialausschuss überwiesen, der am 4. Dezember tagt.

Maike Wegner und Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit einem Jahr Verspätung hat der Weihnachtsmarkt im Heiligen-Geist-Hospital seine 50. Eröffnung gefeiert. Die Künstler loben den Markt in den höchsten Tönen – Alteingesessene wie Neulinge.

30.11.2018
Lübeck Lübecker Aids-Hilfe zum Welt-Aids-Tag - Diskriminierung und Unwissenheit sind Alltag

Allen Aufklärungskampagnen zum Trotz: HIV-Infizierte erleben auch heute noch Vorbehalte in ihrem Alltag. Die größten Probleme gebe es im Gesundheitswesen, sagt die Aids-Hilfe.

30.11.2018

Die Bürgerschaft schafft überraschend die Strandgebühr ab – für alle Lübecker. Das kostet die Stadt rund 140 000 Euro im Jahr.

30.11.2018