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Lübeck Tolle Ausstellung, nur wo ist Würselen?
Lokales Lübeck Tolle Ausstellung, nur wo ist Würselen?
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00:38 01.09.2017
In dem Ausstellungsraum mit den Mönchen lauscht der SPD-Spitzenkandidat den Ausführungen per Kopfhörer. Der 61-jährige Politiker überzeugte sich gestern bei einem Besuch des Hansemuseums, was aus den EU-Fördermillionen geworden ist. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

„Vielen Dank für die Gelegenheit, Ihr Haus in für mich turbulenten Zeiten für ein paar ruhige Momente besuchen zu dürfen“, schreibt Martin Schulz in das Gästebuch des Europäischen Hansemuseums. Der 61-jährige SPD-Spitzenkandidat steht im Blitzlichtgewitter, drei Kamerateams filmen jeden Schritt, den Schulz durch die Ausstellung macht. Ruhige Momente? Für den Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist der Auftritt im Hansemuseum wahrscheinlich tatsächlich ein eher ruhiger.

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz besichtigt das Europäische Hansemuseum und ist beeindruckt.

Der Tross aus über 20 Personen – Sicherheitsleute, Journalisten, Referenten und Museumspersonal – wälzt sich durch die dunklen und teils engen Ausstellungsräume. Museumsleiterin Dr. Felicia Sternfeld begrüßt den Spitzenpolitiker, der zusammen mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Gabriele Hiller- Ohm und SPD-Bürgermeister-Kandidat Jan Lindenau zu Fuß zum Hansemuseum kommt. Er sei vor einigen Jahren als Präsident des Europäischen Parlamentes in Lübeck gewesen und habe sich den Rohbau angeschaut. „Hier stecken ja auch erhebliche Mittel der Europäischen Union drin“, erklärt der Kanzlerkandidat, „ich wollte schauen, was daraus geworden ist“. Schulz ist beeindruckt. „Die Menschen haben in den vergangenen Jahrhunderten mit unverhältnismäßig geringeren Mitteln, als wir sie heute zur Verfügung haben, Beachtliches geleistet“, so der Politiker. Und immer wieder entfährt ihm ein „super“ oder „toll“.

Der Kandidat befühlt Tuche und klopft fachmännisch auf das Holz der Hanse-Kogge. Die Fässer haben es ihm besonders angetan. Er vergleicht sie mit den heutigen Containern. „Weltweiter Handel hat immer schon existiert“, bilanziert Schulz am Ende der einstündigen Begehung, „die Kaufleute von damals hatten kapiert, dass Einigkeit stark macht und Zwietracht schwächt. Das ist eine Einsicht, die wir heute brauchen.“

Die Lage im heutigen Europa schwingt immer mit bei diesem Besuch. Museumsleiterin Sternfeld berichtet stolz von einer geplanten Ausstellung im nächsten Jahr. Dann wird der Hansetag von 1518 mit dem aktuellen Europa in Beziehung gesetzt. Schulz ist wieder beeindruckt. Natürlich darf auch Würselen nicht fehlen, die nordrhein- westfälische Stadt, in der der SPD- Politiker elf Jahre Bürgermeister war. Auf einer riesigen Wandkarte sucht Schulz seine Heimatstadt – vergeblich.

Eine fünfköpfige Familie aus Unterfranken steht plötzlich im Rampenlicht. Ein Fernsehteam interviewt die Bayern, die von dem Trubel völlig überrascht wurden. Immer wieder werden Besucher von dem Tross zur Seite geschoben. Zwei Frauen ergattern ein Handyfoto des Kandidaten. „Wie klein der ist“, flüstert die eine. „Ja, der ist echt klein“, antwortet die andere. Klein, aber höchst interessiert.

Schulz rauscht nicht bloß durch die Ausstellung, am Ende kauft er sogar noch das Standardwerk von Philippe Dollinger „Die Hanse“ und bezahlt wie Otto Normalverbraucher aus der eigenen Tasche.

Die örtliche Bundestagsabgeordnete Hiller-Ohm ist glücklich, dass sie Schulz den Wunsch nach einem Museumsbesuch erfüllen konnte. Für Bürgermeister-Kandidat Lindenau ist der Besuch auch eine politische Botschaft: „Es ist wichtig, dass SPD-Politiker auf allen Ebenen Verantwortung tragen.“

 Kai Dordowsky

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