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Lübeck „Tommy“ ist zurückgekehrt
Lokales Lübeck „Tommy“ ist zurückgekehrt
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20:28 05.07.2017
Sie freuen sich über die Skulptur, vorn v. l.: die Schüler Lukas (15), Jule (13) und Inja (16), hinten v. l.: Peter Sünnenwold (Spender das steinernen Sockels), Sabine Jebsen-Ibs (Leiterin der Orientierungsstufe) und Karl-Peter Flittiger (Schulleiter). Quelle: Foto: Hanno Kabel

Wenn nicht im Herbst 2014 der Fußweg am Klughafen etwas abgesackt wäre, dann läge die Büste des Nobelpreisträgers noch heute auf dem Grund der Kanaltrave.

Thomas-Mann-Schule weiht wiedergefundene Büste ihres Namensgebers ein.

Frühere Mädchenschule

Die Thomas-Mann-Schule (TMS) ging 1959 aus der Oberschule am Falkenplatz hervor. Die Straße, in der das neue Gebäude errichtet wurde, trug schon seit 1957 den Namen des Schriftstellers. 1955 hatte die Hansestadt ihn zum Ehrenbürger ernannt.

Bis 1967 war die TMS, wie ihre Vorgängerin, eine reine Mädchenschule.

Ein Taucher überprüfte im Auftrag der Lübeck Port Authority unter Wasser die Spundwand, um zu sehen, ob dort Sand austrat. Da entdeckte er, halb in den Schlamm eingesunken, einen großen Gegenstand, legte ihn frei – und blickte in das Gesicht von Thomas Mann. 2011 hatten Unbekannte der Thomas-Mann-Schule die Büste ihres Namensgebers gestohlen. Jetzt ist sie gereinigt und mit Sockel zurückgekehrt. Gestern wurde sie im Foyer eingeweiht.

Ursprünglich stand sie im Innenhof. Dort hatte die Lehrerin Sabine Jebsen-Ibs, Leiterin der Orientierungsstufe, sie vor vielen Jahren entdeckt, tief eingewachsen ins Gebüsch. In einem Projekt nahm sie sich des Innenhofs an und brachte so auch die Büste zur Geltung. Doch 2011, während Bauarbeiten auf dem Schulgelände, verschwand die Skulptur. Die Polizei vermutete damals Diebe, denen es ausschließlich um den Materialwert gehe, nicht um die Kunst.

Nach dem Diebstahl hatte niemand mehr ernsthaft damit gerechnet, dass „Tommy“ wieder auftauchen würde. Deshalb bemühte sich die Schule bald um Ersatz. Das Original war ein Werk von Thomas Manns künstlerisch begabtem Verleger Gottfried Bermann Fischer (1897- 1995). Er hatte es der Schule 1966 geschenkt. Aber die Gussmodelle existierten 2011 nicht mehr. Also entschied die Schule sich für eine Rekonstruktion. Sie sammelte Spenden, holte von der Erbin des Verlegers die Erlaubnis ein und beauftragte einen Künstler und eine Gießerei. 2013 wurde die Nachbildung aufgestellt.

Als ein Jahr später das Original wieder auftauchte, war es in wenig ansehnlichem Zustand. „Thomas Mann sah ziemlich verwahrlost aus“, sagte Jebsen-Ibs in ihrer Ansprache – und das habe so gar nicht zu ihm gepasst. „Er hat 1933 Deutschland verlassen, war aber nicht untergetaucht, sondern stand im Rampenlicht der Öffentlichkeit – und pflegte einen sehr eleganten Stil.“

Die Schule entschied sich, den alten „Tommy“ wieder herrichten zu lassen. Wieder wurden Spenden gesammelt, für die Reinigung und für eine Metallstele, die jetzt hinter der Büste im Foyer steht, insgesamt 1500 Euro. Den Sockel gab es kostenlos, als Spende von Peter Sünnenwold. Sein Unternehmen hatte vor drei Jahren den Sockel für die Nachbildung angefertigt.

Als der Elternbeirat sich 1966 für die Aufstellung der Büste einsetzte, war das noch ein politisches Zeichen. Sabine Jebsen-Ibs erinnert an die Anfänge der Schule Ende der 50er Jahre: „Die Namensgebung war ja sehr umstritten.“ Heute ist Thomas Mann nicht mehr umstritten – nicht in Lübeck und schon gar nicht an der Schule, die jetzt zwei Büsten von ihm hat.

Hanno Kabel

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