Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Tontalente und Lesementoren
Lokales Lübeck Tontalente und Lesementoren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:36 31.05.2017
Träumen von einem professionellen Musikvideo: die „Tontalente“ mit Ann-Kristin Kröger (r.), FSJ-lerin Hanna Engel (v.l.) und Dirigent Juan Garzon.  ei ihnen dreht sich alles ums Lesen: Mentorin Iris Rathyczak (v.l.) mit Felicia, Milla und Wolfgang Meier. Hinten Vorsitzende Jutta Kähler (l.) und Mentorin Christa Wulff.  Quelle: Risch

„Tontalente“ machen Lied über ihre (neue) Heimat 

Sie kommen aus vieler Herren Länder, sprechen verschiedene Sprachen. Doch eines eint sie: Die „Tontalente“ aus Eichholz machen gemeinsam Musik, erlangen Selbstvertrauen und machen anderen Menschen mit ihrer Musik Freude. Jetzt arbeiten sie unter professioneller Anleitung an einem Heimatlied, das zum Ausdruck bringt, was Eichholz für die Kinder bedeutet und warum sie dort so gern leben.
Das Lied nehmen sie im Tonstudio auf, drehen ein Musikvideo dazu und präsentieren das Stück später in Altenheimen, Stadtteilrunden und Vereinen. „Anlass zu dem Lied war, dass das Jugendzentrum hinter der Schule an der Wakenitz gerade einen interaktiven Kinderstadtplan entwickelt“, erklärt Ann-Kristin Kröger (45), Leiterin der „Tontalente“. Dazu wolle man nun das passende Lied schreiben.
Viele der Kinder und Jugendlichen, die auf die Schule an der Wakenitz gehen und jeden Freitagnachmittag in Kleingruppen Instrumente spielen oder singen, wissen noch nicht soviel über das neue Projekt. Momentan sind sie gerade dabei, ein Freundschaftslied einzustudieren. Doch sie wissen ganz genau: Ihre Lehrer und Mitstreiter der „Tontalente“ möchten sie nicht mehr missen. Wie Hejar (12), der aus dem kurdischen Teil der Türkei stammt und rappt. „Ich finde toll, dass wir als Gruppe auftreten und miteinander einen Song über Freundschaft machen“, sagt er. Marcel (14), der polnische Wurzeln hat, findet besonders an den „Tontalenten“, „dass ich mit meinen Freunden Musik mache“. Er sorgt, ebenso wie Reza (14) aus Afghanistan, für die Percussion.
„Wir haben viele Flüchtlingskinder, die teilweise traumatisiert sind“, sagt Dirigent Juan Garzon (34), der aus Kolumbien stammt. Da sei es besonders wichtig, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, den Kindern verlässliche Strukturen zu bieten. Ann-Kristin Kröger: „Sie sollen mit unserer Hilfe hier Wurzeln schlagen, aber wir wollen ihnen nicht die Flügel stutzen.“
Das Projekt „Unser Zuhause – unser Lied“ ist generationenübergreifend, denn auch der Trompetenkreis des Mehrgenerationenhauses wirkt daran mit. „Ohne das Geld von der Sparkassenstiftung können wir das Projekt in dem geplanten Umfang nicht realisieren“, sagt Ann-Kristin Kröger. Weshalb die „Tontalente“ noch ordentlich trommeln wollen.sr

Hier abstimmen

Digitale Unterstützung für die Leselernhelfer

Das kleine Büro von Mentor – die Leselernhelfer ist zugleich eine Bibliothek: Viele Bücher stehen hier in den Regalen, Bücher, die besonders geeignet sind, Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 16 Jahren auf unterhaltsame Art und Weise Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz zu vermitteln. Seit der Gründung im Jahr 2006 haben sich die ehrenamtlich tätigen Mentoren einen Namen in Lübeck gemacht.
Die Zahlen sprechen für sich: 250 Mentoren betreuen an 47 Schulen 347 Kinder, die zu einem Drittel einen Migrationshintergrund haben. Das Ganze läuft nach dem 1:1-Prinzip: ein Mentor, ein Kind, eine Stunde, einmal in der Woche – und das ein halbes bis ein Jahr lang. „Als ich hier anfing, dachte ich: Das kann nicht ausreichen“, erzählt Mentorin Iris Rathyczak. „Aber es klappt eigentlich immer.“
Auch bei der neunjährigen Milla hat es geklappt. Nach einem Jahr unter der Obhut von Mentor Wolfgang Meier kann sie jetzt gut lesen und schreiben. Milla liest gern, vor allem Bücher aus der „Milla“-Reihe von Patricia Schröder, „aber ich mag nicht gern laut lesen“, sagt sie. Ihr Lieblingsfach in der Schule ist Sport, und deshalb hat sie meist mit Wolfgang Meier nach den Lese-Übungen noch Fußball gespielt. „Sie ist richtig gut“, sagt Meier.

Bücher bleiben zwar das Hauptmedium der Leselernhelfer, aber sie wollen auch mit der Zeit gehen: „Laptop, Tablet und PC begleiten die Kinder von Anfang an“, sagt Mentor-Vorsitzende Jutta Kähler. Weshalb man die digitalen Medien jetzt in die Arbeit mit den Kindern einbauen wolle. Kaum öffnet Meier ein entsprechendes Programm auf seinem Tablet, ordnen Milla und die gleichaltrige Felicia, die erst dreimal mit ihrer Mentorin Iris Rathyczak zusammen geübt hat, Bilder den entsprechenden Wörtern zu. Was für die beiden Mädchen ein Leichtes ist, ist für Flüchtlingskinder, die die deutsche Sprache erst lernen müssen, eine deutlich größere Herausforderung.
Um künftig auch digitale Medien nutzen zu können, braucht der Verein nicht nur Tablets, sondern auch zertifizierte Lernprogramme und Apps – und Schulungen für die Ehrenamtler, denn die müssen wissen, wie das funktioniert. Und sich darüber hinaus auch über Kinder- und Jugendschutz im Netz schlau machen. Deshalb wäre die Förderung eine tolle Sache für die Leselernhelfer. sr

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!