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Lübeck Topverdiener der Stadt: Saxe will Spitzengehälter nennen
Lokales Lübeck Topverdiener der Stadt: Saxe will Spitzengehälter nennen
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22:23 12.09.2013
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Lübeck

Sagen oder nicht sagen? Das ist hier die Frage. Die Politiker wollen wissen, was die Chefs der städtischen Gesellschaften verdienen. „Die Verwaltung kommt dem gern nach“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Die Gehälter würden sich nach Branche und Unternehmensgröße richten. „Um hier die richtigen Werte zu haben, ziehen wir Branchenvergleiche zurate.“

Die Topverdiener der Stadt geben sich zugänglich. „Ich hätte damit kein Problem“, sagt Andrea Gastager, Chefin des Lübeck und Travemünde Marketing (LTM). Allerdings müssten dann die kompletten Bezüge inklusive Bonus-Zahlungen, Dienstwagen und so weiter veröffentlicht werden. „Man muss das differenziert betrachten. Aber ich kann die jetzige Debatte sehr gut verstehen“, sagt Gastager. So sieht es auch Ilona Jarabek, Chefin der Musik- und Kongresshalle (MuK). „Man darf nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.“ Sie sorgt sich zwar, dass eine Neiddebatte entsteht, sagt aber: „Grundsätzlich sind wir alle gläsern. Warum nicht auch beim Gehalt?“ Dirk Gerdes, Chef des Koordinierungsbüros Wirtschaft (KWL) meint ebenfalls: „Andere Kommunen veröffentlichen die Gehälter auch.“ Gerdes sieht auch die Gefahr, dass „eine Sozialneiddebatte“ ausgelöst wird. Der KWL-Chef hat sein Gehalt dem Hauptausschuss mitgeteilt. Gerdes: „Ich bin angemessen dotiert.“ Auch Stadtwerke-Konzernchef Willi Nibbe ist von der Debatte nicht überrascht. „Ich habe grundsätzlich keine Bedenken gegen Transparenz“, sagt Nibbe, „die Stadt sollte das mit uns Geschäftsführern besprechen.“ In der Hafenbranche sei die Offenlegung sowieso seit Jahren üblich, erklärt Heinrich Beckmann, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG). „Ich habe keine Probleme damit, wenn meine Bezüge veröffentlicht werden“, versichert der Hafen-Chef, „aber meine Gesellschafter müssen das beschließen.“

Wenn es allerdings um konkrete Gehaltszahlen geht, sind Nibbe und Beckmann zugeknöpft. Dabei gehören sie nach LN-Informationen zu den fünf Topverdienern der städtischen Gesellschaften. Sie erhalten mehr als 200 000 Euro im Jahr — wie auch die Chefs Stefan Fritz und Annie Lykke Gregersen vom Stadtwerke-Konzern sowie der zweite LHG-Geschäftsführer Ulfbenno Krüger. LTM-Chefin Gastager ist beim Thema Gehalt lockerer. Sie verdiene „weniger als der Bürgermeister“. Der hat ein Jahresgehalt von 113 000 Euro. Ihr Gehalt liege im fünfstelligen Bereich.

Eine nicht-öffentliche Liste von 2010, die den LN vorliegt, bestätigt das. Gastager erhält 95 000 Euro pro Jahr. Auch KWL-Chef Gerdes sowie Theaterchef Christian Schwandt beziehen dieses Gehalt.

Die MuK-Chefin Jarabek verdient nach der Liste mit 75 000 Euro am wenigsten von den Geschäftsführern. 121 000 Euro ist die Größenordnung, die Hartmut Sörensen überwiesen wird, dem Chef der Grundstücksgesellschaft „Trave“. Er liegt im besseren Mittelfeld des Gehalts-Rankings der Chefs.

Aber Sörensen hält überhaupt nichts davon, dass die Gehälter veröffentlich werden. „Ich will nicht, dass der Postbote, der Zeitungszusteller oder meine Mitarbeiter wissen, wie viel ich verdiene.“

Sörensen spricht von einer Neiddebatte, die im Vorwahlkampf angestoßen worden sei. Sörensen: „Damit erzielt man Emotionen beim Bürger, aber dem gesellschaftlichen Frieden dient das nicht.“ Außerdem würden die Geschäftsführer-Gehälter durch die Aufsichtsräte der städtischen Gesellschaften festgelegt: „Da sitzen die Politiker und haben über die Bezüge mit abgestimmt.“

Josephine von Zastrow und Kai Dordowsky

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