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Lübeck Training in Trümmern mit „Murphy“
Lokales Lübeck Training in Trümmern mit „Murphy“
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13:19 08.03.2016
Sarah Ewert (links) und Andreas Keuchel knien bei der Trümmersuche auf dem Geländes des Wehdehofes neben dem Rettungshund „Mailo“. Die Baustelle ist ein guter Trainingsort für die Staffel. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Es dämmert, als die Rettungshundestaffel den Wehdehof betritt. Auf der riesigen Fläche türmen sich Schutt und Betonteile alter Gebäude. Graue Verwüstung vor dem backsteinroten Hintergrund von St. Marien. Ein perfekter Ort für „Murphy“ und seine vierbeinigen Kollegen. Denn wenn die Arbeiten für das neue Parkhaus ruhen, dürfen die Tiere mit ihrem Trümmertraining beginnen.

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Die Mitglieder der Staffeln stehen kurz vor Trainingsbeginn auf den Schuttbergen im Wehdehof.

„Murphy“(5) steht neben Hundeführer Arne Roden und strahlt von der Schnauze bis zur Schwanzspitze Konzentration aus. „Er weiß, dass es jetzt losgeht“, sagt Roden und legt seinem Australian Shepherd ein Spezialhalsband mit roten Blinklichtern um. So kann er den Hund im Auge behalten, wenn dieser zwischen den Trümmern verschwindet. Dort soll „Murphy“ einen Menschen suchen. Im Ernstfall sind das Verschüttete. Jetzt — im Training — verstecken sich Helfer auf dem Gelände.

Eine von ihnen ist an diesem Abend Julia Schaak (37). Die Ausbildungsteam-Sprecherin hält eine Tupperdose mit Leckerli in der Hand und klettert über das Geröll in ein Versteck. Es befindet sich — in Absprache mit der Bauleitung — in einem ehemaligen Erdgeschoss. „Murphy“ soll vom Stockwerk darüber suchen. Schaak erklärt: „So entsteht eine gute Trainingssituation, denn im Ernstfall muss der Hund den Geruch des Verschütteten von unten nach oben wittern.“

Als Roden das Kommando „Voran, such und hilf“ gibt, rennt „Murphy“ los. Vor dem Tier liegt eine Trümmerfläche mit verschiedenen Ebenen. Hunderte Quadratmeter, dunkel und unübersichtlich. Schnell verschluckt die Dunkelheit die Spürnase. Jetzt scheinen nur noch die roten Blinklichter durch die Baustellenwüste zu rasen. Wie ein Irrlicht sausen sie nach rechts, verschwinden hinter einem Bagger, kehren um, sind plötzlich links und — nach kaum fünf Minuten — klingt lautes Bellen über die Trümmer. „Murphy“ hat Schaak gefunden, und zur Belohnung bekommt er ein paar Nudeln mit Hühnerherzen aus der Tupperdose. Ein Highlight, das es nur im Training gibt.

„Wichtig ist, dass der Rettungshund das Gebiet allein abarbeitet und den Gefundenen dann so lange verbellt, bis der Hundeführer ihm ein Signal gibt“, erklärt Axel Schaak am Rande der Baustelle. Der 44-Jährige ist der Zugführer und an diesem Abend mit vier Hundeführern, drei Helfern und der Ausbildungsteamsprecherin — seine Frau Julia — in Lübeck. „Es ist klasse für uns, dass wir hier trainieren dürfen“, sagt der Mann, der mit seinen Leuten jederzeit ausrücken kann, wenn es ernst wird. Und so war er mit „Murphy“ und Roden auch schon beim Einsturz der ehemaligen Diskothek „Alte Scheune“ im Oktober 2013 dabei. Doch Trümmersuche ist eher selten. „In der Regel hilft die Staffel, wenn Demenzkranke und Suizidgefährdete vermisst werden.“ Um bei der Suche helfen zu können, muss ein Rettungshund angstfrei sein, eine dreijährige Ausbildung absolvieren und danach regelmäßig trainieren. Dafür trifft sich die Staffel zweimal die Woche. „Für ,Murphy‘ ist es wie ein Spiel“, sagt Roden.

Wann die Staffel nach dem Bohrer-Unfall vom Mittwoch wieder im Wehdehof trainieren kann, ist laut Investor Ramin Salsali nicht zu sagen. Man wolle das Engagement des Vereins gerne unterstützen, aber es müsse noch geklärt werden, ob und unter welchen Umständen das Training ermöglicht werden kann. Unklar ist auch, wann der Bohrer geborgen wird.

• Ein Video vom Training sehen Sie auf ln-online.de/video

Das Team

30 Einsätze etwa hat die BRH-Rettungshundestaffel Schleswig-Holstein Ost im Jahr. Sie gehört zum Bundesverband Rettungshunde (BRH), hat ihren Sitz in Krumbeck (Kreis Ostholstein) und finanziert sich rein aus Spenden.

Die Alarmierung erfolgt über die Rettungs- oder Polizeileitstellen, und es gibt vier Sparten: Flächensuche, Mantrailing, Trümmersuche, Wasserortung.

• Mehr Informationen im Internet unter www.rettungshundestaffel.info

Von Cosima Künzel

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