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Lübeck Traumschiff-Pleite: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenz-Verschleppung
Lokales Lübeck Traumschiff-Pleite: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenz-Verschleppung
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19:04 25.08.2017
Das ehemalige ZDF-Traumschiff MS Deutschland läuft am 11.05.2017 in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) als erstes Schiff der Kreuzfahrtsaison 2017 in den Seehafen ein. Wismar. Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Lübeck

Sie hat ihren Heimathafen verloren, ihr Aussehen verändert und darf fürs ZDF nicht mehr die Weltmeere bereisen. Doch die Geschichte um das legendäre TV- Traumschiff „Deutschland“ und ihren Niedergang scheint nicht zu Ende zu sein. Die Lübecker Staatsanwaltschaft ermittelt „wegen des Verdachts der vorsätzlichen Insolvenz-Verschleppung, des Kapitalanlagebetrugs, des Betrugs, der Untreue und der Urkundenfälschung gegen verschiedene Personen“ (Az.: 27JS46251/14). Das bestätigte Behördensprecherin Ulla Hingst. Damit könnte die zweite Insolvenz des Ex-Traumschiffs ein gerichtliches Nachspiel haben.

Oberstaatsanwältin Hingst erklärte, die Ermittlungen seien nach Eingang einer Strafanzeige Ende 2014 aufgenommen worden. Die Namen der Betroffenen wollte Hingst gestern nicht nennen. Die Personen seien noch nicht informiert. Das Manager-Magazin hatte zuerst berichtet.

2009 hatten die Deilmann-Zwillinge Gisa und Hedda das erste Mal Insolvenz für die vom früh verstorbenen Vater geerbte Neustädter Reederei Deilmann anmelden müssen. 2010 ging ihr Flaggschiff für einen zweistelligen Millionenbetrag mehrheitlich an die in München ansässige, börsennotierte Sanierungsholding Aurelius. Für die Vertragsverhandlungen über den Verkauf fanden die Deilmann- Zwillinge wenig schmeichelhafte Worte. Sie fühlten sich von Finanzhaien über den Tisch gezogen. In ihrem Buch „Die wahre Geschichte vom Traumschiff“ schreiben sie von „renditehungrigen Investoren“.

Aurelius verkaufte die „Deutschland“ bis auf einen Minderheitsanteil schon Anfang 2014 weiter: Für einen Euro ging das Schiff an die auch in München ansässige Callista Private Equity. Es dauerte nur zehn Monate, bis die neue Eigentümerin für die „Deutschland“ einen Insolvenzantrag stellen musste. Um diesen Zeitraum geht es jetzt bei den Ermittlungen der Lübecker Anklagebehörde. 2015 war die „Deutschland“ in die USA verkauft worden.

Curd Tönnemann

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