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Lübeck Traurige Gewissheit im Fall Marco: Staatsanwaltschaft geht von Unfall aus
Lokales Lübeck Traurige Gewissheit im Fall Marco: Staatsanwaltschaft geht von Unfall aus
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18:57 17.12.2013
Bei einer erneuten Suchaktion wurde eine Leiche gefunden. Vieles spricht dafür, dass es sich dabei um Marco handelt. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Die Lübecker Staatsanwaltschaft stuft den Tod von Marco als "tragischen Unfall" ein. Laut Oberstaatsanwalt Günter Möller deute bislang nichts auf ein Gewaltverbrechen hin, der Körper wies keine Verletzungen auf und die Kleidung war unversehrt. Vielmehr gebe es deutliche Anzeigen, dass Marco ertrunken ist.

Foto: Holger Kröger

Zu dieser Erkenntnis gelangte die Gerichtsmedizin, nachdem sie die Leiche heute Mittag untersucht hatte. Die Gutachten, ob der 17-Jährige betrunken war oder unter Drogeneinfluss stand, sind in Auftrag gegeben worden. Mit einem Ergebnis könne aber erst "in einigen Wochen gerechnet werden", so Oberstaatsanwalt Möller.

Nach dem Befund hob die Polizei heute Nachmittag auch die Sperrung rund um den Teich am Palinger Weg sowie um den Partybunker auf. Die Ermittler hatten das Gebiet vorsorglich abgeriegelt, falls es sich doch noch zu einem Tatort hätte entwickeln können.

Die Frage, ob der Jugendliche vor seinem Tod Alkohol oder Drogen konsumiert hatte, soll noch von der Gerichtsmedizin geklärt werden. „Wir haben entsprechende Untersuchungen in Auftrag gegeben, doch mit den Ergebnissen ist erst in einigen Wochen zu rechnen, sagte Möller.

Drei Wochen lang wurde Marco vermisst. Gestern hat ihn die Polizei tot gefunden – nur wenige Hundert Meter vom Partybunker entfernt, in dem der 17-Jährige in der Nacht vor seinem Verschwinden mit Freunden gefeiert hatte. Der Leichnam trieb an der Wasseroberfläche eines kleinen Teichs am Palinger Weg im Stadtteil Schlutup kurz vor der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Beamte hatten den Vermissten entdeckt, als sie gestern die unmittelbare Umgebung des Partybunkers zum zweiten Mal absuchten.

Der Tauchertrupp der Berufsfeuerwehr zog die Leiche gegen Mittag aus dem Wasser, anschließend übernahm die Kriminalpolizei den Fundort. „Anhand der Kleidung und der Beschreibung ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um Marco handelt“, bestätigte gestern Polizeisprecher Stefan Muhtz. Der 17-Jährige wurde wenig später in die Gerichtsmedizin der Uniklinik gebracht. Dort soll er im Auftrag der Lübecker Staatsanwaltschaft obduziert werden.

Muhtz: „Zur Todesursache können wir momentan keine Angaben machen.“ Ermittelt werde aber weiterhin in alle Richtungen – etwa ob Marco auf dem Heimweg in den Teich fiel oder ob gar ein Verbrechen vorliegt.

An einem Teich ganz in der Nähe wurde die Leiche gefunden.

Die gestrige Suchaktion in den Schlutuper Tannen startete um 8 Uhr, allerdings ohne konkrete Hinweise auf den Verbleib des 17-Jährigen. „Wir hatten uns vorgenommen, die Umgebung noch einmal abzusuchen“, sagt Behördensprecher Muhtz.

Im Einsatz waren die Taucher der Berufsfeuerwehr Lübeck und die Polizei-Diensthundestaffel. „Das Areal hatten wir bereits ein erstes Mal unmittelbar nach Marcos Verschwinden abgesucht.“ Allerdings: Die Aktion konzentrierte sich damals bloß auf das Gebiet östlich des Partybunkers inklusive des Schwarzmühlenteichs.

Bereits bei der Suchaktion im November  wurde der Geländebereich um den Fundort abgesucht. Es gab zu diesem Zeitpunkt allerdings keine Hinweise, dass sich der Jugendliche in einem der Gewässer befindet.

In Schlutup im Bereich des Schwarzmühlenteichs ist heute eine Leiche gefunden worden. 

Marco war am 24. November gegen 3 Uhr zuletzt im Partybunker gesehen worden – ein umgebauter Keller auf dem Gelände der ehemaligen Munitionsfabrik. Er wollte nach Hause im Kern Schlutups, kam dort aber nie an. Noch am gleichen Tag begann die Polizei mit ersten Suchaktionen, im Laufe der nächsten Tage durchkämmten Einsatz-Hundertschaften aus Eutin und die Rettungshundestaffel Segeberg das Gebiet, ein Hubschrauber untersuchte das Areal aus der Luft. Auch zahllose freiwillige Helfer formten eigene Suchtrupps – stets aber ohne Ergebnis oder Spur auf den Verbleib des 17-Jährigen. Zuletzt hatte die Polizei wegen der Flut an Hinweisen die Ermittlungsgruppe „Marco“ eingerichtet.

Bitteres Ende einer dreiwöchigen Suche

Die Eltern des Jugendlichen wurden gestern von der Polizei über dessen Tod informiert. Erst am Sonntag hatten über 100 Lübecker auf dem Schlutuper Markt Kerzen angezündet und Weihnachtskugeln mit Botschaften an Marco an einen Weihnachtsbaum gehängt. Sie hatten die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der 17-Jährige lebend zurückkehrt.

Peer Hellerling

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