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Lübeck „Trave“ baut wieder in Travemünde
Lokales Lübeck „Trave“ baut wieder in Travemünde
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22:08 12.04.2017
Matthias Rasch (l.), Chef der „Trave“, und Architekt Klaus Petersen studieren die Pläne der Neubauten im Steenkamp. Quelle: Foto: Lutz Roessler

Mit 22 neuen Mietwohnungen ist das Projekt eher bescheiden. Aber das Richtfest der städtischen Grundstücksgesellschaft „Trave“ am Mittwoch in Travemünde markiert „ein Jahrhundert- Ereignis“, wie Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) scherzte. Denn die „Trave“ baut erstmals seit 56 Jahren wieder Mietwohnungen im Ostseebad. Gemessen an ihrem bisherigen Wohnungsbestand in Travemünde sind 22 neue Einheiten gar nicht so wenig: Die „Trave“ hat bisher nur 30 Wohnungen in Lübecks schönster Tochter.

„Das ist eigentlich unverständlich“, sagte der Bürgermeister beim Richtfest im Steenkamp, „denn andere Bauherren sagen, dass ihnen die Wohnungen in Travemünde aus den Händen gerissen werden.“

„Trave“-Geschäftsführer Matthias Rasch konnte in der Chronik des Unternehmens keine Antwort darauf finden, warum die Grundstücksgesellschaft Travemünde bislang links liegen ließ. Auch Vorgänger Hartmut Sörensen, 17 Jahre Chef der „Trave“, kann nur mutmaßen: „Wir hatten in anderen Stadtteilen genug zu tun.“ Außerdem sei Travemünde ein gehobener Wohnstandort. Sörensen: „Wir fühlten uns für die Versorgung der breiten Bevölkerungsschichten zuständig.“

Doch Lübeck brauche jetzt dringend Wohnungen für alle Geldbeutel, sagte Bürgermeister Saxe: „Die Unterversorgung mit Wohnraum ist in Travemünde größer als im Rest der Stadt.“ Deswegen baut die „Trave“ nicht nur 22 Wohnungen im Steenkamp, sondern auch weitere 40 Mietwohnungen im Strandweg, von denen 16 öffentlich gefördert werden. Und auf dem Baggersand, bisher noch Großparkplatz, erstellt die „Trave“ zusammen mit der Neuen Lübecker, dem Lübecker Bauverein und den Vereinigten Baugenossenschaften Lübeck 250 Mietwohnungen. Im Strandweg soll es noch in diesem Jahr losgehen, auf dem Baggersand voraussichtlich 2019.

Im Oktober können die Wohnungen am Steenkamp bezogen werden. Die Zwei-Zimmer-Wohnungen sind 49 und 60 Quadratmeter groß, die Drei-Zimmer-Wohnungen 74 Quadratmeter. Beide Blöcke, die die Firma Bertold Möller gerade hochzieht, sind mit Aufzügen ausgestattet. „Trave“-Chef Rasch beziffert die Kaltmiete mit zehn Euro pro Quadratmeter.

Der Standort sei sehr attraktiv, erklärte Rasch. „Bis zum Strand sind es Luftlinie nur 900 Meter.“ Außerdem würden zwei Buslinien vor der Tür halten. Rasch: „Hier kann man auf das Auto verzichten.“

Der Kita- Träger Kinderwege baut gerade neben den neuen „Trave“-Blöcken eine Kita. In unmittelbarer Nähe liegt die Schule am Meer. Der „Trave“-Geschäftsführer: „Ich kann mir vorstellen, dass sich die Schule über neue Schüler freut.“ Die städtische Grundstücksgesellschaft investiert 3,7 Millionen Euro an diesem Standort.

Die „Trave“ sieht sich in Travemünde auch in der Pflicht, „weil hier in der Vergangenheit viele Ferienwohnungen und hochpreisige Eigentumswohnungen entstanden sind“, sagte Rasch. Aber die Arbeitskräfte, die ihr Brot in der Tourismusbranche verdienen, bräuchten ebenfalls Wohnraum.

„Alter“ Stadtteil

8081 Wohnungen hat die im Dezember 1928 gegründete „Trave“ im Bestand. Die Gesellschaft gehört zu 92,5 Prozent der Stadt und zu 7,5 Prozent der Stiftung „Lübecker Wohnstifte“. Die Bilanzsumme beträgt 324 Millionen Euro.

13519 Einwohner zählte Travemünde Ende 2016. Von diesen sind fast 45 Prozent 65 Jahre und älter – Spitzenwert in Lübeck.

 Kai Dordowsky

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