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Lübeck "Trave" soll viele Wohnungen bauen
Lokales Lübeck "Trave" soll viele Wohnungen bauen
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06:41 07.04.2017
Die Grundstücksgesellschaft „Trave“ modernisierte 2016 die Wohnungen im Moislinger Mühlenweg/Rebhuhnweg mit öffentlichen Zuschüssen. Quelle: Malzahn

„Wir haben den Punkt erreicht, an dem die ,Trave‘ es machen muss“, sagt CDU-Sozialpolitiker Henning Stabe. „Dafür halten wir diese Gesellschaft vor.“

Nicht sozial, aber billig

6021 Wohnungen bei den Wohnungsbaugesellschaften „Trave“, Lübecker Bauverein und Neue Lübecker kosten weniger als 5,65 Euro kalt pro Quadratmeter, sind also günstiger als Sozialwohnungen, die neu gebaut werden. Nach Angaben der Linken fehlen in Lübeck 5000 preisgünstige Wohnungen.

100000 Euro kostet der Neubau einer 50 Quadratmeter großen Sozialwohnung laut Mieterverein Lübeck.

Lübeck braucht rund 10000 Sozialwohnungen, hat derzeit 8028. Im vergangenen Jahr wurden nach städtischen Angaben gerade einmal 91 neue gebaut, 160 weitere werden in der Ratzeburger Allee, dem Schneewittchenweg und der Stettiner Straße errichtet. In der Brandenbaumer Landstraße und in der Luisenstraße entstehen gerade 26 neue Sozialwohnungen. Das Koordinierungsbüro Wirtschaft in Lübeck (KWL) vermarktet fünf Grundstücke, auf denen 110 bis 120 Sozialwohnungen entstehen könnten.

Nach Angaben der Verwaltung müssen in Lübeck bis zum Jahr 2020 rund 4000 neue Wohnungen aller Preisklassen neu gebaut werden, um die Nachfrage abzudecken. Auf den baureifen Grundstücken, die vorhanden sind, sei Platz für 1000 Sozialwohnungen, erklärt Stadtplaner Christian Stolte.

Problem: „Nur wenige Bauträger halten den Bau von öffentlich geförderten Wohnungen derzeit für ein gutes Geschäft“, sagt Sozialsenator Sven Schindler (SPD). Das kommunale Förderbudget des Landes für Lübeck beträgt von 2015 bis 2018 exakt 50 Millionen Euro. Davon sind gerade einmal 7,3 Millionen Euro bewilligt oder reserviert. Bei der kommunalen Wohnraumvermittlung melden sich jährlich 3000 bis 4000 Wohnungssuchende. 56 Prozent brauchen kleine Wohnungen, 19 Prozent sehr große Bleiben.

Den Sozialpolitikern schwant, dass alle bisherigen Bemühungen nicht ausreichen. „Wo bleibt der große Wurf?“, fragt Michelle Akyurt (Grüne). „Obdachlosenheime und Frauenhäuser sind überfüllt“, klagt Katjana Zunft (Linke), „viele Geflüchtete suchen Wohnraum.“ Die Verbilligungsrichtlinie, mit der städtische Grundstücke erheblich billiger an Investoren verkauft werden, wenn diese Sozialwohnungen bauen, greife nicht, kritisiert Henning Stabe (CDU). Deshalb sollte die Stadt ihre baureifen Grundstücke an die „Trave“ übertragen, damit deren Eigenkapital gestärkt werde. Die städtische Grundstücksgesellschaft könnte dann sofort mit dem Bau von neuen Sozialwohnungen loslegen.

„Eine sehr gute Idee“, lobt Thomas Klempau, Geschäftsführer des Mietervereins, „zum Glück hat Lübeck eine kommunale Wohnungsgesellschaft.“ Kreative Vorschläge zur Ankurbelung des Wohnungsbaus seien immer willkommen, erklärt Bürgemeister Bernd Saxe (SPD), der eine Task Force Wohnungsbau eingerichtet hat. Grüne und GAL unterstützen die Idee. „Bisher passiert zu wenig“, kritisiert Antje Jansen (GAL), die auch im „Trave“-Aufsichtsrat sitzt. Sie ist aber skeptisch, dass die „Trave“ allein den Bedarf abdecken kann.

„Wir bauen aktuell 300 Wohnungen, die Hälfte ist öffentlich gefördert“, berichtet „Trave“-Chef Matthias Rasch. Drei Dinge seien wichtig, um den Bau weiter anzukurbeln. „Wir brauchen größere, baureife Grundstücke, wir brauchen Baufirmen und Planer mit freien Kapazitäten, und wir müssen unseren Mitgesellschafter ins Boot holen“, sagt Rasch. „Die Auslastung der Baufirmen ist derzeit extrem“, weiß „Trave“-Aufsichtsrat Peter Reinhardt (SPD).

Schnellschüsse könne es ohnehin nicht geben, erklärt Andreas Sankewitz (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses. „Wohnungen am Fließband zu produzieren, funktioniert in keiner Stadt.“ Von einer Wohnungsnot sei Lübeck weit entfernt, ist „Trave“-Chef Rasch überzeugt. „Wir bräuchten allerdings mehr Wohnungen im Preissegment von sechs bis acht Euro kalt pro Quadratmeter. Die sind derzeit schwer zu bauen.“

 Kai Dordowsky

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