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Lokales Lübeck Die Persiluhr kommt zurück nach Travemünde
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06:49 09.11.2018
Horst Eichner (l.) und Siegfried Austel freuen sich, dass die Persiluhr endlich in Travemünde ist. Quelle: Lutz Roeßler
Travemünde

 Sie ist da – damit ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es doch zu einem Happy End in einer unendlichen Geschichte kommen könnte. Aber noch ist sie nicht aufgestellt, im Ostseebad. „Hier, das sind Ober-, Mittel- und Unterteil der Persiluhr, die am 26. November zusammengesteckt und aufgebaut werden soll“, sagt Siegfried Austel, erster Vorsitzender des Heimatvereins Travemünde. Zusammen mit zwei Mitstreitern ist er mit einem Autotrailer die 430 Kilometer nach Bottrop gefahren, um endlich „Nägel mit Köpfen“ zu machen.

Denn in der Ruhrgebietsstadt hat die Firma Henkel mit Hauptsitz in Düsseldorf ein „Werbemittel-Lager“, wie es Nepheli Neururer vom „Brand Management Persil“ ausdrückt. „Die letzte Persiluhr aus unserem Lagerbestand ist nun nach Travemünde gegangen“, bestätigt die Sprecherin, „und das wird auf absehbare Zeit auch die letzte Persiluhr bleiben, die wir stets in Essen von einem externen Dienstleister haben anfertigen lassen.“ Jetzt also liegt der Neuzugang zerlegt in der großen Werkshalle von Maschinenbau Tiedemann im Fischereihafen. „Der Großvater von Olaf, also Max Tiedemann, hat damals die Steine für das Original im Zippelpark geformt“, bemerkt Siegfried Austel. Es schließe sich also der Kreis.

So sah das Original im Dr. Zippel-Park aus. Weil die Uhr in all den Jahrzehnten unter anderem auch ein Werbeträger für das Waschmittel Persil war, wurde sie im Volksmund „Persiluhr“ genannt. Quelle: Vögele

Der fünf Meter hohe „Reklamepfeiler mit Zeitanzeige“, der kurz nach seinem Aufbau in Travemünde den Namen „Persiluhr“ erhielt, stand seit dem Jahr 1922 im ehemaligen Kurgarten und jetzigen Dr.-Zippelpark an der Außenallee, unweit des heutigen Arosa-Hotels. Die Uhrensäule wurde schnell so etwas wie ein kleines Wahrzeichen – mit ihrer einst sehr berühmten Werbung, der „Weißen Dame“ aus den 1920er Jahren. Doch erst verschwand die Werbung, und schließlich, vor nunmehr fast sieben Jahren, die gesamte Uhr.

„Das ist nach wie vor eine unglaubliche Geschichte, dass ein ,Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung’ – so der offizielle Status – in einer Nacht-und-Nebel-Aktion unwiederbringlich verschrottet werden konnte“, empört sich Siegfried Austel noch heute. Ein Nachbau des Originals jedenfalls wäre mit Kosten über zirka 25 000 Euro zu teuer geworden. Deshalb bemühte sich der Heimatverein – mit dem Travemünder Willi Altenburg als „Speerspitze“ – knapp drei Jahren um die Persiluhr von Henkel als Ersatz für das Original. Dabei ließ das Ehepaar Scheunemann-Eichner auch persönliche Beziehungen zur Firma Henkel spielen.

Das Fundament ist schon gegossen. Am 26. November soll die Persiluhr nun aufgestellt werden. Quelle: Michael Hollinde

„Zwei Ordner sind bei uns inzwischen mit Unterlagen und Briefwechseln in der Sache gefüllt“, sagt Horst Eichner. Wie bei einem Pingpong-Spiel seien über viele Monate die Verantwortlichkeiten hin und her geschoben worden; und eigentlich schienen bereits im Mai 2016 die Weichen gestellt, da die Wall AG als exklusiver städtischer Werbepartner der Aufstellung zugestimmt hatte. Aber das Gezerre um Zuständigkeiten ging weiter. „Nun ist es so, dass uns als Heimatverein die Uhr überlassen wird und wir für die Instandhaltung verantwortlich sind“, so Austel. Nun hoffe man aber, dass die Stadt wenigstens die Stromkosten für die beleuchtete Funkuhr übernehme. „Sie ist mit sparenden LED-Leuchten ausgestattet und verbraucht lediglich 180 Watt die Stunde“, argumentiert er. Schließlich sei die Uhr ja eine „öffentliche Einrichtung“.

In gut zwei Wochen soll sie also aufgestellt werden; das Fundament ist bereits fertig. Eine Zuwegung zum nächsten Stromverteiler will der Heimatverein auch noch in Eigenregie schaffen. „Nur anschließen dürfen wir natürlich nicht; da ist die Stadt am Zug. Ich glaube aber nicht, dass sie es bis zum 26. November auf die Reihe bekommt. Deshalb wird die Persiluhr bis zur offiziellen Einweihung erstmal nur verhüllt zu sehen sein“, sagt Siegfried Austel.

Die Historie

Im Jahr 1922 wurde im Kurgarten an der Travemünder Außenallee ein Reklamepfeiler mit Uhr aufgebaut, der den Namen „Persil-Uhr“ erhielt. Diese Uhr ist 1989 durch die Travemünder Handwerkergemeinschaft abgetragen und neu aufgebaut worden, so dass sie Mitte Mai 1989 wieder eingeweiht werden konnte. Im März 2012 wurde sie dann endgültig abgebaut und irrtümlicherweise verschrottet.

1907 machte die Firma Henkel erstmals öffentlich Werbung für das Waschmittel „Persil“. Als Blickfang für die Marke schuf der Berliner Grafiker Kurt Heiligenstaedt 1922 die berühmte „Weiße Dame“, die die Persil-Werbung und damit die Reklamepfeiler bis in die 1960er-Jahre prägte. Vorbild für die Werbe-Ikone soll seine 18-jährige Freundin gewesen sein.

Zum 80. Markenjubiläum von Persil – das war 1987 – sowie dann erneut zum 90. Markenjubiläum begann Henkel in Orten, in denen früher eine Persiluhr stand, diesen Städten diese Uhr kostenlos anzubieten, um mit der „Weißen Dame“ das alte Marketingsymbol wieder in die Öffentlichkeit zu bringen. So steht zum Beispiel auch in Flensburg so ein Exemplar. Schätzungen zufolge sollen bundesweit noch rund 20 dieser Werbeträger aufgestellt sein.

Michael Hollinde

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