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Lübeck Travemünde ist ein teures Pflaster
Lokales Lübeck Travemünde ist ein teures Pflaster
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16:59 12.10.2016
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Lübeck

„Der Markt ist wie leergefegt. Wer Immobilien hat, hält sie fest, alle anderen kaufen, als gäbe es kein Morgen mehr“, sagt eine Maklerin aus Travemünde, die namentlich nicht genannt werden möchte. Auch wenn ihre Kollegen diese Auffassung nicht hundertprozentig teilen: Fakt ist, dass die Preise vor allem im Ostseebad in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen sind. Das belegt auch die großangelegte Studie der LBS, die gestern in Kiel vorgestellt wurde.

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Bei den Preisen für Eigentumswohnungen und Häuser nimmt das Ostseebad in Schleswig-Holstein eine Top-Position ein – Das belegt der Immobilienmarktatlas der LBS – Auch andere Stadtteile werden teurer.

Generell seien die Preise während der vergangenen zwei Jahre in den großen Städten Schleswig- Holsteins stärker gestiegen als die am Hamburger Stadtrand. Auffällig: Die durchschnittlichen Preise für „gebrauchte“ Eigentumswohnungen stiegen zwischen 2014 und 2016 in Travemünde um 17 Prozent, in Gesamt-Lübeck um 11,9 Prozent. In Zahlen: Wurden pro Quadratmeter Eigentumswohnung 2014 in Travemünde noch durchschnittlich 2413 Euro gezahlt, sind es 2016 bereits 2823 Euro. Und: Von allen Stadtteilen der untersuchten Städte mit mehr als 20000 Einwohnern nimmt Travemünde zusammen mit Kiel-Düsternbrook und Holtenau landesweit eine Spitzenposition ein.

Bei „gebrauchten“ Ein- und Zweifamilienhäusern liegen die Preise ebenfalls auf deutlich höherem Niveau als noch vor zwei Jahren: In Travemünde beträgt der Quadratmeterpreis durchschnittlich 2496 Euro (2014: 2367 Euro), was einer Steigerung von 5,4 Prozent entspricht. Derweil liegt der Durchschnitt der Hansestadt bei 1894 Euro (2014: 1700 Euro), in der Innenstadt ist mit 2399 Euro (2014: 2240 Euro) zu rechnen.

Lübeck: Preise bei Ein- und Zweifamilienhäusern in Euro pro Quadratmeter

Lübeck: Preise bei Eigentumswohnungen in Euro pro Quadratmeter

Auch wenn es keine Überraschung ist, dass die Preise für Wohneigentum in Travemünde höher sind als beispielsweise in Kücknitz, und auch wenn bei anhaltendem Niedrigzinsniveau Preissteigerungen „normal“ sind: Was aktuell in Travemünde gehandelt wird, ist bemerkenswert. Je nach Lage, sagt Annegret Möllerherm vom gleichnamigen Immobilienbüro, würden in Travemünde sogar 3500 bis 4000 Euro für den Quadratmeter gezahlt. Unter den Kaufinteressenten seien viele Auswärtige aus Hamburg, Hannover, Düsseldorf oder München, „für die dann die Travemünder Preise immer noch günstig sind“. Viele Interessenten wollten ihre Häuser verkaufen und dafür eine seniorengerechte Eigentumswohnung in Travemünde erwerben. Das Problem für die Maklerin: „Es gibt ein Überangebot an Käufern, aber ein Unterangebot an Immobilien.“

Jens Hillbrunner von der Timmendorfer Niederlassung des weltweit tätigen Immobilienmaklers Engel & Völkers erzählt, die Verkäufer der Objekte würden in Travemünde oft vollkommen unrealistische Preise ansetzen, die deutlich über den von seiner Firma erstellten Bewertungen lägen. „Leute aus unserer Region, die sich auskennen, kaufen nicht zu diesen Fantasiepreisen, Auswärtige sehr wohl“. Auch er bestätigt den aktuellen Run auf Travemünder Immobilien. „50 Prozent der Objekte, die wir verkaufen, tauchen nie im Internet oder in Annoncen auf.“ Doch Hillbrunner macht Hoffnung: „Wer ein bisschen Zeit mitbringt, so etwa drei Monate, der findet auch heute noch in Travemünde eine Immobilie.“

Übrigens: Nicht nur in Travemünde ziehen die Immobilienpreise an. Stadtteile, die bislang wenig beliebt waren, holen deutlich auf: Die Quadratmeterpreise für „gebrauchte“ Eigentumswohnungen stiegen zwischen 2014 und 2016 in Schlutup um 41,8 Prozent, in Moisling um 31,7 Prozent und in Buntekuh immerhin um 17,9 Prozent. Gerade in Moisling und Buntekuh, weiß Sabine König von der LBS, wo viele Hochhäuser stehen, würden Eigentumswohnungen als Anlage- Objekte gekauft. Das bestätigt Rechtsanwalt Nils Tamm von Haus und Grund. „Wir merken das als Verwalter, auch Hamburger suchen in den preiswerten Stadtteilen.“ Natürlich spürt man bei Haus und Grund auch die generelle Beliebtheit der Hansestadt: „Wir haben viele Mitglieder, die ihre Häuser verkaufen und händeringend stadtnahe Eigentumswohnungen suchen.“ Objekte wie das Neue Wallufer, der Falkendamm oder die Wasserkunst seien heiß begehrt und schnell vergeben.

 Sabine Risch

Lübecker Bucht: Preise bei Ein- und Zweifamilienhäusern in Euro pro Quadratmeter

Lübecker Bucht: Preise bei Eigentumswohnungen in Euro pro Quadratmeter

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