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Lübeck Travemünder Rad-Posse: Stadt reagiert
Lokales Lübeck Travemünder Rad-Posse: Stadt reagiert
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22:11 29.05.2016
Beidseitig von Radfahrern genutzte Radwege wie dieser hier im Gneversdorfer Weg gelten als besonders unfallträchtig. Immer wieder übersehen Autofahrer die Zweiradfahrer. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler (2), Wolfgang Maxwitat
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Travemünde

Die Entscheidung der Straßenverkehrsbehörde, das Radfahren auf dem Radweg am Gneversdorfer Weg in einer Richtung zu verbieten (LN berichteten), sorgt nicht nur bei Bürgern für Kopfschütteln. Auch Politiker und der Fahrradclub ADFC zeigen überhaupt kein Verständnis für diese Entscheidung.

Im Sommer soll ein Radfahrstreifen auf der westlichen Seite des Gneversdorfer Weges markiert werden.

„Das ist ein Schildbürgerstreich“, sagt der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Thomas Thalau. Die Einmündung der Vogteistraße in den Gneversdorfer Weg sei seit Jahren ein Unfallschwerpunkt. Bislang hätte die Stadt nur wenig dagegen unternommen. Thalau selbst hat in diesem Jahr als Radfahrer schon drei brenzlige Situationen erlebt, kam jeweils mit dem Schrecken davon. „Eine Bekannte wurde angefahren, hat sich verletzt, und ihr Elektrofahrrad wurde beschädigt“, erzählt der Travemünder Politiker. Doch statt das Radfahren in Gegenrichtung zu untersagen, könnte die Stadt Blinklichter und Warnhinweise in der Vogteistraße installieren.

Der SPD-Verkehrspolitiker Ulrich Pluschkell wirft der Straßenverkehrsbehörde vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen. „Mit dem Verbot will die Verwaltung dafür sorgen, dass Radfahrer bei einem Unfall in der Haftung sind“, sagt Pluschkell, „dann ist die Stadt fein raus.“ Der SPD-Politiker verlangt von der Verwaltung, „dass sie für die neuralgischen Punkte tragfähige Lösungen findet – auch bauliche Lösungen“. Pluschkell: „Radfahrer 250 Meter schieben zu lassen, ist eine absurde Entscheidung.“

Für Silke Mählenhoff zeigt der Vorgang, wie weit die selbsternannte Fahrradstadt Lübeck noch von wirklichen Fahrradstädten entfernt ist. „Wenn Autofahrer blind sind, müssen Radfahrer absteigen – so geht es nicht“, kritisiert die Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen. „Wir werden den Vorgang hinterfragen.“

Rolf Hagen, Vorsitzender des Fahrradclubs AFDC, nennt das Verbot eine Posse. Statt Radfahrer absteigen und schieben zu lassen, könnte der Übergang an der Vogteistraße angehoben werden oder eine Ampel installiert werden. Auch die Markierung eines Radfahrstreifens auf der gegenüberliegenden Seite wäre eine Lösung. Genau die kündigt der Fahrradbeauftragte der Hansestadt jetzt an. „Wir arbeiten schon länger an einer Gesamtlösung für den Gneversdorfer Weg“, sagt Nils Weiland, „in einem Zwischenschritt soll im Sommer auf der Westseite der Fahrbahn ein mindestens 1,85 Meter breiter Radfahrstreifen markiert werden.“ Der Radweg auf der Ostseite wäre dann durchgehend nur noch stadtauswärts befahrbar. Die Entscheidung der Straßenverkehrsbehörde kommentiert Weiland nicht.

Nach LN-Informationen hat eine Unfallkommission aus Polizei und mehreren Behörden entschieden, dass Radler an dieser Stelle absteigen und schieben müssen. Grund sind mehrere Unfälle, bei denen Autofahrer die Radfahrer auf dem Radweg übersehen haben – 2015 immerhin acht, in diesem Jahr schon wieder drei. Zweirichtungs- Radwege, die in beiden Richtungen befahren werden, gelten als besonders unfallträchtig. Das bestätigen der ADFC-Vorsitzende Hagen und der städtische Fahrradbeauftragte Weiland. Ziel sei, diese beidseitig befahrbaren Radwege nach und nach abzuschaffen, so Weiland. Das ist eine Herausforderung. Denn 110 von 180 Kilometern Radweg in der Hansestadt sind für beide Fahrtrichtungen zugelassen – beispielsweise in der Schönböckener Straße, auf einem Abschnitt der Geniner Straße oder in der Kronsforder Allee übergehend in die Kronsforder Landstraße.

Kai Dordowsky

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