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Der Liebling der Liga

Travem�nde Der Liebling der Liga

Travemünde ist Nummer eins der Segel-Bundesliga – Lübecker Clubs fallen zurück.

Travem�nde. Kurze Hose, Seglerschuhe, Polo. Oliver Schwall sitzt im Schatten des „SAP Sail Cubes“, der sich als großer Container-Würfel mit LED- Leinwand aus dem Travemünder Sand erhebt. Der ehemalige Weltklasse-Segler, mehrfacher Medaillengewinner bei WM und EM im Tornado, ist einer der Erfinder der Segel-Bundesliga. Das Format wurde auf dem Reißbrett seiner Hamburger Agentur „Konzeptwerft“ entworfen und 2013 auf Kiel gelegt. Seitdem segelt die Bundesliga im Fußball-Modus mit 18er Staffel von Spieltag zu Spieltag, wurde mit einer 2. Liga, Regionalligen, Junioren-Liga, sogar einer Champions League aufgewertet. Mehr noch: Die Liga ist ein Exportschlager, wird aktuell in 15 Ländern gesegelt.

In Deutschland von Beginn an dabei: Travemünde. „Es ist das Lieblingsrevier der Liga, war meins auch schon früher“, erzählt Schwall. „Das Revier ist schön, der Wind stabil, das ist gerade auf den Binnenseen immer ein Zittern. Travemünde ist immer ein Genuss.“ Ein weiteres Plus: „Segeln und Zuschauer sind nirgends so dicht gedrängt, das gefällt uns.“ Und dann sei da noch SAP. Seit 2014 überträgt der Software-Riese alle Rennen live auf seinem Cube. In diesem Jahr mit sieben Kameras, darunter zwei auf Begleitbooten und einer Drohne. Die Bilder kommentieren für Laien nachvollziehbar ZDF-Frontmann Alexander Ruda und die ehemaligen 49er-Stars Marcus Baur und Tobias Schadewaldt mit Big Data und 3D als Unterstützung. Wind, Strömung, gesegelte Strecke – alle Daten sind in Echtzeit abrufbar. „Das ist ein Pfund“, sagt Schwall. „Travemünde ist auch unser Forschungs- und Entwicklungslabor. Wir haben hier getestet, was später bei WM und EM zum Einsatz gekommen ist.“ Seit Anfang des Jahres ist Schwall mit der Konzeptwerft-Tochter „Sail Track“ auch Partner des Weltverbandes „World Sailing“.

Die Bundesliga segelt jetzt in der fünften Saison. „Wie eine gut geölte und geschmierte Maschine“, sagt Schwall. „Und das Leistungsniveau ist gigantisch hoch. Das heutige Niveau der zweiten Liga hat das der ersten vor drei Jahren.“ 2013 konnte auch er mal so eben mitsegeln. „Das ist jetzt vorbei. Die Liga hat den Leistungssport in den Clubs beflügelt.“ Um die 60 Boote allein drängt es Jahr für Jahr in den Liga-Zirkus. Und: Viele Clubs würden sich auch um ein Event bewerben. Im Herbst sollen die Spieltag-Orte für die Saison 2018 festgezurrt werden.

Champions League wird in Kopenhagen, St. Petersburg, in diesem Jahr auch in St. Moritz und vor Porto Cervo auf Sardinien gesegelt. Und wann in Deutschland? „Das ist noch einmal eine Nummer größer, können wir nicht mit Bordmitteln stemmen. Da brauchen wir schon ein Budget von um die 400000 Euro“, sagt Schwall, der sich die Königsklasse in Travemünde aber „wunderbar vorstellen“ kann.

Noch ist es die Bundesliga. Und am zweiten Tag lief es für die Lübecker nicht so gut. Erstligist Lübecker Yacht-Club (LYC) ist auf Rang 14 zurückgefallen (Serie: OSC, 6, 1, 6, 3, 3), Zweitligist Lübecker Segler-Verein auf Platz 15 (6, 5, 5, 3, 5, 4, 2). „Das war sehr durchmischt“, berichtete LYC-Teammanager Max Gebhard. „Wir hätten nicht gedacht, dass wir einen Frühstart hingelegt hatten, das gab schon mal sieben Punkte, dazu noch ein vergurktes Rennen – da waren es schon 13 Zähler. Das war nicht unser Tag, es war auch nicht so viel Wind wie erwartet, schade.“ Ziel bleibe immer noch Rang zehn. „Wir haben am Sonntag noch fünf Rennen. Da muss es aber runder laufen, dürfen wir nicht so viele Baustellen haben“, sagte Gebhard und verabschiedete sich auf die „Passat“ zum Empfang der Bundesliga.

In der ersten Liga ist weiterhin der Wassersport-Verein Hemelingen auf Kurs Sieg, eine Etage darunter ist es die Seglervereinigung Itzehoe, der sich viele Ehemalige aus dem aufgelösten Liga-Team des Kieler Yacht-Clubs angeschlossen haben. Heute Morgen geht es weiter, ab 12 Uhr auch live im Segel-Kino vor dem SAP Sail Cube.

Jens Kürbis

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