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Heimspiel in der Lübecker Bucht

Heimspiel in der Lübecker Bucht

Der zwölfjährige Niclas Burdon st eines der vielen Talente aus der LN-Region, die bei den Internationalen Deutschen Jugend-Meisterschaften mitsegeln. Seine Freunde Magnus (13), Kjell (13) und Jesper (14) wollen auch ganz nach vorn segeln.

Vollwaschgang: Niclas Burdon (12) aus Lübeck mischt bei den O’pen Bics vorn mit.

Quelle: Maxwitat

Das Boot abgeriggt, schält sich Niclas Burdon vor dem Container-Büro auf dem Grünstrand aus seinem Neopren-Anzug. Der zwölfjährige Steppke ist eines der vielen Talente aus der LN-Region, die bei den Internationalen Deutschen Jugend-Meisterschaften mitsegeln. Niclas ist einer der Besten. Und das im Feld der insgesamt 36 O’pen Bic. „Na ja, die ersten drei Rennen waren okay, aber die letzten zwei nicht so“, erzählt er. Heißt in Zahlen: 4, 10, 2, 18, 18. Gesamtplatz sieben nach zwölf Wettfahrten. Noch besser ist Magnus Voß. Gestern war sein Tag – der 13-Jährige ist auf Platz sechs vorgesegelt, hatte sogar in einem Rennen den Bug vorn. Sieg! „Meine Starts waren richtig gut, dann habe ich es gut nach Hause gebracht“, lautet sein Fazit.

Niclas und Magnus – der Lübecker Yacht-Club (LYC) ist ihr Heimatverein. Auch Kjell Haschen startet für den LYC, ist ebenfalls 13, sitzt aber im Opti. Wie der ein Jahr ältere Jesper Bahr vom Lübecker Segler Verein (LSV). Als 6. beziehungsweise 18. nach acht Wettfahrten mischen beide im Feld der 204 Optis ganz vorn mit, segeln ab heute Goldflotte. Beide sind auch im Landeskader. Nur: Für Kjell ist es die erste DM, für Jesper die letzte im Opti. Der OzDer steigt nach den Ferien in den Laser um. „Er ist mit seinen 1,74 Meter auch zu groß. Sein Wunsch hier ist ein Tagesieg bei viel Wind und der Einzug in die Goldflotte, das letzte hat ja schon mal geklappt“, berichtet Mutter Juliane. Mit Birte Haschen wartet sie abends um sechs immer noch am Grünstrand. Die Jungs schieben nach acht Stunden auf dem Wasser eine Extraschicht im Teamrace.

Kjell kann vom Segeln nicht genug bekommen. In Heiligenhafen zu Hause, „ist er jede freie Minute auf dem Wasser“, erzählt Mutter Birte, die die Lütten im Ort trainiert. „Er hilft mir, gibt Tipps. Er will auch mal Trainer werden – und Bundesliga segeln.“ Da es in Heiligenhafen keine Regattasegler gibt, düsen die Haschens sogar zweimal die Woche zum Training nach Lübeck zu Uwe Schimanski. Kjell brennt fürs Segeln. „Er war fünf und wir im Urlaub an der Müritz. Da hatte er Kinder segeln sehen und meinte: ,Mama, das will ich auch‘.“ Nur vom Trainer hieß es: Komm wieder, wenn du schwimmen kannst. Ein halbes Jahr später konnte er schwimmen. Er fragte nun zu Hause im Verein nach. Da hieß es: Erst ab acht! Kjell machte seinen Jüngstenschein, stand wieder auf der Matte. Jetzt durfte er Probesegeln. Der Trainer war baff: Der Junge kann ja was. Mit sechs.

Jesper wurde das Segeln in die Wiege gelegt. „Mein Mann segelt, und auf dem Boot vom Opa hat er die Pinne schon gehalten, da konnte er noch nicht mal stehen“, erzählt seine Mutter. Mit ihrem Mann hat er dann auf dem Ratzeburger See, dem Heimatrevier des LSV, die ersten Runden gedreht – und wird es nach der DM wieder tun. Allerdings allein – im Laser.

Niclas und Magnus, die O’pen- Bic-Jungs haben den Opti hinter sich. Magnus ist vor dreieinhalb Jahren nach einem Probetraining ins Segeln gekommen, im April erst in die Jolle umgestiegen. „Ich fand das cooler.“ Niclas auch. „Das Boot ist schneller, macht mehr Spaß. In der Gruppe ist es auch netter.“ Wenn die Optis um acht schlafen gingen, würden sie noch Karten spielen. Deshalb würde er auch am liebsten auf dem Grünstrand bleiben, statt abends zurück nach Lübeck zu fahren. „Er wollte schon, dass wir hier campen“, erzählt Vater Dan, „zu Hause kann er die Rennen aber besser nachbereiten.“

Denn das Live-Tracking ermöglicht auch den Optis über SAP-Analytics alle Daten, von der gesegelten Strecke bis zur Anzahl der Manöver abzufragen.

„Ich habe zu viel Speed verloren“, sagt Niclas. Ein Nachteil bei mehr Wind: Mit 30 Kilo zählt er zu den Leichtgewichten im Feld. Und wo will er zur DM landen? „Unter den Top zehn wäre cool.“ Und Magnus? „Wenn ich den 6. Platz halten kann, das wäre genial.“ Ein Super-Heimspiel. Der künftige Achtklässler durfte schon den Sportler-Eid sprechen. Diese Travemünder Woche wird er nie vergessen.

Auch, weil es mit Niclas noch am Samstag nach der Siegerehrung direkt an den Gardasee geht – zur Weltmeisterschaft.

 Jens Kürbis

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